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27. 05. 2012
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CDU verspricht spannenden Wahlkampf


12.05.2009 20:20 von:

Schlagwörter: Köln,OB,Peter,Kurth,CDU,Oberbürgermeister,Kandidat,Vorstellung,KölnTriangel

Der Oberbürgermeister-Kandidat der Kölner CDU heißt Peter Kurth. Am heutigen Dienstag präsentierten Parteivorstand, Fraktionschef und Oberbürgermeister den neuen Kandidaten in der so genannten Sky Lounge des KölnTriangle erstmals der Öffentlichkeit. Die Parteigremien hatten zuvor auf einer am gleichen Tag einberufenen Sitzung selbst die Gelegenheit, den Wahl-Berliner und amtierenden Vorstand des Berliner Entsorgungsunternehmens Alba AG persönlich kennen zu lernen. Parteichef Jürgen Hollstein ging in seiner Rede kritisch auf die Rolle der eigenen Partie in den zurückliegenden Wochen und Monaten ein. Nicht nur der Einsturz des Historischen Archiv, der schließlich zum Verzicht des amtierenden Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma auf eine erneute Kandidatur führte, auch die Berateraffären wenige Wochen zuvor, hatten der Partei schweren Schaden zugefügt. "Ein Weiter so darf es nicht geben. Wir brauchen eine neue Politik für Köln", so Hollstein auf der heutigen Pressekonferenz. "Auch die Kölner CDU hat sich zu lange und zu oft daran beteiligt, aber das hat ein Ende", so der Kölner CDU-Vorsitzende weiter.

Die Verantwortlichen der Kölner CDU zeigten sich dabei zuversichtlich, fast ein wenig euphorisch. Den vielen Spekulationen der vergangenen Woche konnte Parteichef Hollstein nur ein Lächeln abgewinnen. "Wir haben mit vielen spannenden Kandidaten geredet, die in der Presse gar nicht erwähnt wurden", so der Kreisvorsitzende der Kölner Christdemokraten. Oberbürgermeister Fritz Schramma, der nach dem ersten Aufeinandertreffen der beiden Politiker bemerkte, dass die "persönliche Chemie" stimme, sagte seine uneingeschränkte Unterstützung für die Kandidatur Kurths zu. Beide – Schramma und Kurth – wollen am heutigen Abend die Bundesliga-Partie zwischen dem 1. FC Köln und Hertha BSC besuchen. "Ich werde sie genau beobachten", scherzte Schramma in Richtung seines Parteifreundes und möglichen Nachfolgers. Und auch der gab sich zuversichtlich. Als gebürtiger Siegburger wurde ihm in den vergangenen Stunden viel Zuspruch zuteil, "auch von Leuten außerhalb der Partei", wie Kurth ausführte. Seine größten Vorteile liegen darin, dass er Erfahrungen aus der Wirtschaft mitbringe und Jurist sei, lobte Amtsinhaber Schramma den möglichen Nachfolger. Der präsentierte sogleich die Schwerpunkte seines bevorstehenden Wahlkampfes. Bildung, Wirtschaftsförderung, Beteiligungsmanagement und Integration sind nur die wichtigsten Themen, in denen er die Partei und seine eigene Person positionieren will. Außerdem versprach er einen Wahlkampf mit neuen Methoden, sprich neuen Medien. Geschult durch jahrelange politische Tätigkeit wich er dabei auch möglichen Stolperfallen aus. Nein, er wolle die Wähler nicht einfangen, er wolle sie überzeugen. Ja, die CDU-Spitzen in Hamburg und Frankfurt am Main machen sehr gute Arbeit, aber "Köln kann noch ein bisschen mehr". Selbst bei dem in der CDU durchaus umstrittenen Thema Integration wich der neue Kandidat geschickt den zuletzt so hitzig diskutierten Fangschlingen aus, die dieses sensible Thema mit sich bringt. "Da dürfen wir nicht viel Zeit verlieren. Ich bin für jeden unkonventionellen Ansatz dankbar", so die diplomatische Antwort des neuen OB-Kandidaten.

Der Lebenslauf des 49-Jährigen spricht für die Entscheidung der Parteigremien. Nach dem erfolgreichen Juraabschluss mit dem zweiten Staatsexamen wechselte Kurth gleich zwei Mal die Seiten. Nach fünf Jahren in der freien Wirtschaft bekleidete Kurth von 1994 bis 2001 in der Berliner Landesregierung zunächst das Amt des Staatssekretärs, um 1999 bis 2001 selbst Finanzsenator in der Berliner Landesregierung zu werden. "Davor hatte ich richtig Bammel", so Kurth. Nach dem Ende der Großen Koalition in Berlin und einem mehrheitlich beschlossenen Misstrauenantrag schied Kurth im Sommer 2001 aus dem Senat aus. Auch bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden zwei Jahre später scheiterte der Abgeordnete. Und so wechselte er wieder in die freie Wirtschaft, diesmal als Vorstand des Berliner Entsorgungsunternehmens Alba AG. Dort habe er bereits einen Auflösungsvertrag unterzeichnet, eine Rückkehr nach Berlin ist damit ausgeschlossen, versicherte der Neu-Kölner, der sich schon in den kommenden Wochen eine Wohnung in Köln suchen will. Ein zweiter Fritz Schramma, der nach Aussage Kurths mit seiner Art das Kölsche Lebensgefühl wiederspiegelt, will er nicht werden. "Ich will eigene Akzente setzen. Ich mag die Menschen und ich mag die Kölner. Nach München oder Hamburg wäre ich nicht gegangen", sagte der neue OB-Kandidat und erntete spontanen Applaus der anwesenden CDU-Mitglieder. Und eine Kampfansage an die politische Konkurrenz hatte er gleich mit im Gepäck. "Der Wahlkampf wird spannender, als einige das glauben. Wir haben eine ausgezeichnete Chance", so Kurth abschließend.


