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27. 05. 2012
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Deutschland siegt im Halbfinale mit 3:2: Ganz Köln feiert


25.01.2009 10:59 von:

Schlagwörter: Köln,Public Viewing,Halbfinale,EM 2008,Kölnarena,friedlich

Zehntausende Menschen feierten überwiegend friedlich, auch die Sicherheitsbehörden sprachen von einem relativ ruhigen Abend.   Nur diejenigen, die gegen 23 Uhr mit dem Auto durch die Innenstadt fahren wollten, sahen sich auf einmal Fahnen schwenkenden Fans gegenüber, die mitten auf den Hauptstraßen den deutschen Sieg feierten. Hupende Autos, jubelnde Menschenmassen und die Party geht weiter. Am Sonntag trifft die Mannschaft von Nationaltrainer Joachim Löw auf den Sieger des morgigen Halbfinales Spanien gegen Russland. Zum Public Viewing in und an der Kölnarena kamen nach offiziellen Schätzungen erneut über 30.000 Fußballfans. Während die Kölnarena selbst komplett gefüllt war, schauten sich rund 15.000 Fans das Spiel auf der Videoleinwand an. Die Verantwortlichen vor Ort hatten schon früher als bisher die Türen zum Gelände und zur Halle selbst geöffnet. Zusammen mit dem Einsatz von mehreren Hundertschaften Polizei sorgte auch diese Maßnahme für eine entspannte Atmosphäre, wie es vonseiten der Verantwortlichen hieß.

Ein unsicheres deutsches Team gewinnt in letzter Minute

Dabei sah es lange Zeit nicht gut für das deutsche Team aus. Vom Start weg zeigten sich die ersatzgeschwächten Schützlinge von Trainer Fatih Terim überraschen ballsicher. Bereits nach wenigen Minuten krachte es zum ersten Mal gegen das Gebälk über Tormann Jens Lehmann, während Deutschland seltsam unkonzentriert wirkte. Die Folge: Die Türkei ging völlig verdient in der 22.Minute in Führung. Erneut traf Kazim Kazim die Latte des deutschen Tors, den Abpraller verwandelte Ugur Boral zur türkischen Führung. Doch schon vier Minuten später erzielte Bastian Schweinsteiger seinen zweiten Treffer in diesem Turnier und damit den Ausgleich. Auch in der zweiten Hälfte bleiben die Türken das spielbestimmende Team. Doch ihr Torwart Recber Rüstü verschaffte mit seinem planlosen Ausflug Nationalstürmer Miroslav Klose die Führung. 79 Minuten waren da gespielt. Und als die Fans vor der Videoleinwand der Kölnarena schon an den knappen und glücklichen Sieg glaubten, schlug die Türkei erneut erbarmungslos zu. In der 86. Minute traf Semih Sentürk zum verdienten Ausgleich. Doch statt den Türken hatten die Deutschen in dieser Partie das bessere Ende für sich. Philipp Lahm erzielte in der 90.Minute die erneute Führung und damit seine Mannschaft ins Endspiel am kommenden Sonntag.

Polizei mit Nachspiel zufrieden


Zu den subjektiven Eindrücken der Redaktion, die kaum Spuren von Gewalttätigkeit im weiten Rund des Areals in und um die Kölnarena ausmachen konnte, gesellte sich gegen 1 Uhr die erste Zwischenbilanz der Kölner Polizei. Lediglich 21 Personen mussten bis kurz nach Mitternacht in Gewahrsam genommen werden. Sieben Festnahmen spielten sich dabei schon vor dem Anpfiff ab, als die Polizei eine Gruppe von Hooligans am Hohenzollernring trotz mehrfacher Ermahnungen auflösen musste. Aus dem Personenkreis kam es wiederholt zu gewaltsamen Übergriffen. Insgesamt hatten sich rund 50 Personen vor dem Café versammelt. 30.000 Feiernde auf den Ringen und 6000 weitere auf der Zülpicher Straße machten die Nacht zum Tag. Polizeibeamte waren vor Ort, mussten aber kaum eingreifen. Häufiger kamen da schon Krankenwagen vorbei. Doch auch hier blieb es meist bei leichten Verletzungen bedingt durch Scherben und Alkoholeinfluss.

Kneipen drehten den Hahn auf

Ein besonderer Treffpunkt war auch am gestrigen wieder die Gaststätte „Magnus“ an der Ecke Zülpicher Straße / Dasseltstraße. Die Lokalität, sonst beliebter Treffpunkt von Studierenden, verwandelte sich in ein karnevalistisches Tollhaus, in dem türkische und deutsche Fans gemeinsam den Sieg der Deutschen und das spannende Spiel feierten. Betriebsleiter Resad Karadeniz hatte schon kurz vor Mitternacht mit seiner Stimme zu kämpfen, äußerte sich aber außerordentlich glücklich über die gute Stimmung. „Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, kommentierte Karadeniz das Spiel und musste sich sogleich wieder ums Geschäft kümmern. Talat Mesud (22), Stammgast im Magnus, war einer der wenigen, der sich mit türkischer Fahne an die Theke stellte. Er fand, dass die Türken das bessere Team waren. Aber schließlich musste sich seine Mannschaft geschlagen geben, wenn auch nur hauchdünn. Seiner Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch, auch er gesellte sich wie selbstverständlich unter das tobende Partyvolk. Karin Neumeier (24) kam extra aus Leverkusen nach Köln. „Köln ist zwar nicht die schönste Stadt in Deutschland. Aber hier kann man am besten nette Leute kennenlernen“, erklärte die Studentin. Und so ging es hier wie auch in zahlreichen anderen Kneipen bis spät in die Nacht.

Bilder vom Public Viewing finden Sie in unserer Bildergalerie.

  Kommentar
 


Im Vorfeld hatten nicht wenige Befürchtungen, die aufgeheizte Stimmung könnte sich an einigen gewalttätigen Fanatikern entzünden und den Spaß am Spiel und damit den friedlichen Verlauf beeinträchtigen. Die Skeptiker haben sich getäuscht. Türken und Deutsche feierten am gestrigen Mittwoch eine Riesen-Party bis spät in die Nacht. Bravo!

Die emotionale aber erfreulich freundschaftliche Presse in beiden Ländern und Sprachen mag dazu ihren Teil beigetragen haben. Die grandiose Stimmung zeigte aber noch mehr. Die allermeisten türkeistämmigen Jugendlichen und Erwachsenen sind längst Teil dieser Gesellschaft geworden. Integration fängt in den Köpfen an und zumindest in den türkischen ist diese Einsicht angekommen. In Köln erlebten wir kein Fest der Völkerfreundschaft, sondern ein Fest der Kölnerinnen und Kölner, egal welche Wurzeln sie haben. Das ist fast noch mehr Wert als der Einzug ins Finale.







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