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27. 05. 2012
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LG ASV Köln unterzeichnet Anti-Doping-Verpflichtung


25.01.2009 19:27 von:

Schlagwörter: KÖln,LG ASV Köln,Anti-Doping,Georg Treutlein,Selbstverpflichtung,Unterzeichnung

Als erster Leichtathletikverein in Deutschland unterzeichneten die weit über 100 anwesenden Sportler, Trainer sowie die beiden Sportdirektoren und der Aufsichtsrates eine Verpflichtung zukünftig Doping bereits in seinen Anfängen zu unterbinden. Damit zählt der amtierende deutsche Mannschaftsmeister (der Titel wurde am vergangenen Wochenende errungen) zu den Vorreitern in Deutschland, wie Dopingexperte Prof. Dr. Georg Treutlein vom Fachbereich Gesundheitsförderung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, bestätigte. Der Unterzeichnung der Vereinbarung, die in zwei unterschiedlichen Versionen für Betreuer und Athleten verteilt wurde, ging eine zweistündige Veranstaltung mit einem Vortrag des Heidelberger Fachmannes, der selbst seit über 40 Jahren vor allem in der Leichtathletik ein reichhaltigen Erfahrungsschatz ansammelte, voraus. In der anschließenden und deutlich kürzeren Frage- und Antwortrunde gingen die Initatoren auf die Fragen und Anregungen aus dem Publikum ein.

90-minütiger Intensivkurs in Sachen Doping im Sport

Treutlein nahm in seiner 90-minütigen Vorlesung weder ein Blatt vor den Mund noch ließ er wichtige Aspekte aus. Ob nun das Fünf- oder das Vier-Stufen-Modell einer Dopingkarriere, der kurze geschichtliche Abriss mit den Anfängen beim Einsatz leistungssteigernder Mittel seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts bis hin zu quasi philosophischen Betrachtungen über den „starken Charakter“; nahezu alle Facetten des Doping wurden angesprochen und mit Beispielen sowie mehr oder weniger bekannten Namen konkretisiert. Doch auf den Kommtar eines jungen Athleten, der den Zusammenhang zwischen Leistungsdruck, Medizingesellschaft und eigenem Erfolgsstreben als „Teufelskreis“ bezeichnete, folgte gleich eine ganze Palette an Erklärungsansätzen, Tipps und Forderungen der auf dem Podium versammelten Sportkompetenz. „Das müsse jeder selbst wissen, was er mit seinem Körper anstelle“, erklärte beispielsweise der Heidelberger Dozent. LG ASV-Sportdirektor Harald Rösch versprach mehr „Rückendeckung“ seitens der Verantwortlichen und empfahl sich als Vertrauensperson, „wenn jemand ein Präparat verabreichen will ohne zwingende Notwendigkeit. Wir wollen das nicht“, so der Sportdirektor weiter. Aufsichtsrat und Ex-RP Roters zog sogar den „Leistungsfetichismus“ in Zweifel und forderte angemessenere Normen. Und Dopingexperte Treutling bemängelte die organisierte Verantwortungslosigkeit, die sich bereits im deutschen förderalistischen System mit seinen unterschiedlichen Zuständigkeiten von Landes- und Bundesebene zeige.