Kommentar

Großer Bahnhof im LVR-Turm. Gleich vier Mal musste der 12 Personen fassende Aufzug in den 28. Stock des LVR-Turms fahren, um alle Pressevertreter an den Ort der Pressekonferenz zu fahren. Und nach den Debatten und Spekulation um mögliche CDU-Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters, manche ernst gemeint, manche mehr aus Scherz, hat die Partei nun endlich dem langen Warten ein Ende gesetzt. Der Kandidat, den die Christdemokraten da präsentierten, entpuppte sich sogleich als gelungene Personalie. Der erste große Auftritt Kurths vor der Presse in seiner neuen Aufgabe kann man nur als positiv bezeichnen. Selbst hartnäckige Fragen beantwortete der Politprofi kurz und knapp, ohne kurz angebunden zu wirken. Seine Worte waren wohl abgewogen, sein Auftreten insgesamt ausgesprochen souverän und seine Aussagen treffend. Auch die angesprochenen Themen lassen erahnen, dass dieser Kandidat alles andere als ein politisches Leichtgewicht darstellt, von seinen Qualitäten als Jurist und Wirtschaftsfachmann ganz zu schweigen.

Dass er zudem noch keinen Hehl aus seiner Homosexualität macht, könnte sich in Köln als weiterer Pluspunkt erweisen. Aber viel wichtiger ist, dass es die CDU geschafft hat, einen Kandidaten zu präsentieren, der in Sachen Professionalität seinem Kontrahenten in nichts nachsteht. Und Kurth hat noch einen anderen Vorteil, der im kommenden Wahlkampf nicht zu unterschätzen ist. Er kennt sich besten mit – positiv ausgedrückt – kommunalen Seilschaften von Parteien und dem damit verbundenen harten politischen Alltag bestens aus. Sieben Jahre im Berliner Haifischbecken als Finanzsenator unter einem CDU-Senator und einer SPD-Senatorin lassen erahnen, dass dieser Kandidat möglicherweise mindestens genau so geeignet ist, eine Stadtverwaltung zu lenken und als OB Akzente zu setzen wie sein Gegner aus den Reihen von SPD und Grünen. So wollen die Strategen der Partei mit diesem Neuzugang vor allem Abstand nehmen von der bisherigen Praxis parteipolitischer Einflussnahme bei der Besetzung von Aufsichtsgremien stadtnaher Gesellschaften. Auch dies ein sichtbares Zeichen für einen Neuanfang.

So wird den Kölnerinnen und Kölnern ein spannender Wahlkampf bevorstehen. Der bereits sicher geglaubte Sieg über einen am Boden liegenden Gegner könnte sich für SPD und Grüne möglicherweise schon bald als Trugschluss, zumindest aber als optische Täuschung erweisen. Zwar ist das Urteil über den 49-Jährigen Grenzgänger zwischen Wirtschaft und Politik auch in der Bundeshauptstadt gespalten. Aber nach den quälend langen Wochen der Kandidatenfindung wirkten die Parteiverantwortlichen am heutigen Dienstag auf der sprichwörtlichen "Wolke Sieben". Einziges Haar in der Suppe: Während das Kölner Kernbündnis aus SPD und Grünen einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren und hier trotz unterschiedlicher Parteipositionen gemeinsam auf Stimmenfang gehen können, ist das bürgerliche Lager weiterhin gespalten. Aber genau dies könnte den kleinen, aber ungemein wichtigen Unterschied machen.

Solange die Liberalen und ihr OB-Kandidat Ralph Sterck und – mit deutlichem Abstand - der Kandidat des Kölner Bürger-Bündnisses, Dr. Martin Müser, nicht von ihren Ambitionen lassen, ihren aussichtslosen Kampf um das Amt des OB zugunsten des Neuen, wird Kurth aus einer schwächeren Position starten. Umso positiver ist seine Entscheidung zu werten, den sicheren Vorstandsposten bei einem großen Unternehmen zugunsten der überaus unsicheren, aber gleichwohl attraktiven Aussicht auf das kommunale Spizenamt in der Domstadt aufzugeben. Und das alles, ohne Netz und doppelten Boden, wie der Auserwählte ausdrücklich versicherte. Das alleine verdient schon Anerkennung; übrigens genauso wie das – für die Kölner CDU eher unübliche – lange Verschweigen seines Namens.







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