19. 06. 2013
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Haushalt der Stadt Köln ist beschlossene Sache
Alle Fraktionen betonten jedoch, dass die Zusammenarbeit während der
Haushaltsplanberatungen zumindest innerhalb der drei tragenden
Fraktionen konstruktiv und fair gewesen sei. Vor diesem Hintergrund
bedauerte SPD-Fraktionschef Martin Börschel das Fehlen der FDP. „Die
Liberalen haben sich sang- und klanglos aus der Verantwortung
verabschiedet“, erklärte Börschel in seiner Rede. Der SPD-Politiker
vergab zudem der Stadtspitze um Oberbürgermeister Fritz Schramma die
„Kopfnote mangelhaft“. Weder zum Masterplan Innenstadt noch zum Haus
der Kulturen habe es vonseiten der Verwaltungsspitze oder der
bürgerlichen Parteien (hier vor allem CDU) entsprechende Vorstöße
gegeben, so Börschel weiter.
Im Einzelnen erläuterte Börschel die Schwerpunkte seiner Partei bei den
Haushaltsverhandlungen. So werden in diesem Jahr insgesamt 16,7
Millionen Euro zugesetzt, davon alleine 13,5 Millionen im investiven
Bereich. Im kommenden Haushaltsjahr erhöht sich dieser Betrag sogar auf
etwas mehr als 43 Millionen Euro. Auch dann liegt der Schwerpunkt
wieder auf investiven Maßnahmen, die knapp 30 Millionen Euro ausmachen.
Besonders im Schulbereich lege man deutlich zu. Der größte Teil fließt
dabei in die Erneuerung und Herrichtung von Schulmensen an
weiterführenden Schulen (10 Millionen Euro), 7,6 Millionen Euro in den
Schulbereich, sieben Millionen in den Jugendbereich sowie weitere 1,5
Millionen Euro in die pädagogische Übermittagsbetreuung. Zusätzliche
elf Stellen sind für den Ausbau der Schulsozialarbeit vorgesehen,
Kostenpunkt hier: rund 750.000 Euro. Auch Kölns Spielplätze sollen in
diesem und dem kommenden Jahr profitieren. 1,5 Millionen will das
Haushaltsbündnis in den Neubau und die Sanierung von Spielplätzen
investieren, weitere 300.000 Euro gehen in den Ausbau von Sport- und
Skateranlagen. Ein „win-win-Paket“ mit einem Volumen von 4,5 Millionen
Euro soll als kombiniertes Programm arbeitsmarkt-, sozial- und
bildungspolitische Aspekte miteinander verbinden. Wie Börschel bereits
in der Sitzung des Finanzausschusses am 9. Juni erklärte, sollen
städtische Gebäude von förderungswürdigen Jugendlichen und Arbeitslosen
wieder hergerichtet werden (Köln Nachrichten berichtete.)
Auch ansonsten waren die Sozialdemokraten nicht gut auf die Politik der
schwarz-gelben Landesregierung zu sprechen. Mehrfach wurde die
Landesregierung rund um CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gerügt.
„Die CDU hat sich am Nasenring der FDP herumführen lassen“, so einer
der Seitenhiebe des SPD-Fraktionsvorsitzenden in Richtung
Landesregierung. Auch in Sachen „soziale Marktwirtschaft“ hielt
Börschel dem Landesvater staatliche Interventionen entgegen, die das
„Recht des Stärkeren“ entsprechend abfedern. „Das sind
ethisch-moralische Gebote der Stadtpolitik. Wir dürfen nicht zulassen,
dass aus Armut soziale Ächtung wird“, erklärte Börschel und meinte
damit unter anderem den mithilfe der Linken eingeführte Regelung zum
KölnPass. Schließlich sei auch die Lobbyarbeit der drei Kölner
CDU-Abgeordneten im Düsseldorfer Landtag zu wünschen übrig, so Börschel
weiter. „Wer 1000 Termine im Jahr hat, kann sich um die wichtigen Dinge
auch nicht wirklich kümmern“, giftete Börschel.
Schwerpunkte von CDU, FDP und Grünen
„Für uns ist entscheidend, dass die Schwerpunkte und Zielvorgaben
unseres Oberbürgermeisters Fritz Schramma im Haushalt 2008/2009 nicht
angetastet wurden“, betonte CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka gleich
zu Beginn seiner Rede. Im Gegensatz zu SPD und Grünen sieht der
CDU-Politiker auch die Neuregelungen durch das KinderBildungsGesetz
(KiBiZ) im Land NRW als wichtigen Baustein für mehr Vereinbarkeit von
Familie und Beruf. Ein besonderer Schwerpunkt der CDU sei es gewesen,
einen 50-prozentigen Nachlass beim Besuch des dritten
Kindergartenjahres durchgesetzt zu haben. Diesen Punkt machte
allerdings auch Ratsherr Börschel für sich geltend. „Der
Kompromissvorschlag kam von uns“, so der SPD-Politiker. Den Anreiz
seine Kinder, länger als bislang in den Kindergarten zu schicken, ist
aber auf beiden Seiten unstrittig. Familien und Alleinerziehende sparen
dadurch bis zu 1583 Euro pro Jahr, rechnete Granitzka vor. „Wir
investieren damit in die Zukunft unserer Gesellschaft“, so der
CDU-Mann. Ziel der CDU bleibe aber die generelle Beitragsfreiheit.