Pro und Kontra

Dabei wurde bereits in einer "Aufwärmrunde" ganz zu Beginn der Veranstaltung das Für und Wider beim Thema Doping ausgesprochen. Im Vorfeld seines eigentlichen Vortrages erwiderte Treutlein auf genau die gleichen Argumente die Antworten aus der Perspektive eines Doping-Befürworters. Und auch diese Argumente klangen auf erstes Zurufen hin logisch, nachvollziehbar, ja hatten sogar etwas „Schlagfertiges“. Es sei ja alles nicht so schlimm, immerhin werden leistungssteigernde Mittel unter der Aufsicht kompetenter Mediziner verabreicht. Wer nach seinem Trainingslager oder nach einer Verletzung auf einmal körperliche Veränderungen bei seinen Konkurrenten feststellt, müsse mit Doping seinen Anspruch auf Gleichberechtigung durchsetzen. Schließlich mache das die Konkurrenz ja auch. Und überhaupt: Doping ist medizinisch kontrollierbar und weit weniger gefährlich als Zigaretten- oder Alkoholkonsum, so einige Argumente der Befürworter. Dass der Sportler zunächst sich, aber zugleich auch die Öffentlichkeit betrügt, teilte Treutlein seiner Zuhörerschaft erst etwas später mit. Die anwesenden Jungendlichen und Junioren nahmen das in ihren anfänglichen Argumenten für ein Verbot von Doping aber bereits beim "Aufwärmen" vorweg. Und die Meinungen ließen keine Zweifel zu. Doping in ihrem Leichtathletikverein wolle man nicht, weder vonseiten der Athleten noch vonseiten der Eltern. Schließlich gehe es um die Glaubwürdigkeit des Sports und die Sicherheit, die eigenen Kinder vertrauensvollen Trainerinnen und Trainern zu übergeben, denen es nicht nur um Höchstleistung, sondern vor allem um Gesunderhaltung gehe. Wo also muss man ansetzen, um den Nährboden für Doping zu entziehen, bevor er entstehen kann.

Schleichender Prozess

Das Fatale und zugleich Schwierige an der Situation im Umgang mit Doping ist der „schleichende Fortgang“ dieses Prozesses. Doping fällt nur in den seltensten Fällen mit der Tür ins Haus. Zumeist, so weiß der Doping-Experte aus Heidelberg, werden die Nachwuchsathleten mit erlaubten, aber leistungssteigernden Mitteln und Präparaten geködert. Kommt es dann zu einer Formkrise oder zu einer Verletzung, folgt häufig der zweite Schritt, bis sich der Athlet oder die Athletik schließlich mitten im bereits beschriebenen Teufelskreis befindet. So lassen sich auch tränenreiche Bekenntnisse wie die des Radsprinters Erik Zabel erklären, weil die meisten "Doper" bei ihrem Betrug ein schlechtes Gewissen haben. Die Lösung klingt aus Sicht der Experten zwar einfach und einleuchtend, ist jedoch in der praktischen Vermittlung ungleich schwieriger zu vermitteln. „Wir müssen Sie stark machen, auch Nein zu sagen“, bringt es Treutlein auf den Punkt. Dabei hilft sowohl eine Ausbildung oder ein Studium als „zweites Standbein“ ebenso wie ein im wahrsten Sinne des Wortes „gesundes“ Selbstbewusstein. Die mediale Durchdringung, die von jungen Athleten bereits nahezu perfekte Medienrepräsentanz und zugleich fundierte medizinische Kenntnisse verlange, sei dabei schon ein wenig „ungerecht“ und erhöhe zusätzlich den Druck. Die Verpflichtung soll dabei helfen, beiden Seiten einen Verhaltensleitfaden an die Hand zu geben, der an die eigentlichen Ursachen des Dopings präventiv und offensiv angehen soll und dabei Athleten, Trainer und Vereinsobere gleichermaßen in die Pflicht nimmt. Je mehr Vereine sich dieser Initiative anschließen, desto effizienter könne man das Ansinnen auch in die nationalen Verbände tragen, hofft Treutling. Das dürfte dem streitbaren Professor nicht fremd sein. Schon mehrfach standen Treutling und seine engsten Mitstreiter in der Kritik, weil sie sich mit Erklärungen oder Forderungen wie der nach zwei Verbänden für Amateur- und Profisportler den Unmut der Dopingbefürworter zugezogen haben. Und die behielten in den entschiedenden Gremien und vielen Vereinen immer wieder die Oberhand.

