27. 05. 2012
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Ratssitzung mit massivem Polizeiaufgebot
Selbst der
Geschäftsführer des Bauherrn Ditib Mehmet Yildirim wurde der Zutritt
über den Gästeeingang verweigert. Der Ditib-Verantwortliche ließ jedoch
durchblicken, dass mit dem Bau schon in Kürze begonnen werden kann,
sollte der Beschluss denn tatsächlich kommen. Und in der Tat mit einer
soliden Mehrheit des Kernbündnisses, ergänzt um die Stimmen von SPD und
Linken, wurde tief in der Nacht der Beschluss letztlich umgesetzt.
In der Sache selbst gibt es eigentlich wenig Neues. Schon lange vor dem
Beginn der heutigen Sitzung sorgte der Aufmarsch der Formation „pro
Köln“, vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz als rechtsextrem
eingestuft, sowie die weitaus zahlreicher erschienen Gegendemonstranten
für Unruhe. Mit periodisch aufflammenden Sprechchören testeten beide
Seiten ihre Präsenz und sorgten damit nach längerer Zeit mal wieder für
richtig Zulauf im Rathaus. Die Besucherinnen und Besucher in
Zuschauerloge verfolgten dann zunächst einmal die ganz normale
Ratssitzung, bestehend aus Anträgen und deren parlamentarische Debatte.
Der Beschluss über Bauplanungen erfolgte erst unter Tagesordnungspunkt
11, eine Position, die bei „normalen“ Ratssitzungen kaum ein Gast noch
mitbekommt. Aber die interessierten Bürgerinnen und Bürger ließen sich
davon nicht abhalten und hielten tapfer durch, wenn auch nicht alle den
Redemarathon tatsächlich verfolgen wollten.
Argumente altbekannt
In der Sache selbst ließ die strategische Mehrheit für den Moscheebau
keinen Zweifel daran, dass die zukünftige Ditib-Moschee ein Ort der
Integration ist. SPD, Grüne und FDP betonten die Notwendigkeit eines
solchen Sakralbaus mit Bürotrakt, Tiefgarage und Café. Und bereits im
Vorfeld hatte der Bauherr selbst die Zeichen der Zeit erkannt und die
selbstauferlegte Nachrichtensperre in Sachen Moscheebau endgültig
aufgegeben. Belohnt wurde das durch viele Anfragen und Gespräche, in
denen die Muslime ihren christlichen Nachbarn Informationen zum Bau
gaben, den Sinn des Baus erläuterten und damit die viel zitierten
Barrieren abbrachen, die erst zu dieser Auseinandersetzung geführt
haben. Natürlich kamen bei der Debatte auch die Gegner des Baus zu
Wort. Als größte Fraktion machte die CDU bereits im Vorfeld kein
Geheimnis aus ihrer Position. Sie sehen die acht Punkte der
Verständigung zwischen OB und Ditib vom Januar dieses Jahres als nicht
erfüllt an und stimmten mehrheitlich gegen die Verwaltungsvorlage. Wie
nicht anders zu erwarten war, stimmte auch die fünfköpfige „pro
Köln“-Fraktion gegen einen solchen Beschluss. Am Ergebnis hat dies
indes nichts geändert.
Weitere wichtige Themen waren der Beschluss für einen Planungsauftrag
zum Bau eines mit der Archäologischen Zone kombinierten Hauses der
Jüdischen Kultur. Auch hier stimmte die CDU gegen den Entwurf, konnte
ihn aber aufgrund fehlender Unterstützung nicht durchsetzen. Weitere
Themen waren ein Tag der Museen, die Sanierung von Oper und Schauspiel
sowie eine Nachwehe der Mülltransporte aus Neapel. Die
Bezirksvertretung Ehrenfeld setzte einen Antrag durch, der das
Aufhängen von Parteischildern in den Zimmern der Bezirksvertretung
verbieten will.

























