27. 05. 2012
Seite drucken
Ausbau des Godorfer Hafens oder das verlorengegangene Vertrauen
Das SPD-Bürgerforum Lindenthal hatte am gestrigen Mittwochabend zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung geladen. Thema war das Für und Wider des Godorfer Hafen. Unter der Moderation von Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) stellten sich HGK-Vorstandssprecher Horst Leonhardt, IHK-Geschäftsführer Dr. Ulrich Soénius und der Vorsitzende des DGB in der Region Köln/Bonn, Andreas Kossiski, den größtenteils kritischen Äußerungen. Zuvor hatten die Podiumsvertreter die Chance, ihre Argumente für einen Hafenausbau auf den Tisch zu legen. "Wir wollen den Süden nicht aus dem Norden versorgen. Wir müssen mit unseren Verkehrs so nah wie möglich an die Industriebetriebe ran", begründete Leonhardt die Notwendigkeit des Hafenausbaus. "Köln ist Logistikstandort Nummer 1 in NRW und das wollen wir halten. Wir leben von den Transportketten. Wichtig ist, die Gesamtinteressen im Blick zu behalten", fasste Soénius seine Position zusammen. "Für eine prosperierende Region ist eine funktionierende Infrastruktur die Voraussetzung. Aber wir erleben, was bei Großprojekten passiert", ergänzte Gewerkschaftsfunktionär Kossiski.
Misstrauen der Gegner
"Ich finde es einfach nicht fair, dass auf dem Podium nur Vertreter der Befürworter sitzen", so eine Anwohnerin aus Rodenkirchen. Dabei kamen in der knapp zweistündigen Debatte gerade auch kritische Stimmen wiederholt zu Wort. Die Mehrheit brachte dabei ihr grundsätzliches Misstrauen zum Ausdruck. Die von Leonhardt vorgetragenen Wachstumsprognosen, die bundesweit einen Zuwachs von 90 Prozent im Containerverkehr bis zum Jahr 2025 vorhersagen, wurden dabei ebenso in Frage gestellt, wie die Verkehrssummen, die genannt wurden. "Das wirkt auf mich wie Totschlagsargumente. Warum wurde nicht – wie im Rat beschlossen – das Logistikkonzept abgewartet", fragte eine Kölnerin aus Porz-Zündorf. "Ich habe Probleme, wo ich mein Kreuz mache", so eine Ehrenfelderin. Und auch Betroffene aus dem Kölner Süden meldeten sich zu Wort. "Ich habe versucht, mich vorzubereiten. Ich erleide diese Stadt schon seit vielen Jahren. Jetzt haben wir im Kölner Süden einen rasant wachsenden Stadtteil und jetzt soll noch mehr Lkw-Verkehr kommen", brachte eine Dame aus Sürth ihr "Nicht-Verstehen" zum Ausdruck. "Ich zweifle die Zahlen an. Die Steuerzahler haben ein Recht auf Transparenz. Man hat den Eindruck, einige hätten Angst, die Karten offen zu legen", pflichtete auch Martin Klein bei, Vorsitzender der Freien Wähler und erklärter Gegner des Hafenausbaus. Ebenso wie er denken im Stadtrat auch Grüne und FDP, die bereits bei früheren Beschlüssen ihre grundsätzliche Ablehnung zum Ausdruck brachten. Aber auch nach Gutachten und Ratsbeschlüssen bleib in den Mieten einiger die Skepsis geradezu eingekerbt.Neues von den Befürwortern
Neben den bereits erwähnten Wachstumsprognosen gab es aber auch durchaus Positionen, die den Neutralen Beobachter stutzig machen. So ist die Domstadt bereits jetzt verkehrsmäßig am Limit angekommen, was Straße und Schiene so hergeben. Auch wenn das Logistikkonzept als fertiges Papier noch nicht vorliegt, macht die schiere Beobachtung des Verkehrsgeschehens auf den Kölner Ringen deutlich: Die Neujustierung der Waren- und Güterströme wird ein schwieriges, komplexes und langwieriges, trotzdem aber notwendiges Vorhaben. Der Ausbau des Godorfer Hafens verhindert 140.000 Lkw-Fahrten durch die Stadt, lautete denn auch eines der schlagenden Argumente. Tatsächlich droht dem Niehler Hafen selbst schon bald selbst ein Kapazitätsengpass, zumindest im Containerbereich. Wer in dieser Saison einmal eine "Hafenrundfahrt" beim Anbieter KölnTourist GmbH genutzt hat, für den kölschen Preis von elf Euro die Wasserseite von Rheinau-, Deutzer, Mülheimer und Niehler Hafen in Augenschein zu nehmen, dem wird das gestiegene Frachtaufkommen und die nicht unerhebliche Zahl ankernder Frachtschiffe aufgefallen sein. Fünf Jahre zuvor sah das bei einer Hafenrundfahrt noch ganz anders aus. Dass die Expansionsspielräume hier wesentlich aufgrund angrenzender Wohnbebauung enger sind als im Kölner Süden, zeigt der Blick auf die Karte. Zuletzt stieg auch das Containeraufkommen in den Kölner Häfen und hier vor allem in Niehl wieder deutlich an. Die Argumente sind nicht von der Hand zu weisen.
Weil bei der Investitionsrechnung des Hafensausbaus EU und Bund mit Fördergeldern in Höhe von 31,5 Millionen Euro zum geschätzten Gesamtvolumen von 65 Millionen Euro beitragen, geht die mehrheitlich zur Stadtwerke Köln GmbH gehörende Aktiengesellschaft auch von einer positiven Rendite aus (nach Gutachten Prof. Baum – Energiewissenschaftliches Seminar der Universität zu Köln). Und weil der westliche Nachbar derzeit nahe der Grenzstadt Venlo Terminals für die Verladung von und auf Binnenschiffe plant, stehe man sogar unter Zeitdruck. Hoffnungen habe der HGK-Chef nicht, dass durch den Godorfer Hafen die Engpässe im Güterverkehr rund um Köln aufgelöst werden. "Godorf ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", räumte der Logistikmanager ein. Aber der bisweilen drohende Kollaps rund um und mitten in Köln mache einen Ausbau der Infrastruktur zwingend notwendig, so der abschließende Tenor der Befürworter. Und das bestimmte politische Parteien auf europäischer Ebene in ihre Parlamentsreden den Ausbau der Binnenhäfen fordern, vor Ort aber dann auf Abstand gehen, kann den Befürworter sogar aufregen. Alleine es wird kaum reichen, das Misstrauen vieler Bürger abzubauen.
Zur Umfrage

























