27. 05. 2012
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Stadtrat beschließt Resolution gegen Zusammenlegung von Europa- und Kommunalwahl 2009
„Das ist reine Machtpolitik“, kritisierte SPD-Parteichef Jochen Ott,
dessen Partei diese Aussprache zusammen mit den Grünen beantragt hatte.
Ein weiteres Argument ist die derzeit bestehende Gemeindeordnung des
Landes Nordrhein-Westfalen (GO NRW), die die Amtszeit des
Oberbürgermeisters bis in den Oktober 2008 festlegt. „Wir hätten über
mehrere Monate zwei Oberbürgermeister und zwei Stadträte“, so Ott
weiter. Selbst die Grünen, die nach Aussage ihrer Fraktionsvorsitzenden
Barbara Moritz eigentlich ein Interesse an einer Entkopplung von
Bundestags- und Kommunalwahl haben müsste, wollten sich der Idee von
CDU und FDP nicht anschließen. „Vordergründig ist es ein ehrenwertes
Anliegen, Gelder durch die Zusammenlegung von Wahlen einzusparen. Aber
bei näherem Hinsehen ist das reines parteitaktisches Kalkül“, erklärte
Moritz.
„Sie scheinen ein schlechtes Gedächtnis zu haben. Wir setzen damit ihre
Resolution vom 29. August vergangenen Jahres um“, konterte der
Fraktionsgeschäftsführer der CDU Josef Müller. „Kommunalpolitische
Themen sollten die Wahlentscheidung bestimmen. Wir verhelfen der
Kommunalwahl also zu der Bedeutung, die ihr zusteht“, so Müller weiter.
FDP-Fraktionschef Ralph Sterck hingegen warf den Kritikern aus dem
rot-grünen Kernbündnis vor, das eigene als „Kölsche Volksfront“
benannte Bündnis hinter dem bundespolitischen Mantel verstecken zu
wollen. „Sie müssen sich in Köln verantworten. Die Probleme der
Umstellung durch die geplante Vorziehung der Kommunalwahlen sind
lösbar“, so Sterck weiter. Dem wollte SPD-Parteichef Ott nicht folgen.
Er zitierte keinen geringeren als den Bundestagspräsident Norbert
Lammer, der eine Zusammenführung von Bundestags- und Kommunalwahlen
befürwortete. Linken-Fraktionschef Jörg Detjen erinnerte daran, dass
gerade die Liberalen zu Zeiten, als Kommunal- und Bundestagswahlen
zusammenfielen (zuletzt 1976 und 1994) besonders schlechte
Wahlergebnisse erzielten. Und Grünen-Fraktionsvize Jörg Frank sieht
darin sogar einen „ersten Schritt hin zur gelenkten Demokratie“.
Der kurzfristig eingebrachte Resolutionsentwurf von Rot-Grün wurde nach
der Debatte mit den Stimmen von Rot, Rot, Grün und
Einzelmandatsträgerin Petra May mehrheitlich beschlossen. Gegen 20 Uhr
verkündete FDP-Fraktionschef Ralph Sterck dann, dass der
Koalitionsausschuss in Düsseldorf die
von Rot-Rot-Grün kritisierte Regelung der Wahlen in 2009 beschlossen
hatte. Eine Verabschiedung im Landtag gilt als sicher. Allerdings
kündigten die Grünen auf Landesebene am gleichen Abend an,
Verfassungsklage gegen die Neuregelung der Wahlen erheben zu wollen.
Kommentar
Nicht nur das Porto hätte man sich schenken können, auch die ganze
Debatte mutete ein wenig nach Wahlkampf. Beide Seiten warfen sich
Parteitaktik vor und gaben damit dem Publikum das Gefühl, dass sie
nicht mit offenen Karten spielten. Dabei hätte das Thema eine
ernsthafte und ergebnisoffene Diskussion verdient gehabt, unabhängig
davon, dass die Entscheidung ohnehin beim Landesgesetzgeber liegt.
Beide Seiten brachten dabei durchaus nachvollziehbare Argumente vor,
die Position der Gegenseite anzugreifen. Gegen eine grundsätzliche
Zusammenlegung zweier Wahlen auf einen Termin kann niemand ernsthaft
etwas haben, immerhin geht es um Einsparungen im Landeshaushalt von
geschätzten 42 Millionen Euro. Die Frage am heutigen Dienstag war nur:
Welche der drei Wahlen werden zusammengelegt.
So sollte vor allem der Kölner Bezug in den Wahlen zum Ausdruck kommen.
Ob allerdings die Europawahlen mit traditionell besonders niedrigen
Wählerquoten das richtige Vehikel ist, um auch die Beteiligung an
Kommunalwahlen zu stärken, mag dahingestellt sein. Immerhin wird es für
die Wählerinnen und Wähler ein klein wenig übersichtlicher. Statt fünf
Stimmen wie bei Kommunal- und Bundestagswahlen müssten sie am 7. Juni
2009 nur vier Kreuze machen. Die Tatsache, dass bei Bundestagswahlen
aber traditionell ein Drang zur Mitte, sprich zu den großen
Volksparteien festzustellen ist, spricht eher für die These, dass den
kleineren Parteien mit der nun gefundenen Lösung gedient ist. Die
Debatte, das bleibt allerdings aus der Diskussion als Eindruck üblich,
war – und das zeigte nicht nur das spätabendliche Ergebnis der
Landtagssitzung – ohnehin an der falschen Örtlichkeit geführt.

























