19. 06. 2013
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Schenkung für Stadtmuseum wird mehrheitlich angenommen
Nach langen Jahren nahm der Kölner Stadtrat auf seiner gestrigen
Sitzung gegen die Stimmen von Grünen und Linken eine Spende in Höhe von
mindestens fünf Millionen Euro an.
In einem Kompromiss hatten sich beide Seiten – Stadt und Stifter –
darauf geeinigt, im Rahmen eines eingeschränkten Architektenwettbewerbs
die endgültige Entwurfsform festzulegen. Doch genau hier setzte die
Kritik an. Nach den Worten von
Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz mache sich die Stadt
unglaubwürdig, da die Neuerungen im Vergleich zum ersten
Vertragsentwurf nur kosmetischer Natur seien. Moritz lehnte für ihre
Fraktion die Schenkung aus drei Gründen ab. Neben dem
allgemeinpolitischen Argument, das der Vertrag das Museum in seinen
zukünftigen Gestaltungsmöglichkeiten zu stark einenge, komme die Frage
der Baukultur sowie die bestehende Unklarheit bezüglich den Regeln des
deutschen und europäischen Vergaberechts hinzu. Bereits am Vortag hatte
der WDR in seiner Sendung „Lokalzeit“ über mögliche juristische
Fallstricke berichtet. Die entstehen, wenn der Stadt im Rahmen solcher
Schenkungen Aufträge zufallen, die sie zwar selbst nicht vergibt, aber
später die Neubauten nutzt. Kulturdezernent Prof. Quander versicherte,
dass genau dieser Punkt mit verschiedenen Rechtsexperten abgestimmt
wurde. Seiner Meinung nach stellt dieses Konstrukt kein Problem dar,
zumal die Stadt in den Genuss einer „Dienstleistung“ komme und keine
Geldspende annimmt.
Mehrheit stellt sich hinter Erweiterungsbau
„Ein schöner Tag für Köln“, führte der kulturpolitische Sprecher der
CDU-Fraktion Dr. Lothar-Theodor Lemper aus. „Mit neuer Architektur und
einem städtebaulichen Konzept rückt das Museum näher in die Stadt“,
erläuterte der CDU-Politiker. Besonderen Dank sprachen die Vertreter
von CDU, SPD und FDP dem Stifterehepaar aus. „Schön, dass es in Köln
immer wieder Schenkende gibt, die bereit sind einzutreten, und schön
dass es Stifter gibt, die den Atem haben, über einen Zeitraum von zehn
Jahren ein Geschenk anzubieten. Das ist dankens- und bemerkenswert“,
erklärte der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Prof. Georg
Bögner. FDP-Ratsherr Ralph Sterck ging noch einen Schritt weiter. „Da
sind Managementfehler in der Kulturverwaltung passiert. Diese Fehler
können wir uns nicht erlauben, das Ganze muss ein Nachspiel haben“,
forderte der Liberale.
Bei aller Gemeinsamkeit zeigten sich trotz mehrheitlicher Zustimmung
Unterschiede in der Beurteilung der Gegenargumente. Während CDU-Mann
Lemper die Kritik von Moritz als „Arroganz“ bezeichnete und sich über
die „notorischen Kritiker“ echauffierte, nannte Bögner die Kritik der
Grünen „durchaus bedenkenswert“. „Das war auch bei uns Gegenstand der
Beratung, nur kam die SPD zu einem anderen Ergebnis“, erklärte Bögner.
Der Kritik von Moritz schloss sich auch die Linke an. Nach Meinung
ihres Fraktionsvorsitzenden Jörg Detjen sei das „Museum rechtlich
selbständig, der Stiftung wird ein erheblicher Einfluss eingeräumt.
Damit haben sie den Einstieg in die von CDU und FDP gewollte Museums
GmbH“, erklärte Detjen. Als Begründung gab Detjen unter anderem zu
Protokoll, dass sich die Stadt selbst mit sechs Millionen Euro an den
notwendigen Infrastrukturmaßnahmen beteiligen soll. In der Vorlage
findet sich allerdings eine andere Zahl. Der teuerste Einzelposten ist
dabei nach dem Wortlaut der Verwaltungsvorlage die Umfeldgestaltung
samt neuer Verkehrsführung. So soll die Zeughausstraße zur
Fußgängerzone werden und der stadtauswärts führende Verkehr über die
Straße „Burgmauer“ geführt werden. Das werde die Stadt insgesamt 2,125
Millionen Euro kosten, wie die Fachverwaltung in der Beschlussvorlage
vorrechnete. Hinzukommen 210.000 Euro pro Jahr an Unterhaltungskosten
hinzu.
Mit dem mehrheitlichen Beschluss zur Annahme der Spende wird nun eine
eingeschränkte Ausschreibung mit Mehrfachbeauftragung durchgeführt.
Grundlage sind die vorliegenden Entwürfe des Architekturbüros Kottmair.
Ein neu zu gründender Beirat wird in diesem eingeschränkten Wettbewerb
als Jury fungieren. Ihm gehören neben Vertretern des Rates und der
Stiftung, der Stadtkonservatorin sowie dem Planungs- und dem
Kulturdezernent auch Vertreter des Gestaltungsbeirates an. Der leicht
geänderte Schenkungsvertrag soll bis spätestens Ende Januar 2009
unterzeichnet sein. Dann will das bislang nicht genannte Stifterehepaar
auch das letzte Geheimnis in diesem Kapitel Kölner Stadtgeschichte
offenbaren, das ist ihre Identität. Wer am gestrigen Donnerstag als
Gast die Ratssitzung aufmerksam mitverfolgte, wird auch die Gesichter
dazu kennen. Denn die Stifter waren bei der Debatte auf der
Zuschauertribüne.






















