25. 05. 2013
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Messehallen beschäftigen Kölner Stadtrat
Nach einer nicht auf die Redezeit angerechneten Einführung des
Oberbürgermeisters in das Thema forderten die Fraktionen Grüne, FDP
sowie die Ratsgruppe Kölner Bürger-Bündnis (KBB) gemeinsam
Akteneinsicht gemäß Gemeindeordnung (§ 55 GO). Danach steht diese
Maßnahme auf Antrags eines Fünftels der Ratsmitglieder den
entsprechenden Vertretern zu. Weitere Anträge in dieser Angelegenheit
wurden mehrheitlich abgelehnt. Bürgermeister Josef Müller (CDU) –
gleichzeitig erster Stellvertreter Schrammas – sicherte seinem
Parteifreund die uneingeschränkte Unterstützung seiner Fraktion zu.
„Der Oberbürgermeister genießt unser volles Vertrauen." Er verwies
zudem auf die offiziellen Verlautbarungen von Sparkasse und
Messegesellschaft, die übereinstimmend ausdrückten, dass „alle Fragen
zufriedenstellend beantwortet wurden“.Wie die CDU sei aber auch die SPD-Fraktion an einer raschen Aufklärung
der Hintergründe interessiert, erklärte deren Fraktionsvorsitzender
Martin Börschel. Er wünsche sich, „dass die Ermittlungen vonseiten der
Staatsanwaltschaft wegen erwiesener Unschuld eingestellt würden“ und
damit das Kölner Stadtoberhaupt sauber aus der Affäre herauskäme.
Allerdings kam auch Kritik an der Arbeit der Stadtspitze auf. Der
Fraktionschef kritisierte die Äußerungen selbsternannter Experten, die
zwischenzeitlich für viel Wirbel sorgten. Aber dass sich dieser Fall so
zuspitzte, lag an der „exorbitant schlechten Öffentlichkeitsarbeit“ der
Stadtspitze Die Praxis des zwischenzeitlichen Stillschweigens sei einer
Stadt wie Köln unwürdig“, fasste Börschel seine Kritik zusammen.
Stichwort Transparenz
Die SPD-Spitze profitiere und profitierte selbst in Oppositionszeiten
von „alten informellen Netzwerken“, die sie mit den relevanten
Informationen versorgen, kritisierte hingegen Grünen-Fraktionschefin
Barbara Moritz. Als die Grünen als Partner einer schwarz-grünen
Mehrheitskoalition in der Verantwortung standen, bestanden diese
informellen Kontakte im „Finanzausschuss des Aufsichtsrates“, einem
informellen Empfehlungsgremiums für den offiziellen Aufsichtsrat der
Messegesellschaft, fort. FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite
bezweifelte gar zu wissen, wer genau „Herr des Verfahrens“ war.
Offenbar wusste der Rat zu wenig, um eine solch wichtige Entscheidung
unter Einsicht aller relevanten Informationen zu treffen, räumt der
FDP-Mann ein. Diese mangelnde Transparenz im Ratsgremium selbst lässt
berechtigte Zweifel aufkommen, ob die kategorischen Forderungen anderer
politischer Formationen nach Transparenz und Aufklärung überhaupt
realisierbar sind.
Kommentar
Zweieinhalb Monate nach der letzten ordentlichen Ratssitzung am 5. Juli
2005 kam es gestern Abend zur großen Aussprache zum
Messehallengeschäft. Grüne, FDP und Kölner Bürger-Bündnis (KBB)
erhalten demnächst Akteneinsicht in die Vorgänge. Die Verwaltung muss
keinen umfassenden Bericht über das Messegeschäft vorlegen und
Oberbürgermeister Fritz Schramma erhielt von fast allen Ratsmitgliedern
Unterstützung für eine rasche Aufklärung der „Affäre“. Diese war durch
eine „exorbitant schlechte Öffentlichkeitsarbeit“ seitens der
Stadtspitze eigentlich erst hochgekocht, kritisierte der
Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion Martin Börschel, auch wenn er
sich wünsche, „dass die Ermittlungen gegen den OB aufgrund erwiesener
Unschuld eingestellt würden“. Alleine neun zum Teil längere
Redebeiträge bemühten sich um Klarstellung der wesentlichen Fragen,
ohne den Zuschauern neue Erkenntnisse oder gar Klarheit vermitteln zu
können.
Abschließender Eindruck: Das Messegeschäft war nicht das beste für die
Stadt, der Zeitdruck wirkt künstlich erzeugt und die unterschiedlich
involvierten Interessen der Beteiligten sorgten für Verwirrung und
Orientierungslosigkeit. Es fehlte, wie die Grünen hervorhoben, der
Gesamtüberblick. Da liegt das Problem: Ein miserabler „Deal“ mit
enormen finanziellen Belastungen für die Steuerzahler wurde
durchgepaukt und selbst der Rat als politische Entscheidungsinstanz der
Bürger fühlen sich jetzt mehrheitlich unzureichend informiert. Aber so
richtig verantwortlich fühlt sich keiner. Und ein schlechtes Geschäft
zu machen, ist alleine noch nicht strafbar.






















