27. 05. 2012
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Kölner Ratssitzung - heftige Debatten um Finanzkrise und Deutzer Hafen
Das wurde auch in der gestrigen Ratssitzung deutlich.
Schon beim ersten Thema – der internationalen Finanzkrise und ihren
Auswirkungen auf den städtischen Haushalt – wurden die
unterschiedlichen Schwerpunkte deutlich. Während Jörg Detjen und Claus
Ludwig heftige Kritik an den vorgelegten Zahlen des Kämmerers übten,
nutzten die anderen Parteien den Tagesordnungspunkt ihre
grundsätzlichen wirtschaftspolitischen Standpunkte zu präzisieren.
Dabei ist längst bekannt, dass nach den jüngsten Prognosen des
Arbeitskreises Steuerschätzung die Zahlen für 2008 einen neuen
Höchststand und im kommenden Jahr einen fast ebenso deutlichen Rückgang
erfahren dürften. Und so versuchten CDU und SPD jeweils für sich die
Urheberschaft auf die „soziale Marktwirtschaft“ zu behaupten. Die
Liberalen, die dank ihres Leitmottos „Privat vor Staat“ durch die
jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise in die Verteidigungsposition
gelangt sind, versuchten mit einer polarisierenden Rede von diesem
Trend abzulenken. „Die Linke darf nicht Profiteur der Finanzkrise
werden“, fordert der Fraktionsgeschäftsführer der FDP Ulrich Breite.
Die Grünen hingegen wollen die Situation in regelmäßigen Abständen
überprüfen, ein Umstand, der ohnehin durch die zu jeder Sitzung des
Finanzausschusses aktualisierten Haushaltsentwicklungen gegeben ist.
Paradebeispiel für ideologische Debatten
Dass sich der Kölner Stadtrat durch die lose Zusammenarbeit zwischen
dem Kölner Kernbündnis aus SPD und Grünen und der Fraktion der Linken
ohnehin eher auf der linken Seite des politischen Spektrums bewegt,
scheint die perfekte Voraussetzung für ideologische Debatten zu sein.
Das konnten die anwesenden drei Schulklassen, die am 26. November
dieses Jahres gemeinsam den „Tag der Jugend im Rathaus“ verbringen
werden, auf der Zuschauertribüne verfolgen. Auch wenn ihnen die
Untiefen der Debatte um die richtige Reaktion des Staates auf die sich
anbahnende Wirtschaftskrise in den Köpfen der Jugendlichen vielleicht
noch nicht zu einer echten Ideologie verdichtet sind. Die jeweiligen
Positionen wurden deutlich gemacht. Das galt auch für die Themen
Deutzer Hafen, Sonntagsverkauf und selbst für das Clouth-Gelände.
Selbst wenn sich alle vier Fraktionen auf einen Kompromiss geeinigt
hatten, schimmerte in den Debatten der jeweils unterschiedliche
ordnungspolitische Ansatz durch. So sprachen sich in Sachen Deutzer
Hafen CDU und FDP für eine Weiterentwicklung des industriell genutzten
Areals zu einem modernen neuen Stadtquartier in der Art des
Rheinauhafens aus. Auf der anderen Seite lehnten Grüne und die Linke
dieses Ansinnen ab, lediglich die Sozialdemokraten schienen nach einer
schnellen Lösung zu suchen, ohne sich selbst explizit festlegen zu
wollen. Das beantragte Moratorium, keine Mietvertragsverlängerungen
über das Jahr 2017 hinaus zuzulassen, laufe ins Leere, so die
Argumentation der SPD-Fraktion. Deren Fraktionschef Martin Börschel
nutzte die Darstellung der gegensätzlichen Standpunkte der beiden
Dezernenten Bernd Streitberger (Stadtentwicklung) und Dr. Norbert
Walter-Borjans (Wirtschaft und Liegenschaften), um den eigentlichen
Adressaten ihrer Kritik, Oberbürgermeister Fritz Schramma, zu
attackieren. „Sie können nicht so tun, als geht sie das nichts an. Sie
sind der Chef der Verwaltung“, so Börschel, der vom ersten Bürger der
Stadt ein Machtwort einforderte.
