20. 05. 2013
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Kölner Stadtrat setzt klares Signal gegen Rechts
Dagegen regte sich auf der heutigen Ratssitzung der heftige und kollektive Widerstand.
Auslöser der Debatte war ein Ratsantrag der Fraktion Die Linke und des
Einzelmandatsträgers Dr. Martin Müser (Kölner Bürger-Bündnis). Auf
dieses Ticket legten die Ratsfraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP nach
und legten einen weiterführenden Antrag vor, der die Veranstaltung mit
allen rechtsstaatlichen Mitteln zu verhindern sucht. „Alle
demokratischen Parteien verurteilen die Anti-Islam-Veranstaltung“,
erklärte Antragsteller Jörg Detjen von den Linken. „Wir wollen
gemeinsam Flagge zeigen, wir stellen uns quer“, ergänzte Jochen Ott von
der SPD. „Sie wollen durch Aufstachelung Konflikte schüren“, lautete
der Vorwurf von Müser und auch FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich
Breite zeigte sich „angewidert“ von der Ankündigung einer solchen
Veranstaltung. CDU-Chef Winrich Granitzka selbst unterstützte die
Ablehnung gegenüber dem Anliegen der „rechtspopulistischen“ Formation
und den Änderungsantrag ebenfalls, auch wenn er sich einen
Seitenhieb auf das Kölner Bürger-Bündnis nicht verkneifen konnte. „Wir
haben inhaltlich die gleiche Meinung. Aber sie haben sich die falschen
Spielkameraden ausgesucht“, begründete Granitzka seine Kritik.
Argumente gegen Rechts
Insbesondere die von der Verwaltung bereits zuvor abgegebene
Information (auf Anfrage der Linken in der vergangenen Ratssitzung),
welche Redner auf dem geplanten „Kongress“ ihre Parolen verkünden
wollen, sorgte für Unmut. Allerdings hatte auch die angesprochene
Fraktion bereits reagiert und die umstrittenen Redner selbst aus der
Liste auf ihrer Homepage gelöscht. Davon ließen sich die demokratischen
Kräfte allerdings nicht abhalten, in ihren Reden auf die Argumente der
Rechten einzugehen. So kritisierte SPD-Mann Ott unter anderem, dass die
Formation in der vorherigen Haushaltsdebatte unter anderem die
Abschaffung des NS-Dokumentationszentrums forderte. Auch die als
Haushaltsplan vorgelegten Kürzungen bei Selbsthilfezentren von Schwulen
und Migranten offenbare sich das wahre Gesicht von pro Köln, wie Ott
weiter ausführte. Auch Grünen-Stadtrat Ossi Helling forderte gemeinsame
Aktionen gegen rechte Demagogie. „Fangen wir jetzt mit Partizipation
an“, erklärte Helling in Anspielung auf die zunehmende
Politikverdrossenheit. CDU-Fraktionschef Granitzka nutzte gar ein Zitat
des DGB, um die eigene Position zu unterstreichen. „Köln ist bunt und
nicht braun“, so der ehemalige Leitende Polizeidirektor.
Nach ausführlicher Debatte unterstrich auch Oberbürgermeister Fritz
Schramma die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens. In seiner
Eigenschaft als Chef der Verwaltung stellte Schramma klar, dass die von
pro Köln eingeladenen „Gastredner“ in Köln „persona non grata“ sind.
Die Stadt werde zudem im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Zugang zu
eigenen Räumlichkeiten verhindern. Die größte Sorge des Kölner
Stadtoberhaupts aber ist, dass es wegen der Veranstaltung
möglicherweise zu Konflikten mit einer ganz anderen Gruppe in Köln
kommen könnte. Am Tag, an dem der Kongress stattfinden soll, ist in der
Kölner Altstadt Weltkindertag. Traditionell findet dort ein Volksfest
mit zehntausenden junger Gäste statt. Die Redner sollten also möglichst
schnell wieder verschwinden, wenn sich ihre Ankunft schon nicht
verhindern ließe, so Schramma abschließend.
