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19. 04. 2014
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Privatgymnasium Dialog darf expandieren


01.07.2009 04:33 von:

Schlagwörter: Köln,Stadtrat,Abstimmung,geheim,Parkplatz,Buchheim,Dialog,Privatgymnasium

Es war die wohl spannendste Entscheidung der gestrigen Ratssitzung. In geheimer Abstimmung sprach sich eine knappe Mehrheit von 44 gegen 42 abgegebene Stimmen gegen einen Antrag der SPD-Fraktion aus, das Parkplatzgrundstück an der Arnsberger Straße nicht für eine Erweiterung des in privater Trägerschaft befindlichen Gymnasiums Dialog umzuwidmen. Schon in den beteiligten Ausschüssen konnte die SPD die anderen Fraktionen, auch ihren Koalitionspartner, nicht von den eigenen Argumenten überzeugen. "Wir haben im Stadtteil und Stadtbezirk Mülheim keinen Bedarf für ein zusätzliches Gymnasium", brachte SPD-Ratsherr Franz Philippi. Hauptargument sind die rückläufigen Anmeldezahlen an den anderen Gymnasien im Umfeld, insbesondere am Genoveva-Gymnasium. Selbst die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Lale Akgün habe sich gegen die Erweiterung des Gymnasiums ausgesprochen. "Ethnische Privatschulen reißen Gräben auf und schaffen ethnische Nischen", zitierte Philippi seine Parteifreundin. Auch die Linke und die Fraktion "pro Köln" unterstützten das Anliegen der SPD, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Grünen. Während die Linke grundsätzlich ein Problem mit Privatschulen habe, sehen die als rechtsextrem eingestuften Mitglieder der Fraktion pro Köln eine "Verfestigung der Ghettobildung".

Eine Mehrheit aus CDU, FDP und Grünen sah das völlig anders. "Der Antrag trotzt nur so vor Scheinheiligkeit. Das ist eine Schule, die wertvolle Integrationsarbeit leistet", entgegnete die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Gisela Manderla. Die Schule sei keine Konkurrenz sondern eher eine Bereicherung der örtlichen Schullandschaft, so Manderla weiter. Der Argumentation des Koalitionspartners wollten auch die Grünen nicht folgen. "Die Schule schafft ein gesamtstädtisches Angebot auch über Köln hinaus. Wir machen die Schulen nicht für die Schulen, sondern für die Schüler", erwiderte Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz. FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite rief die Kritiker aus den Reihen der Sozialdemokraten zur mehr Realitätssinn auf. Breite vermutet andere Gründe als die offiziell genannten, schließlich sei das von einem privaten Trägerverein geführte Gymnasium bereits aktiv und von der Bezirksregierung genehmigt.

Für Genc Osman Esen, Geschäftsführer des Trägervereins Türkisch-Deutscher-Akademischer Bund e.V., ist das Ansinnen der Sozialdemokraten unverständlich. In einem Gespräch mit der Redaktion Köln Nachrichten äußerte er sich enttäuscht über die Tatsache, dass die SPD ganz offensichtlich auch in Kauf nehme, von Rechtsextremisten wie pro Köln unterstützt zu werden. Den Argumenten hatte sein Verein bereits vor Wochenfrist entgegen gehalten, dass maximal ein bis zwei Schüler pro Schuljahr tatsächlich von anderen Gymnasien des Stadtteils abgezogen werden. "Wir haben Schüler aus Düren und aus Gummersbach. Und wir benötigen dringend Erweiterungsflächen, damit die Schüler der Klassen 5 bis 7 auch in der achten Klasse bei uns unterrichtet werden können", erklärte Osman. Im neuen Schuljahrgang 2009/2010 stammen immerhin neun der 52 neuen Schülerinnen und Schüler aus Familien mit nicht rein türkischer Herkunft, zwei davon sogar aus deutschen Familien. Seine Schule ist derzeit an zwei Standorten untergebracht. Alleine schon aus diesem Grunde sei eine Erweiterung in Buchheim sinnvoll, argumentiert Osman. Besonders enttäuscht zeigte sich der Geschäftsführer des Trägervereins von der Tatsache, dass lediglich die SPD-Fraktion der Einladung des Vereins nicht gefolgt sei, sich in einem persönlichen Gespräch über die Hintergründe der Schule und ihrer Initiatoren zu informieren. Ein möglicher Grund kam in der letzten Sitzung des Integrationsrates zur Sprache. Das dortige Mitglied Turan Özcücük kritisierte dabei den angeblich islamistischen Hintergrund des Trägervereins. Ein Vorwurf, den Osman eindeutig zurückweist.


Kommentar

Dass ausgerechnet die Sozialdemokraten sich an die Spitze der Kritiker eines Privatgymnasiums stellen, mutet schon merkwürdig an. Die Art und Weise der Argumentation ist noch viel eigenartiger. So belegen die Anmeldezahlen der städtischen Gymnasien, insbesondere des Genoveva-Gymnasiums, dass der rückläufige Trend bereits einsetzte, als es das Gymnasium noch gar nicht gab. Und das bereits vor zwei Jahren der Verein bei der Präsentation ihres Konzeptes darauf hinwies, dass nach Meinung von Experten in den ersten beiden Jahren kaum damit zu rechnen sei, dass das Gymnasium deutsche Schülerinnen und Schüler aufnehme, scheint der SPD aus dem Gedächtnis gerutscht zu sein.

Auch wenn die Sozialdemokraten betonten, nicht auf die Stimmen der Rechtsextremen zu schielen, sie taten es doch. Nur so ist das diffuse Gemenge an Vorwürfen und Schutzbehauptungen zu verstehen, mit dem die SPD versucht, ihrer eigenen Klientel im Kölner Nordosten nach dem Mund zu reden. Nein: Das Gymnasium und seine Träger sind eigentlich ein Paradebeispiel für ein gutes und zielführendes Integrationskonzept, das schon seit zwei Jahren am Standort Buchheim arbeitet. Es ist bedauerlich, dass sich die Sozialdemokraten dabei auf Argumente zurückziehen, die wir sonst nur aus links- und rechtspopulistischen Formationen hören. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit. Glücklicherweise gab es am gestrigen Dienstag zu wenig Abgeordnete, die in geheimer Abstimmung dem Ansinnen folgten.







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