27. 05. 2012
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Hitzige Auseinandersetzung um Demonstrationen in Kalk
Auf Antrag der Fraktion Die Linke diskutierte am heutigen Abend der
Stadtrat über die Vorfälle in Kalk, aber auch die politischen
Äußerungen einiger Kommunalpolitiker zur Sache. In der Kritik stand und
steht vor allem der ehemalige Leitende Polizeidirektor Winrich
Granitzka, derzeit Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten im
Stadtrat. Durch seine Äußerungen, die Situation im Kölner Osten gleiche
einem Pulverfass und drohe, den Vorfällen in französischen Vorstädten
entsprechend zu eskalieren. In der Ratssitzung selbst zog Gramitzka
Parallelen zur Situation nach dem rechtsradikalen Anschlag auf eine
türkische Familie in Solingen. „Nach den Vorfällen in Solingen nahm die
Gewalt ihren Lauf“, verteidigte Granitzka das Vorgehen der Polizei und
seine eigenen Äußerungen.
„Ihre Äußerungen vor einer Woche waren schlimm genug. Ihr Vergleich zur
Situation nach Solingen ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten“
entgegnete die migrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Susanna
dos Santos-Herrmann. Selbst der Kölner Polizeipräsident Klaus
Steffenhagen als auch Oberbürgermeister Fritz Schramma hatten Granitzka
und seiner Einschätzung teilweise widersprochen. So protestierten die
Jugendlichen in der Vergangenheit größtenteils friedlich. Auch gebe es,
darauf machte dos Santos Herrmann aufmerksam, im Stadtteil bereits
genügen Gesprächs- und Betreuungsangebote. Allerdings gebe es auch
Optimierungsbedarf, wie der sozialpolitische Sprecher der
Grünen-Fraktion Ossi Helling betonte.
Linke kritisiert Polizeieinsatz
Im Gegensatz zu den großen Fraktionen kritisierten die Linken auch den
ihrer Meinung nach unverhältnismäßigen Polizeieinsatz. „Ein
Wanderkessel für 200 friedliche Demonstranten, das ist keine
Deeskalation“, erklärte Claus Ludwig. Vielmehr liege die Ursache für
die Demonstrationen nach Meinung der Linken längst nicht mehr nur in
der Trauer über den „tragischen Tod“ des Jugendlichen, sondern sind in
der Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher zu suchen. „Sie rebellieren
absolut zu Recht“, so Ludwig. Enttäuscht hätten sich die Jugendlichen
auch über die fehlende Präsenz des Kölner Oberbürgermeisters gezeigt,
ergänzte Linken-Ratsfrau Özdemir. „Ich lasse mich nicht von Ihnen
auffordern, dort zu erscheinen. Aber bisher habe ich von dort keine
Anfrage erhalten“, konterte OB Schramma. Auch seine eigenen Mitarbeiter
hatten bisher keine Notwendigkeit gesehen, dass das Stadtoberhaupt sich
im Viertel blicken lässt. Die Situation ist schwierig genug. Es hätte
wenig gebracht, wenn der Oberbürgermeister aus populistischen Gründen
das Viertel besucht hätte“, so Schramma weiter.
Politiker mahnen zur Sachlichkeit
Mehr Jugendarbeit und bessere Betreuungsangebot sind also notwendig.
Das sah auch der jugendpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Marco
Mendorf so. Insbesondere im Stadtteil Kalk hat sich trotz des Abbaus
von insgesamt rund 9000 Arbeitsplätzen eine Menge getan. Insgesamt
warnte der FDP-Politiker aber davor, dieses Thema politisch ausnutzen
zu wollen. „Die Vorgänge in Kalk machen mich traurig, wütend und
betroffen. Aber eine Diskussion darüber hat hier eigentlich nichts zu
suchen“, so Mendorf. Auch der Grünen-Ratsherr Helling widersprach der
Auffassung der Linken, dieses Thema politisieren zu wollen und mit der
aktuellen Stunde zusätzliche Informationen zur Situation der Migranten
einholen zu wollen. „Das ist politischer Unsinn. Wir wissen sehr genau,
mit wem wir es hier zu tun haben“, so Helling, der zugleich auch auf
die zahlreichen Hilfsmaßnahmen hinwies. Zwar gebe es
Optimierungsbedarf, doch die eingeleiteten Gegenmaßnahmen greifen
bereits, so das Urteil des Grünen-Sozialexperten. Auch wenn, wie
FDP-Mann Mendorf einwarf, es im Stadtteil Kalk keine einzige offene
Jugendeinrichtung gebe.
Auch Oberbürgermeister Schramma rief zum Schluss der weit über
einstündigen Debatte zur Sachlichkeit auf. Insbesondere richtete er
diesen Aufruf an die trauernden Protestierer, sich von Gewalt jeglicher
Art zu distanzieren und die Mittel des friedlichen Protestes zu nutzen.
Noch vor Eröffnung des Straßenkarnevals wolle er zusammen mit dem
Polizeipräsidenten Klaus Steffenhagen und dem marokkanischen
Generalkonsul bereits am Mittwoch Gespräche und notfalls weitere
Maßnahmen ergreifen.

























