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Knappe Mehrheit für Sanierung und Neubau auf Opernquartier


18.12.2009 05:21 von:

Schlagwörter: Köln,Oper,Opernquartier,Schauspiel,Schauspielhaus,Beschluss,Mehrheit,Kostendecke

Die Entscheidung ist gefallen. Weit nach Mitternacht hat der Kölner Stadtrat eine für das Kulturleben der Stadt überragend gewichtige Entscheidung getroffen. Mit einer Mehrheit aus SPD, FDP und der Stimme des Oberbürgermeisters (35 insgesamt) setzte sich die Beschlussvorlage der Verwaltung gegen die anderen Vorschläge durch. Die Fraktion der Grünen und pro Köln enthielten sich der Stimme und machten damit den Weg für die Entscheidung frei. CDU, Linke und die beiden Einzelmandatsträger Dr. Martin Müser (Kölner Bürger-Bündnis) und Thor Geir Zimmermann (Deine Freunde) stimmten dem Verwaltungsvorschlag nicht zu. Der Verwaltungsvorschlag sieht die Sanierung des Opernhauses, den Neubau des Schauspielhauses am Offenbachplatz sowie weitere Sanierungsmaßnahmen eines externen Produktionszentrums sowie eines Orchesterprobesaal mit ein. Auf Ballettproberäume wolle man jedoch verzichten, heißt es in der so beschlossenen Vorlage.

Mit dem mehrheitlich getroffenen Beschluss werden zugleich weitere Kosten fällig. So sollen die Gesamtkosten zwar auf 295 Millionen Euro begrenzt werden. Aber bereits die Addition der vier gelisteten Posten, die dem Kostendeckel unterliegen, zeigt eine leichte Ãœberschreitung um rund 7,5 Millionen Euro. Planerische Maßnahmen sollen sicherstellen, dass der Kostendeckel gehalten werden kann. Hinzu kommen aber schon jetzt weitere 44,7 Millionen Euro, die für die Ãœbergangslösung ("Interimskosten" plus Bauleitzinsen für den Offenbachplatz) anfallen und aufgrund der Beschlusslage nicht beeinflussbar sind. So veranschlagt die Verwaltung in ihrem Beschlussvorschlag rund neun Millionen Euro für die Sanierung des bereits existierenden Produktionszentrums an der Oskar-Jäger-Straße sowie 2,3 Millionen Euro für die Sanierung des externen Orchesterprobesaals an der Stolberger Straße. Auf 1,6 Millionen Euro belaufen sich "verlorene Kosten aus der bisherigen Planung", in erster Linie Wettbewerbs- und Planungskosten, die seit dem Start des Projekts ausgegeben wurden.

Neben den reinen Baukosten standen aber vor allem die Folgekosten und damit die laufenden Belastungen aus dem Betrieb der neuen Spielstätten auf der Liste der Kritiker ganz oben. Nicht zuletzt und vor allem an diesem Punkt rieb sich auch der potenzielle Koalitionspartner der SPD, die Kölner Grünen. "Viele Fragen sind noch nicht beantwortet", begründete Brigitta von Bülow den Antrag ihrer Fraktion, die Entscheidung auf die kommende Ratssitzung zu verschieben. Insbesondere sei die Differenz zwischen dem jetzigen Zuschussbedarf für die Bühnen (50 Millionen Euro) und der ab 2014 notwendigen Erhöhung um 30 Millionen Euro pro Jahr, so Jörg Detjen von der Linken. Die veranschlagten Baukosten selbst seien aber bereits zu optimistisch berechnet. So befürchtet Martin Müser vom Kölner Bürger Bündnis (KBB) fundamentale Kostensteigerungen. Thor Geir Zimmermann von der Formation Deine Freunde mahnte an, auf Basis einer alten Studie eine günstigere Sanierungsvariante zu finden. "Die ursprüngliche Kostendeckelung von 230 Millionen Euro ist in keiner Variante mehr erreicht", so die Kritik Zimmermanns. Jörg Uckermann sprach in diesem Zusammenhang sogar von einer "kulturellen Verrichtungsbox".

Wesentlich gewundener fiel die Reaktion der beiden konservativen Parteien FDP und CDU aus. So bemängelte Dr. Ralph Elster von der CDU, dass die jetzt vorgelegten Planzahlen sich nicht allzu sehr von den Zahlen unterscheiden, die zum Planungsstopp im Sommer dieses Jahres geführt haben. Die Reduzierung um die ursprünglich geplante Ballettkompagnie ist für die Kulturpolitiker der CDU aber bereits zuviel. Elster hätte sich – ähnlich wie von Bülow – eine Vertagung gewünscht. "Die Vorlage war zwar fristgerecht, aber trotzdem kurzfristig", so der CDU-Politiker. Gewundener drückte sich da FDP-Ratsherr Volker Görzel aus. Seine Fraktion habe immer einen grundsätzlichen Konsens angestrebt. Durch den Planungsstopp und die folgenden Aktivitäten sei das "ganze Paket wieder aufgeschnürt worden", so die Kritik Görzels. Eine Sanierung des Schauspielhauses ist den Kulturpolitikern der Liberalen aber auf jeden Fall zu wenig. "Den Schauspielkomplex künstlich am Leben zu erhalten, ist die schlechteste Lösung. Eine Ruine als Ort des Schauspiels ist dieser Stadt nicht würdig", so die klare Ansage Görzels. SPD-Ratsfrau Dr. Eva Bürgermeister machte deutlich, dass die nun beschlossene Variante die beste sei. "Wir halten den Vorschlag der Verwaltung für den einzig richtigen Weg. Der Vorschlag ist besser, stabiler und nachhaltiger als eine Sanierungslösung", so Bürgermeister abschließend.


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