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27. 05. 2012
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Hickory Köln 08 belebt eine vergessene Sportart


01.08.2009 09:00 von:

Schlagwörter: Köln,Schlagball, Hickory Köln 08,Köln,Baseball,Vorwiesen,Osburg,Schlagholz,Leder

(jb) Man sieht sie jeden Mittwoch- und Sonntagnachmittag in grün und orange auf den Vorwiesen des RheinEnergie-Stadions. Mal flitzen sie wie von der Tarantel gestochen über den Rasen, mal tut sich scheinbar gar nichts. Einige Leute von außerhalb beobachten die Szene, so ahnungslos dreinschauend, als wären dort Gras fressende Pandas zu sehen.
"Was spielt ihr denn da?", fragt ein Zuschauer einen in ein orange farbiges Leibchen Gekleideten, der sich gerade einen Schluck zu trinken gönnt. "Schlagball", erwidert er und ist schon wieder losgeeilt in Richtung Spielfeld, wo er sich ein Schlagholz greift, sich an der Grundlinie positioniert, ausholt - und den Ball mit einem kräftigen Schlag in Richtung grüne Leibchen schickt.
Jetzt geht alles ganz schnell. Während einige Orangene, darunter auch der Durstige, in vollem Tempo loslaufen, positioniert sich einer der Grünen unter dem herab fallenden Ball und fängt ihn – einhändig. "Fangpunkt!", ruft irgendwer im Feld. Der Fänger schaut sich kurz um, zeigt auf einen laufenden Orangenen und alle Grünen in der Nähe bewegen sich auf den Auserwählten zu. Es werden ein paar Pässe gespielt, bis derjenige den Ball bekommt, der am günstigsten zum Gegner steht. Er zieht ab und lässt den Ball mit einem dumpfen Geräusch in dessen Rücken landen. Die bisher offensiven Grünen ergreifen nun die Flucht, während der Getroffene nach dem im Gras gelandeten Ball hechtet. Man sieht ihm an, dass er sich ärgert, als er den Ball zu seinem Mitspieler an die Grundlinie passt. Zu spät: Alle Grünen konnten sich aus dem Spielfeld retten und triumphieren lautstark.

Die Sportart heißt Schlagball und der Lokalmatador ist der Verein Hickory Köln 08 e.V.. Die jungen Sportler präsentieren sich hier in einer Disziplin, die nicht nur in Köln derzeit noch relativ unbekannt ist. Schlagball ist eine recht alte, früher populäre, über die Nachkriegszeit in Vergessenheit geratene Mannschaftsportart mit zwölf Spielern pro Team. Es war in 1916 gar als Olympische Disziplin vorgesehen, hätten die Spiele stattgefunden. Als Spielutensilien dienen ein 80-Gramm-Lederball, wie man ihn sonst nur aus dem Sportunterricht in der Schule kennt, und ein relativ dünnes Schlagholz, um den Ball ins Spiel zu bringen. Die Ähnlichkeit zum Baseball ist offensichtlich. Kein Wunder: Schlagball ist sein Vorgänger.
Um ein Spiel zu gewinnen, muss ein Team in 60 Minuten über Weitschläge, Läufe, Fänge und Abwürfe mehr Punkte sammeln als der Gegner. Um das zu erreichen, sollte jeder Spieler neben Laufen, Werfen und Fangen auch noch die Fähigkeit besitzen, Spielsituationen schnell zu erfassen und die richtige Entscheidung zu treffen.

Gründer dieser Sportinitiative in Köln ist Philipp Osburg, der Schlagball von der Urlaubsinsel Spiekeroog an die Deutsche Sporthochschule mitnahm und vor einem Jahr einer Gruppe von Kommilitonen näher brachte. Was als "ein bisschen Bälle kloppen" am Sonntagnachmittag begann, hat sich in der Zwischenzeit zum ersten eingetragenen Schlagballverein in Köln und Umgebung entwickelt, der zweimal wöchentlich trainiert und bei Turnieren gegen andere deutsche Teams antritt. Dass sich Schlagball derart schnell etabliert hat, ist mehr als nur der Neugier der Sportvernarrten zuzuschreiben. "Schlagball ist einfach geil", findet Simone Henseler, Mitglied bei Hickory Köln 08. Philipp Osburg weiß es noch zu präzisieren: "Der Schlagballsport verlangt einem Vieles ab. Er ermöglicht es aber auch, ein sehr guter Spieler zu sein, wenn man eine der Teildisziplinen nicht so gut beherrscht. Außerdem kenne ich kaum ein Spiel, das taktisch anspruchsvoller ist und den Teamzusammenhalt so fördert, da man eben nur durch gemeinsame Aktionen zum Erfolg kommen kann, wie zum Beispiel durch Einkreisen des Gegners oder taktisches Laufen. Platz für egoistische Aktionen gibt es nur sehr wenig und die werden in der Regel sofort bestraft."

Das wohl traditionsreichste Turnier fand am vergangenen Donnerstag zwischen den beiden Nordseeinseln Langeoog und Spiekeroog statt. Diese stellen jeweils aus ihren jährlich wiederkehrenden Urlaubern Teams zusammen, die gegeneinander das Inselduell spielen – in Jugend-, Damen- und Herrenwettbewerben. Neben Osburg, der seit seiner Jugend jedes Jahr im Kader ist, und Henseler, ebenfalls ein "alter Schlagballhase" Spiekeroogs, spielten dieses Jahr auch das erste Mal die beiden Hickorys Sarah Thys und Janina Placke für das grün-weiße Team. Eine sich offenbar lohnende Verstärkung: Langeoog musste zum dritten Mal in Folge den Pokal auf einer grünen Welle nach Spiekeroog schaukeln sehen.

Die grüne Welle wird mit der Rückkehr der siegreichen Spieler und Spielerinnen in das Hickoryteam hoffentlich auch in Köln ankommen. Denn nach der Sommerpause steht am 22. August das nächste Turnier an - für Hickory Köln 08 ein Heimspiel. Im Blücherpark in Neuehrenfeld werden an jenem Samstag verschiedene deutsche Teams das erste Kölner Schlagballturnier antreten. Und das wollen die Kölner nutzen. Ziel ist es, den ersten Gesamtsieg zu holen um das anhaltende "Grünschnabel"-Image abzulegen. In diesem Sinne wünscht Köln Nachrichten toi toi toi.

Weitere Informationen, Eindrücke und Bilder finden Sie auf der vereinseigenen Homepage unter: www.hickory-koeln-08.npage.de.







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