27. 05. 2012
Seite drucken
Köln-Vingst: 30 Einrichtungen protestieren gegen Kürzungen im Sozialbereich
"Wir haben in diesem Stadtteil schon immer vernetzt gearbeitetâ€, weiß Tommi Grusch von Stadtteilbüro Vingst des örtlichen Bürgerzentrums. Eine Schülerband aus dem Vorort intonierte ein Musikstück, rund 30 Vertreter von Einrichtungen aus dem städtischen Sozialraum Höhenberg/Vingst brachten die selbst bemalten und beschrieben Papptafeln in DIN-A 0-Größe mit, um sie getreu dem Motto der Veranstaltung in einer Reihe aufzustellen und anschließend umzustoßen. "Domino Day" hatte aber nicht den Zweck, dem Kölner Fernsehsender und seiner Produktionsfirma in einer neuen Sportart nachzueifern, sondern auf ein Problem aufmerksam zu machen, dass zunehmend für Sorge und Unruhe sorgt. Gemeint sind die geplanten und bereits umgesetzten Kürzungen. Zwar hatte der Stadtrat unlängst die Abschlagszahlungen für das erste und zweite Quartal des laufenden Jahres an die Freien Träger ausgezahlt. Die wurden notwendig, weil die Stadt Köln die Haushaltsplanberatungen aufgrund des geplanten Doppelhaushalts in den Herbst verschoben hat. Allerdings wurde dieser Betrag bereits um 7,5 bis 12,5 Prozent gekürzt. Auch das Bürgerzentrum Vingst erhält im ersten Halbjahr zehn Prozent weniger Geld als im Vorjahr. Die Folgen sind bereits jetzt spürbar. "Wir konnten einige Honorarkräfte nicht weiterbeschäftigen. Einige Angebote mussten wir bereits streichen", berichtete Grusch weiter.
"Wir haben in den Stadtteilen Höhenberg und Vingst immer schon vernetzt gearbeitet. Wenn wir ein Angebot aus der Palette herausnehmen, sind auch andere betroffen. Das ist wie beim Domino", erläuterte der Sozialraumkoordinator des Viertels, Andreas Hildebrandt, weiter. Besonders die weitere Zukunft steht derzeit noch nicht fest. Viele Menschen sind nach Darstellung Hildebrandts verunsichert und sie befürchten, dass der ersten Kürzungswelle weitere folgen werden. "Wir würden uns wünschen, dass das schwierige Thema der offenen Jugendarbeit wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rückt", erläuterte der Leiter des dortigen Bürgerzentrums, Heinz Sieke. Er erinnerte an eine Spendensammelaktion aus den späten 90er Jahren, in der nicht nur ein siebenstelliger DM-Betrag gesammelt, sondern auch eine breite öffentliche Diskussion zum Thema offene Jugendarbeit stattfand. Aber nicht nur den Jugendlichen des Stadtteil "mit besonderem Förderbedarf", so die offizielle Bezeichnung, drohen bei den Kürzungen unter die Räder zu kommen. Auch für viele ältere Menschen gibt es Angebote von Trägern und Initiativen. "Wenn wir zum Beispiel bei Angeboten zur Seniorenbetreuung kürzen, ist auch die Kindertagesstätte um die Ecke betroffen. Dann lesen die Älteren den Jüngeren nichts mehr vor", beschreibt Grusch den Domino-Effekt. Das wäre fatal, wo doch gerade die Vernetzung der Stadtteilangebote in den vergangenen Jahren zum Wohle der Menschen vor Ort fortgeschritten ist. Zwar ist die derzeitige Sorge für die erfahrenen Sozialarbeiter nichts Neues. Schon einmal gab es im Jahr 2003 aufgrund des damaligen Haushaltssicherungskonzeptes eine Kürzungsrunde, unter anderem wurden fast alle städtischen Streetworker-Stellen gestrichen. Die Härten konnten jedoch durch andere Fördertöpfe wenigstens teilweise aufgefangen werden. Auf die Nachfrage, ob die anstehenden Kürzungen gravierender sind, antwortete BZ-Leiter Sieke: "Das müssen wir befürchten". Er muss es wissen, schließlich ist er seit 35 Jahren mit diesen Themen beruflich befasst.
Weitere Informationen zum Sozialraum Höhenberg / Vingst und den dort gebündelten Aktivitäten, Initiativen und Ansprechpartnern finden Sie auch im Internet unter: www.hoevi.info.

























