26. 05. 2013
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Ratsmehrheit plant Doppelhaushalt für Köln
„Die vorgezogenen Oberbürgermeister- und Kommunalwahlen haben das
Zeitfenster für die Beschlussfassung über den Haushaltsplan 2009 so
erheblich verkürzt, dass eine seriöse Beratung nicht gewährleistet
werden kann“, heißt es in der am späten Montag versandten
Presseerklärung aller drei Fraktionen. Angesichts der wechselnden
Mehrheit und des heraufziehenden Wahlkampfes drohe die Gefahr, dass
der vom Stadtoberhaupt eingebrachte Haushaltsplan im kommenden Jahr
keine Mehrheit finden wird. Die Folge wäre ein Nothaushalt mit all
seinen Beschränkungen. „Eine solche Situation wäre für die Bürger, für
das Image und das Investitionsklima der Stadt fatal“, argumentieren die
Befürworter dieses Vorhabens.
Kritik von FDP, Linken und Kölner Bürger-Bündnis
Die nicht an dem Kompromiss beteiligten Fraktionen und Gruppen übten
zum Teil harsche Kritik an dem geplanten Vorhaben, das mit dem
Oberbürgermeister abgestimmt wurde. Als „fadenscheinig“ bezeichnete der
finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Ulrich Breite die
Beschlussvorlage. Ein Doppelhaushalt werde den Vorgaben des neuen
Kommunalen Finanzmanagement (NKF), das in diesem Haushaltsjahr erstmals
zur Anwendung kommen soll nicht gerecht. „Doppelhaushalte werden aus
finanzpolitischer Not geboren“, so Breite unter Verweis auf die
zwischen 2002 und 2005 gängige Praxis der Kölner Haushaltsplanung. Im
Gegensatz zur damaligen Situation befinde sich Köln derzeit aber nicht
mehr im Haushaltssicherungskonzept. Statt eines Doppelhaushalts rät
Breite, den nächsten Haushaltsplanentwurf zügig einzubringen und nicht
lange herumzutrödeln. Dann wäre es möglich, den Haushalt bereits im
Januar kommenden Jahres beschlossen werden, so der Vorschlag des
FDP-Fraktionsgeschäftsführers.
Auch der Fraktionschef der Linken Jörg Detjen kritisierte die Aktion
der drei Fraktionen. Den sofortigen Stopp der Haushaltsplanberatungen
nannte Detjen in seiner Stellungnahme „undemokratisch“. Auch fehle ein
Zeitrahmen für den Doppelhaushalt. Die Linke hob in ihrer Kritik an dem
geplanten Beschluss vor allem die Beteiligten am Verfahren des
Bürger-Haushaltes hervor. „Ein jährlicher Rhythmus des
Bürger-Haushaltes muss Standard werden“, forderte Detjen. So soll auch
in diesem Herbst erneut das Beteiligungsverfahren stattfinden,
„unabhängig von den Haushaltsplanberatungen für 2010“, wie die Linke
argumentierte. Sein Fraktionskollege Claus Ludwig sieht dabei vor allem
wahltaktische Gründe. „Schramma und die etablierten Parteien wollen
offensichtlich im Wahljahr 2009 keine Haushaltsdebatte haben“, vermutet
der Ratsherr der Linken.
Noch deutlicher wurde Dr. Martin Müser vom Kölner Bürger-Bündnis (KBB).
Ein „nie da gewesener Vorgang“ sei der nun eingebrachte
Dringlichkeitsbeschluss, ja sogar ein „Haushaltsputsch“ der etablierten
politischen Parteien, ereiferte sich der Vertreter des KBB im Stadtrat.
Auch der neue Vorsitzende der Freien Wählervereinigung, der ehemalige
Schuldezernent Andreas Henseler, wurde in seiner Kritik deutlich. Die
Behauptung, eine seriöse Haushaltsdebatte sei aus Wahlkampfgründen
nicht möglich, kann der ehemalige Sozialdemokrat nicht nachvollziehen.
„Der Bürger-Haushalt ist sogar ausgesprochen wahlkampffest“, so
Henseler. Seine Formation werde auf jeden Fall die Kommunalaufsicht
anrufen, sollte der Bürger-Haushalt gekippt werden, hieß es dazu in
einer am Sonntag abgegebenen Stellungnahme.
Weiterer Zeitplan
Statt der abschließenden Haushaltsberatungen soll nun am 30. April
dieses Jahres der Entwurf für einen Doppelhaushalt eingebracht werden,
hieß es in der gemeinsamen Presseerklärung von SPD, Grünen und CDU. Die
aus der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Bürger-Haushaltes abgegebenen
und bereits weitgehend aufbereiteten und gewichteten Vorschläge sollen
dabei in die Beratungen zum Doppelhaushalt einfließen. Bis zur
Sommerpause wollen die Fraktionen den Haushalt beraten haben, um ihn
dann noch in diesem Sommer zu beschließen. Erst im kommenden Jahr soll
es daher folgerichtig wieder zu einer Bürgerbeteiligung kommen, die
dann in den nächstfolgenden Haushaltsplan 2010 einfließen sollen. Einen
genauen Zeitpunkt für die im Bürger-Haushaltsverfahren vorgesehenen
Rechenschaftsbericht nannten die Antragsteller nicht, er dürfte aber
bei derzeitigem Planungsstand erst nach den Wahlen erfolgen.






















