19. 06. 2013
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Stadtrat erhöht Abwassergebühren und ist besorgt über Finanzkrise
Insgesamt saßen die Stadtverordneten 62 Stunden im Großen Ratssaal, sie
stimmten über mehr als 560 Tagesordnungspunkte ab, änderten einen
Flächennutzungsplan, trafen 21 Satzungsbeschlüsse über Bauleitpläne,
sie hoben vier Pläne auf und erließen sechs Veränderungssperren. Für
die größte Aufregung und die längste Aussprache sorgte in dieser
Sitzung aber die von Verwaltung und Stadtentwässerungsbetrieben
vorgeschlagene Erhöhung der Abwassergebühren in Höhe von 3,9 Prozent.
Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt bedeutet dies eine
jährliche Mehrbelastung von nicht ganz zehn Euro.
OB zieht positive Bilanz
Dabei waren es aber nicht die reinen Zahlen sondern vielmehr die
wichtigen Entscheidungen, die Oberbürgermeister Fritz Schramma als
Sitzungsleiter und Hausherr in Erinnerung rief, als er die letzte
Sitzung des Jahres mit seiner persönlichen Bilanz begann. „Ich möchte
an dieser Stelle dafür danken, dass mit ihrer (die der Ratsmitglieder)
Unterstützung 2008 wieder viele entscheidende und wegweisende Maßnahmen
realisiert werden konnten, so Schramma. Zu den wichtigsten
Entscheidungen zählten demnach die Ausbaumaßnahmen für den Offenen
Ganztag im Primarbereich auf 18.800 Plätze sowie die Einrichtung des
GSD „Gefährdungsmeldungs-Sofortdienst“ sowie die Optimierung des
Bürgerservice in den Bürgerämtern der Stadt. Flughafen und Sparkasse
stehen trotz negativer Vorzeichen gut da. Durch erfolgreiche
Verhandlungen sowie die finanziellen Zuschüsse an Sparkasse und
Kölnmesse (die Entscheidung fiel erst im späteren Verlauf) stehe man
gut da. Und die Vollendung des Rheinauhafens steht baulich unmittelbar
bevor, samt Einzug eines „global players“ mit der neuen Zentrale von
Microsoft. Für den Deutzer Hafen kündigte Schramma schon zeitnah eine
Vorlage an, um einen weiteren Mosaikstein ergänzen wird. „Der Deutzer
Hafen wird nicht so bleiben, wie er jetzt ist. Wir werden dort, so
hoffe ich, eine große Zahl zusätzlicher Arbeitsplätze schaffen und der
Kreativbranche in Köln ein neues Zuhause geben“, so Schramma.
Kölsche Volksfront stimmt für Gebührenerhöhung
Mit Spannung wurde im Vorfeld die Debatte über die geplanten
Gebührenerhöhungen erwartet. Da aber schnell klar wurde, dass die
geplanten Erhöhungen für Abfallentsorgung und Straßenreinigung per
Dringlichkeitsentscheidung nachgeschoben werden sollen, konzentrierten
sich die politischen Lager auf die Abwassergebühren. Während
CDU-Stadtrat Dr. Michael Paul die Handelsbilanz der Anstalt
öffentlichen Rechts (AöR) als Argument ins Spiel brachte, kritisierten
FDP und Dr. Martin Müser vom Kölner Bürger-Bündnis vor allem die
Gebührenkalkulation als solche. Die Stadtentwässerungsbetriebe (Steb)
werden in 2008 und 2009 jeweils handelsrechtliche Gewinne ausweisen.
„Selbst bei der Null-Variante blieb ein Gewinn von acht Millionen Euro
in 2009 übrig“, so Paul. „Der Bürger wird durch die Gebührenerhöhung
gleich dreifach bestraft“, erklärte Ratsmitglied Dr. Martin Müser vom
Kölner Bürger-Bündnis (KBB).
„Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Bei einer
Nullrunde laufen wir Gefahr nach 2009 keine Überschüsse mehr
erwirtschaften zu können, das müssten wir dann über Kredite
gewährleisten“, begründete der Chef der Steb Otto Schaaf die Vorlage.
SPD-Umweltexperte Dr. Alexander Fladerer hingegen wies darauf hin, dass
die Entwicklung der kalkulatorischen Kosten und der große
Sanierungsbedarf im Kanalnetz eine „maßvolle“ Anpassung notwendig
macht. „Die SPD wird schweren Herzens der Gebührenerhöhung zustimmen“,
so Fladerer. Den Vorstoß des politischen Gegners bezeichnete der
SPD-Mann als „erschreckend polemisch und billig“. „Das ist ein Angriff
auf Schramma“, so die Schlussfolgerung. Grünen-Vertreterin Ulke nannte
die Entscheidung „ehrlich“. „Nach den Wahlen würden wir dann eine
Erhöhung von sieben Prozent oder mehr bekommen“, so die Sorge Ulkes.
Trotz kritischer Nachfragen der Gegner blieb sowohl die Steb wie auch
die Mehrheit des Stadtrates bei ihrer Auffassung, dass die
Gebührenerhöhung notwendig ist.
Einen Antrag der CDU-Fraktion, zeitnahe Informationen und
Handlungskonzepte im Zuge der bevorstehenden kommunalen Finanzkrise
bereit zustellen, stimmte die Mehrheit aller Fraktionen hingegen zu.
Darin fordern die Christdemokraten Maßnahmen, die die weitere
Leistungsfähigkeit der Stadt sicherstellen sollen. Die Stadt rechnet
mit rund 60 Millionen Euro Steuermindereinnahmen im kommenden Jahr. In
der mittelfristigen Haushaltsplanung sind aber für 2009 bereits
Verluste in Höhe von 102,4 Millionen Euro eingeplant. Ein
Dringlichkeitsantrag von CDU und FDP zur Pauschalregelung für
Handwerksbetriebe und deren Fahrzeuge hingegen hatte keine Chance, auf
die Tagesordnung zu kommen. Entgegen der Darstellung der
Handwerkskammer (HWK) seien von der Umweltzone, deren
Übergangsregelungen zum Jahreswechsel auslaufen, gerade einmal 14
Betriebe betroffen. Zu wenig für eine generelle Regelung, zumal
Umweltdezernentin Marlis Bredehorst mit der Kammer ein anderes Vorgehen
abgestimmt hatte. Die 14 Fälle werden wie in den Beschlüssen zur
Umweltzone vorgesehen als Einzelfälle entschieden. „Wahrscheinlich
werden alle eine Ausnahmegenehmigung erhalten“, so Bredehorst
abschließend.
Insgesamt standen etwas mehr als 80 Punkte auf der gestrigen Tagesordnung. Die Ratssitzung endete gegen 21:15 Uhr.
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