  Ehrlich, aber nicht dumm!
Kommentar der Redaktion
 

Man kann sich die Schlagzeile schon jetzt vor Augen führen: „Leichtathleten gehen bei Olympiade leer aus - Ist der deutsche Hochleistungssport am Ende?“. So könnten die Aufhänger auf der ersten Seite bekannter Boulevard-Blätter bereits in wenigen Monaten klingen und damit die gesamte Diskussion um Für und Wider in Sachen Doping in den Fokus medialer Öffentlichkeit rücken. Der strahlende Olympiasieger war schon immer der Held und der Vierte der "Loser", trotz möglicher persönlicher Jahresbestleistung. Es blieb nur die häufig geheuchelte Anerkennung, das Treppchen knapp verpasst zu haben. So grausam sind die Gesetze des Sports und der Hochleistungssport macht da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil: Die Konsequenzen aus Sieg und Niederlage sind im Hochleistungssport sogar monetär spürbar und können über Existenzen entscheiden. Während der vermeintlich „gedopte“ Sieger nach seinem Sieg für Vitamindrinks und Sportkleidung gegen große Gage sein ohnehin bereits bekanntes Gesicht gewinnbringend vermarkten darf, muss der Vierte wieder zurück in seinen Job oder für die Abschlussprüfung büffeln. Liegt der kleine Unterschied zwischen Sieg und Niederlage gar an leistungsfördernden Mitteln, die der Sieger verbotenerweise eingenommen hat, wird die Sache richtig bitter. Der Verzicht und das Engagement der "Ehrlichen" erfordert Standhaftigkeit, Mut und einen Charakter wie ein „Fels in der Brandung“; Eigenschaften, die in Schulklassen oder Unternehmen, sprich im gesellschaftlichen Alltag außerhalb des Sports, nicht immer vorbehaltlos gefördert werden.

Der Wert einer solchen Selbstverpflichtung soll hier nicht in Abrede gestellt werden, aber man muss schon zugestehen, dass der Zeitpunkt der Unterzeichnung geschickt gewählt wurde. Die LG ASV Köln haben vor einer Woche den deutschen Mannschaftsmeister-Titel sowohl bei den Damen wie auch bei den Herren geholt und das – man muss es nicht extra betonen – mit sauberen Mitteln. Einigen Lokalmedien war diese Meldung allerdings weniger wert als die Ergebnisse der Herren-Bezirksliga im Fußball-Verband Mittelrhein, wie ein Verantwortlicher nicht ganz zu Unrecht kritisierte. Zwar fehlten bei den Meisterschaften auch einige Spitzenathleten und Clubs und die Leistungen sind im internationalen Maßstab kaum der Rede. Das soll den nationalen Erfolg keineswegs schmälern. Das Beispiel zeigt vielmehr, dass sportlicher Erfolg ohne Doping durchaus möglich ist. Doch wer jetzt jubelt, springt zu kurz und wird schnell von der Realität eingeholt. Solange Ärzte, Betreuer und Verbandsfürsten, die dem Doping internationale Notwendigkeit und medizinischer Unbedenklichkeit bescheinigen, mit viel zu milden Strafen davon kommen, steht zu befürchten, dass das Signal der heutigen Selbstverpflichtung untergeht, bevor es überhaupt von einer breiteren Masse zur Kenntnis genommen wurde. Die „schwarzen Schafe“ sind auch in Deutschland keineswegs von der Bildfläche verschwunden, sie sind immer noch aktiv als Mediziner, Betreuer, Trainer oder Verbandsobere. Die Gefahr ist mit einem unterschriebenen Blatt Papier also keineswegs gebannt, Vorbilder müssen gelebt und mit Leben gefüllt werden.

Man muss den Initiatoren hoch anrechnen, dass sie mit kompetenter Unterstützung aus Heidelberg den Versuch unternommen haben, die Untiefen des Missbrauchs und der schlechten, weil verlogenen, Vorbilder wenigstens ansatzweise fassbar gemacht zu haben. Aber der Weg zum ehrlichen und erfolgreichen Sport wird (nicht nur in der Leichtathletik) weder der einfachste noch der bequemste sein. Der „ehrliche“ Sportler braucht also auch den „aufrechten“ Funktionär, um in der Krise nicht den Verlockungen des Dopings zu verfallen. In diesem Falle würden die betroffenen Sportler selbst zu „falschen (weil verlogenen) Vorbildern“. Insofern ist die Selbstverpflichtung ein richtiger Schritt, weil sie an die Ursachen herangeht und Doping nicht zum Einzelfall eines „schwachen Charakters“ abstempelt. Man kann den Verantwortlichen nur wünschen: Möge der „Ehrliche“ in diesem Fall eben nicht der „Dumme“ sein, um abschließend einen bekannten Bestseller-Titel zu zitieren. Am vergangenen Wochenende jedenfalls war der „Ehrliche“ der „Sieger“.







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