Weitere Schwerpunkte der CDU waren Zusetzungen in den Bereichen Sport
bei der Unterhaltung der Sportstätten, der Verzicht auf
Schwimmbadnutzungsgebühren (Einnahmeverzicht: 100.000 Euro) sowie die
Erhöhung der Jugendbeihilfe (Mehrkosten im Haushalt: 200.000 Euro). Die
Zusetzungen in diesem Bereich belaufen sich insgesamt auf rund 650.000
Euro. Dritter Schwerpunkt der Christdemokraten und besonderes Anliegen
war die Erhöhung des Kulturetats um zehn Prozent. Für 2009 bedeutet das
eine nochmalige Zunahme um 5,5 Millionen Euro, nachdem bereits in
diesem Haushaltsjahr sieben zusätzliche Millionen eingestellt wurden.
Während sich CDU und SPD beharkten, hielt sich Grünen-Fraktionschefin
Barbara Moritz zurück. Sie hob in ihrer Rede die Umstellung des
Abrechnungssystems aber auch die erfolgreiche Durchführung des
Bürgerhaushalts hervor. „Es ist gut, dass wir nun noch mehr darüber
wissen, wo der Schuh drückt“, erklärte die Fraktionschefin. Allerdings
müsse trotz des Erfolg und der internationalen Anerkennung noch mehr
für die Herabsetzung möglicher Schwellen (Stichwort: Internet) getan
werden. Moritz denkt dabei an bezirkliche Info-Veranstaltungen, die man
beim nächsten Mal einplanen könnte. Deutlicher als ihre Vorredner
begründete Moritz die Entscheidung, die Haushaltsplanung aus dem
kommenden Wahlkmapf heraushalten zu wollen. Im Gegensatz zu den anderen
Rednern ließ die Ratsfrau der Grünen sogar durchblicken, dass man bei
aller Haushaltshoheit von Unwägbarkeiten abhängig ist, auf die man
recht wenig Einfluss hat. „Die konjunkturelle Entwicklung können wir
kaum beeinflussen“, räumte Moritz ein. Aber die positiven
Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Investitionen in die Infrastruktur
(Stadtbahnbau, Glasfasernetz, Masterplan), liegen sehr wohl in der
Verantwortung der Stadt. Auch der Klimaschutz und die Pflege der
Grünanlagen liegen ihrer Partei sehr am Herzen. Nicht zuletzt durch den
Bürgerhaushalt sieht sich die Kommunalpolitikerin darin bestätigt, aufs
Fahrrad umzusteigen. „Klimaschutz bedeutet Gesundheitsschutz. Für uns
ist gesunde Luft ein Grundrecht“, so Moritz abschließend.
Unter den großen Parteien hat sich alleine die FDP aus den
Haushaltsberatungen zurückgezogen. Vor allem strukturelle Gründe machte
Fraktionschef Ralph Sterck geltend, um das Fernbleiben seiner Partei
aus dem Haushaltsbündnis zu begründen. Dabei bekamen alle Beteiligten
der Haushaltskoalition ihr Fett weg. Den Grünen warf Sterck
„Postenkäuflichkeit“ vor. Die Totberuhigung der Innenstädte durch das
von Rot-Grün beschlossene Platzkonzept wurde ebenfalls wieder
hervorgeholt. Als „beschämend“ bezeichnete es der Chef der Kölner
Liberalen im Stadtrat, dass man beim bevorstehenden Public Viewing auf
den östlichen Zubringer zurückgreifen muss und dies nicht auf dem
Heumarkt feiern darf. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen (Köln
Nachrichten berichtete) ließ Sterck jedoch unerwähnt. Auch in Sachen
Verkehr und Städtebau sieht Sterck zwar gute Ansätze, aber wiederholt
betonte er, „Köln hat mehr Möglichkeiten“. Schließlich bekam auch
Oberbürgermeister Schramma und seine Partei Kritik ab. Während der OB
zu wenig Engagement an der Fortentwicklung städtebaulicher
Leuchtturmprojekte zeige, diene sich die CDU-Fraktion dem Kernbündnis
als Erfüllungsgehilfe an. Schließlich blieb von den 2,1 Milliarden Euro
an Mehreinnahmen unterm Strich kaum etwas übrig. „Das Geld wurde
verfrühstückt“, so das abschließende Fazit Stercks.
Rahmendaten
Der nun beschlossene Haushalt hat ein Volumen von knapp über drei
Milliarden Euro. Im Ergebnisplan (maßgeblich) erwirtschaftet die Stadt
in diesem Jahr einen leichten Überschuss in Höhe von 11,8 Millionen
Euro. Im kommenden Jahr kalkuliert der Stadtrat einen Fehlbetrag in
Höhe von 102,8 Millionen Euro ein. Das Defizit wird aus der so
genannten Ausgleichsrücklage gebildet. Die ist so eine Art „Sparbuch“
und kann in Köln bis zu einer Höhe von 600 Millionen Euro in Anspruch
genommen werden. Ist die Ausgleichsrücklage ausgeschöpft, droht der
Stadt erneut der Nothaushalt.






