Kritik an der Verwaltung
Und nicht nur hier wurde Kritik an der Verwaltung deutlich. Auch beim
FDP-Vorschlag, zukünftig ehrenamtliche Kulturpaten als Repräsentanten
und Ansprechpartner für vermögende Kunstsammler in der Stadt zu
schaffen, stieß auf heftige Gegenrede. Das sei eine städtische Aufgabe,
wie die anderen Fraktion verdeutlichten. Doch keiner der Redner aus den
verschiedenen Fraktionen ließ ein gutes Haar an der Arbeit der
Kulturverwaltung. Der kleinste gemeinsame Nenner aller vier großen
Ratsfraktionen war wohl, dass die Betreuung von potenziellen
Kultursponsoren und –stiftern seitens der Stadt mehr als „suboptimal“
sei. Kulturdezernent Prof. Georg Quander machte allerdings darauf
aufmerksam, dass die geforderten Richtlinien zum Umgang mit vermögenden
Kunstinteressierten an der eigentlichen Problematik vorbeigehen. „Jeder
Wunsch einer Stiftung ist ein Einzelfall, den wir individuell behandeln
müssen“, wies Quander die Kritik zurück. Mit dem mehrheitlich
beschlossenen Antrag von Rot-Grün die Verwaltung mit der Überprüfung
der eigenen Aktivitäten zu beauftragen, wurde denn der vermeintliche
„Schwarze Peter“ wieder in Richtung Stadtverwaltung zurückgeschoben.
Ebenfalls deutlich wurde die Kritik im Falle der geplanten
Weiterentwicklung des Clouth-Areals im Kölner Stadtteil Nippes. Hier
soll auf einem ehemaligen Industriegelände ein urbanes Stadtquartier
mit gemischter Wohn- und Gewerbenutzung entstehen. Doch die
vorbereitenden Arbeiten scheinen auch ein Jahr nach einem Vorstoß des
Stadtrates immer noch nicht merklich weitergekommen zu sein. Nun soll
nach einstimmigen Beschluss des Rates externer Sachverstand in Form
einer Projektentwicklungsgesellschaft eingebunden werden. Aber selbst
hier wurden die unterschiedlichen Standpunkte deutlich. Während SPD und
Grüne die Entscheidung vorsichtig als „ultima ratio“ und Mittel zur
Verfahrensbeschleunigung einstuften, gab es heftige Kritik vonseiten
der FDP. „Dieser Antrag ist eine schallende Ohrfeige für den
Oberbürgermeister und den Liegenschaftsdezernenten“, erklärte der
Fraktionschef der Liberalen im Kölner Stadtrat Ralph Sterck. Und
CDU-Fraktionsvize Karl Klipper sieht den Standort Köln schon wegen
solcher langen Vorlaufzeiten auf hintere Plätze zurückfallen. „Wir
müssen im Standortwettbewerb wieder vorne mitspielen“, forderte Klipper
für seine Fraktion.
Weitere Themen
Im weiteren Verlauf wurde die Verwaltung beauftragt, künftig zu jedem
Verwaltungsvorschlag eine begründete und kalkulierte Alternative
mitzuliefern. Zwar sei dieser Antrag ein „bürokratisches Monster“ und
damit „völlig unsinnig“, wie CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka erbost
ausrief. Aber eine sinngemäß nahezu gleichlautende Passage stehe nun
mal auch im Handbuch des Oberbürgermeisters zu den Leitlinien der
Verwaltung, wie der Fraktionsgeschäftsführer der SPD Michael Zimmermann
feststellte. Und so wurde er mit Mehrheit von Rot-Rot-Grün
durchgesetzt. Der Vorschlag der Liberalen, statt der verabredeten drei
zukünftig vier verkaufsoffene Sonntag in der Kölner Innenstadt
zuzulassen wurde erwartungsgemäß mit großer Mehrheit abgelehnt.

























