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26. 10. 2014
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Mögliche Bebauung der Pferderennbahn erregt erneut die Gemüter


06.05.2009 07:40 von:

Schlagwörter: Köln,Köln-Weidenpesch,Grundstückskauf,Rennbahn,Rennverein,Bebauung,Teilstück,Wir

Das Thema Pferderennbahn war schon im Wahlkampf des Jahres 2004 ein echter "Aufreger" im Kölner Norden. Weil der Rennverein als Eigentümer des 55 Hektar großen Areals, auch als "Grüne Lunge" bekannt, in die roten Zahlen geraten war, stand damals eine mögliche Teilbebauung eines größeren Teilstücks der Park- und Grünflächen auf dem Plan. Unter den Anwohnern regte sich daraufhin heftiger Widerstand, eine Bürgerinitiative trat auf den Plan, es gab es moderiertes Workshopverfahren mit intensiver öffentlicher Beteiligung. Sogar eine öffentliche Führung durch die normalerweise abgesperrten Bereiche wie Stallungen sowie die marode Haupttribüne standen auf dem Programm. Nachdem das Thema anschließend fast vier Jahre weiter vor sich hin schmorte, entschloss sich die Stadt Köln, unterstützt durch die Mehrheit des Stadtrates, zu einem Deal. Sie erwarb das Areal im November vergangenen Jahres für einen Kaufpreis von rund 15 Millionen Euro, nachdem die entsprechende Vorlage im Liegenschaftsausschuss und in nicht-öffentlicher Sitzung im Rat beschlossen wurde. Schon in der damaligen Ratsvorlage wurde eingeräumt, dass bei den Kaufverhandlungen selbst ein 7900 Quadratmeter großes Teilstück an der Friedrich-Karl-Straße, auf dem sich derzeit noch Stallungen befinden, eine Wohnbebauung möglich sein soll. Doch offenbar war diese Vorgabe nicht allen Mitgliedern bekannt, wie die gestrige Diskussion im Stadtrat bewies.

Gegenseitige Vorwürfe

Gleich zwei Anträge standen auf der gestrigen Tagesordnung des Rates, die genau diese mögliche Bebauung verhindern wollten. Während Einzelmandatsträgerin Petra May den "Beschluss zur Teilbebauung der Rennbahn vom 13. November 2006" zurücknehmen wollte, legte der Änderungsantrag des Kölner Bürger-Bündnisses (KBB) den Verzicht auf eine weitere Bebauung bzw. den Weiterverkauf nahe. "Die Bundesregierung selbst legt die Begrünung der Innenstädte aus Gründen des Klimaschutzes nahe und nun diese Hiobsbotschaft", kritisierte Ratsfrau May. "Vor Ort wurde immer wieder kolportiert, dass das Grundstück nicht bebaut werden wird. Wir wollen mit unserem Antrag Klarheit schaffen", legte Dr. Martin Müser vom Kölner Bürger-Bündnis nach. Auch FDP-Fraktionschef Ralph Sterck kritisierte die Pläne der Stadtverwaltung. "Warum wird hier so eine Vorlage eine Abkürzung gewählt, an den Ausschüssen für Stadtentwicklung und Umwelt, Gesundheit und Grün vorbei?. Sie haben das Kleingedruckte verschwiegen", so die Kritik des Liberalen.

Die Befürworter des Grundstücksankaufs hingegen warfen den Kritikern Unwissenheit vor. So gehe die Vorlage direkt unter der Ãœberschrift auf die Bedingungen zum Grundstücksankauf ein. "Der Kaufpreis wurde allen Interessen gerecht. Dieser ist aber nur darstellbar, wenn in Teilbereichen optimiert werden kann. So wird das Areal an der Niehler Straße definitiv nicht bebaut", verteidigte Wirtschafts- und Liegenschaftsdezernent Dr. Norbert Walter-Borjans das Vorhaben. Für die 7900 Quadratmeter große Teilfläche an der Friedrich-Karl-Straße, die nun möglicherweise doch bebaut werden kann, habe man in den Verhandlungen einen Teilbetrag von 1,8 Millionen Euro ausgewiesen. "Das kann man vertreten und als Bauland ausweisen", so Walter-Borjans weiter. Den Vorwürfen, er habe sich die Konditionen des Kaufvertrages aufdiktieren lassen, wollte der Beigeordnete nicht stehen lassen. "Von Drohgebärden kann nicht die Rede sein. Wir sind sogar auf eine Reihe von Mehrforderungen des Rennvereins nicht eingegangen. Nicht-öffentlich heißt übrigens nicht, dass die Ratsmitglieder ihn nicht lesen dürfen", so der Wirtschaftsdezernent weiter. Auch SPD und Grüne verteidigten den im November vergangenen Jahres beschlossenen Grundstücksankauf samt seiner Bedingungen. Während Grünen-Fraktionsvize Jörg Frank den Kritikern "Krokodilstränen" und die Veranstaltung eines "Affentheaters" vorwarf, die Vorlage samt möglicher Bebauung ansonsten allerdings verteidigte, legte die SPD eine Zusicherung nach. "Es wird keinen Beschluss zur Bebauung der Rennbahn mit der SPD geben", erklärte SPD-Ratsherr Johannes Waschek. Allerdings wies auch der SPD-Politiker darauf hin, dass dem Kauf selbst eine umfassende Wertermittlung vorausging. "Es gibt keinen Grund, dieses Paket wieder aufzuschnüren", so das Fazit des SPD-Mannes.

