27. 05. 2012
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Wollen die Grünen Grundstücksgeschäft rückgängig machen?
Einem Bericht der Bild-Zeitung in der heutigen Ausgabe zufolge soll der dritte Bauabschnitt des Wohnbauprojekts "Prima Colonia†in Köln-Widdersdorf nicht genehmigt werden. Die Grünen, nach der letzten Kommunalwahl mit 20 Vertretern im Kölner Stadtrat möglicher Koalitionspartner der SPD, sollen demnach dem dritten Bauabschnitt ihre Zustimmung versagen. Das Bauprojekt solle sich zunächst einmal entwickeln, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jörg Frank. Der Projektentwicklung Amand errichtet dort ein komplett neues Stadtviertel mit entsprechender Infrastruktur an Straßen und Schulen. Erst vor wenigen Wochen startete sogar die KVB mit einer eigenen Buslinie ins Viertel. Geplant sind 1400 Einfamilienhäuser und Wohnungen für geschätzte 3500 Menschen. Das Grundstücksgeschäft selbst bringt der Stadt Einnahme in dreistelliger Millionen Euro-Höhe, der Grundstückswert des dritten Bauabschnitts soll nach Angaben der Stadt bei über 20 Millionen Euro liegen.
Mit scharfer Kritik reagierte der Kölner Dezernent für Wirtschaft und Liegenschaften, Dr. Norbert Walter-Borjans. "Das wäre nicht nur ein selbst verursachter GAU für den städtischen Haushalt, weil der Investor dann die zwischen ihm und der Stadt vereinbarte Kaufsumme von über 22 Millionen Euro für diesen Abschnitt nicht zahlen müsste, sondern auch noch Ersatzansprüche für eine auf die vereinbarte größte Lösung ausgerichtete Infrastruktur geltend machen könnte", erklärte der Stadtkämmerer. Viel mehr stört den Dezernenten die potenzielle Rufschädigung und eine negative Wirkung auf Großinvestoren. Für die Gründe der Grünen zeigte Walter-Borjans keinerlei Verständnis. "Derjenige, der das Gespenst einer drohenden Satellitenstadt in den Raum stellt, verkennt völlig die Realität", so der Beigeordnete.
Der erste Bauabschnitt mit 650 Wohneinheiten in Eigenheimen und Wohnungen ist bereits bezogen. Derzeit wird noch am zweiten Bauabschnitt gebaut. Dabei werden 450 Wohneinheiten errichtet. Der dritte und letzte geplante Bauabschnitt soll die restlichen 300 geplanten Wohnungen auf den Markt bringen. Neben den Wohngebäuden hat sich der Investor auch an der örtlichen Infrastruktur sowie im Schulbau finanziell engagiert.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auch im Internet unter: www.prima-colonia.de.
Kommentar
Eine Bewerbung hätte kaum ungünstiger ausfallen können. Aufgabe eines Stadtkämmerers ist es, die Einnahmen der Stadt zu optimieren und bei den Ausgaben mit Bedacht und Vorsicht zu agieren. Dass sich die Kölner Grünen nun weigern, den dritten Bauabschnitt zuzulassen, ist aus mehreren Gründen wenig nachvollziehbar. Zum einen entsteht in Widdersdorf alles andere als ein Ghetto. Zum zweiten ist Köln als eine der wenigen Kommunen geradezu darauf angewiesen, neuen Wohnraum zu errichten. Bis 2030 soll die Stadt um mehr als zehn Prozent wachsen. Dass die Grünen ohne Not die Stadt nun in den Augen von Investoren diskreditieren, könnte der größte Schaden sein.
Diese Angelegenheit könnte zudem einen Schatten auf die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und den Grünen werfen. Nach dem Dissens in Sachen Godorfer Hafen, der missglückten Opposition der SPD in Sachen Erweiterung des Privatgymmasiums Dialog kommt nun ein gewichtiger Dissens hinzu. Dass Walter-Borjans, selbst Mitglied der SPD, nun derart heftig reagiert, lässt die Schwierigkeiten der beiden Koalitionspartner in spe nun offenkundig werden. Was besonders bitte wäre. Neben den ganzen Kosten müsste auch die KVB noch mal nachrechnen. Als sie vor wenigen Wochen die neue Buslinie für das Viertel kalkuliert hat, ging sie von 3500 Einwohnern aus. Möglicherweise wäre dann auch der Betrieb der neuen Buslinie ökonomisch nicht mehr tragbar. Ein weiterer "Grüner" Kollateralschaden?

