Die Debatte am heutigen Tage war ein eindrucksvolles Beispiel gelebter
und wehrhafter Demokratie. Alle Formation – natürlich bis auf die
selbsternannten Saubermänner der rechtsgerichteten „Bürgerbewegung“ –
übten den Schulterschluss und sprachen sich einmütig, wenn auch mit
leicht abweichenden Nuancen gegen die geplante Veranstaltung aus. Das
ist einer Demokratie würdig. In Köln haben Rassisten und Rechtsextreme
keinen Platz, so die Worte Otts. Und dem kann man eigentlich nichts
hinzufügen. Es tut dem Ruf der Stadt Köln gut, dass auch die CDU
zusammen mit der Linken dem Antrag von Rot-Grün-Geld zustimmte und
damit ein klares Zeichen gegen Intoleranz, Spaltung und Rassismus
gesetzt hat. Solche Zeichen sind wichtig für die Vorbildfunktion von
Politikern und des klaren Bekenntnisses zu den Grundregeln eines auf
Toleranz und Respekt fußenden Zusammenlebens in einer Metropole wie
Köln.
Doch viel zu lange hielt sich die Auffassung, dass die tumbe Ablehnung
und der Einsatz polizeilicher oder anderer rechtsstaatlicher Mittel
alleine ausreicht, um die Doppelzüngigkeit von „pro Köln“ zu entlarven.
Rechtsradikalismus lässt sich nun mal nicht totschweigen. . Stumpfe
Ablehnung und Ignoranz, wie sie bisweilen von einzelnen Parteien als
Marschrichtung vorgegeben wurde, lösen das Problem nicht. Das hat auch
die von den Grünen zitierte Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung noch
einmal klar und deutlich herausgestellt. Rechte Parolen, auch wenn sie
nur im Suff geäußert werden, sind längst wieder hoffähig. Pro Köln hat
sich das bisher zunutze gemacht. In der heutigen Debatte kamen
zumindest einige Vertreter der verschiedenen Parteien die Anträge und
deren Stoßrichtungen thematisierten und sie berichteten über die wahren
Hintergründe.
Inhaltliche Aueinandersetzung ist also angesagt, auch wenn es ein
mühsames Unterfangen ist. Dass es funktioniert, haben die Redebeiträge
am heutigen Dienstag deutlich gemacht. Stichwort Haushaltsdebatte: Hier
forderte pro Köln neben der bereits beantragten Auflösung der Kölner
NS-Gedenkstätte auch Mittelkürzungen beim Junkiebund, bei den
interkulturellen Zentren, bei Selbsthilfegruppen für Drogensüchtige,
AIDS-Kranke, Roma oder Schwule. Damit wollte man unter anderem auch
Schulden abtragen. Doch gerade die niederschwelligen Hilfen, das wissen
inzwischen selbst Privatisierungsfetichisten, sind die
Haushaltseinsparungen von morgen. Politik sollte Probleme lösen und sie
nicht verschärfen. Die Kürzungen der vergangenen Jahre belegen dies
überdeutlich und zum Glück zeigt sich ein überparteiliches Umdenken.
Hinzu kommt, dass in der Vergangenheit die Rechten kaum einen Zweifel
ließen, worum es ihnen eigentlich geht. Sie wollen einen Keil in die
Reihen der Konservativen treiben und nutzen Themen wie den Moscheebau
oder Kriminalität ausländischer Jugendlicher immer wieder, um Angst zu
schüren und die Gesellschaft zu spalten. Mit dem Anti-Islam-Treffen
haben sich die Rechten aber möglicherweise ein Eigentor geschossen.
Dank der öffentlichen Debatte wurde für jedermann die „Fratze des
Rechtsradikalismus“ erkennbar, auch wenn sie in Gestalt ihres bisweilen
trotz rhetorischer Geschliffenheit etwas tapsig wirkenden Chefredners
daherkommt. Es wurde auch langsam Zeit.






