Nachdem Ratsfrau May auf die Abstimmung ihres Antrags verzichtete, stimmte der Stadtrat in der anschließenden Abstimmung mehrheitlich gegen den verbliebenen Antrag des Kölner Bürger-Bündnisses. Neben den beiden Antragstellern unterstützten lediglich die FDP und pro Köln das Anliegen, der Rest stimmte gegen den Antrag.


Kommentar

So sehr die Sorgen und Befürchtungen der Anlieger verständlich und nachvollziehbar sind. Die Aufregung um die Bebauung des Rennbahngeländes muten schon ein wenig merkwürdig an. So soll zum einen lediglich ein "Zipfel" des weitläufigen Areal bebaut werden. Das hatte vor vier Jahren noch ganz anders geklungen. Damals war von einer Bebauung entlang der Niehler Straße die Rede, wodurch die Grüne Lunge Rennbahn in der Tat mehr als amputiert worden wäre, nun hat sich die Bebauung merklich reduziert. Zum anderen waren die Bedingungen des Grundstückskaufs bereits im vergangenen Juni bekannt, als SPD und Grüne einen entsprechenden Vorstoß ankündigten. Warum sich die SPD-Fraktion jedoch mit Versicherungen wie einem Verzicht auf die Bebauung selbst bindet, lässt sich nur mit Wahltaktik beantworten. Legendär ist in diesem Zusammenhang des Satz des SPD-Fraktionschefs geblieben, der auf einer der zahlreichen Diskussionen zum Thema im jahr 2004 einmal erklärte. "Mit uns wird es diese Bebauung der Rennbahn nicht geben." Man kann Börschel nicht mal vorwerfen, er habe die Bevölkerung belogen, schließlich ist die nun mögliche Bebauung eine andere als die damals diskutierte. Aber von derartigen sprachlichen Feinheiten lassen sich viele Betroffene im Kölner Norden nicht wirklich begeistern. Ähnlich dürfte es sich mit den Äußerungen Wascheks verhalten. Sie wurden auf der Zuschauertribüne mit hämischen Kommentaren bedacht.

Während also der Vorwurf des Kleingedruckten sich als vorgeschoben erwies, bleibt trotzdem das schale Gefühl, dass die Kommunikation zwischen Verantwortlichen und Betroffenen zum wiederholten Male nicht wirklich funktioniert hat. Dafür spricht auch das verkürzte Verfahren, auch wenn es in der Sache durchaus begründet wird. Nicht zum ersten Mal müssen die Anwohner der Rennbahn "Kröten" schlucken, die ihnen so vorher nicht wirklich offen kommuniziert wurden. Der Vorwurf, dass das alles nicht einmal den Weg in die Presse fand, muss die Redaktion Köln Nachrichten allerdings zurückweisen. So deuteten SPD und Grüne in einer gemeinsamen Presseerklärung bereits im Juni vergangenen Jahres, also lange vor dem eigentlichen Beschluss zum Grundstücksankauf an, dass es gewissen Bedingungen gebe, wolle die Stadt wie geplant das Areal vom Rennverein erwerben. Das kann man nicht nur auf den Internetseiten der beiden Parteien nachlesen. Auch Köln Nachrichten berichtete darüber auf seinen Seiten und wurde zu Recht in der Ratssitzung zitiert. Das möchten wir jedoch nicht als Vorwurf verstanden wissen, sondern vielmehr als Anregung. Es gibt in Köln die mediale Vielfalt, es gilt nur, sie auch zu nutzen.







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