27. 05. 2012
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Ältere Arbeitnehmer in Arbeit: Keine schlechte Wahl
"Ich habe mit älteren Arbeitnehmern beste Erfahrungen gemacht. Sie sind zuverlässig, arbeiten eigenverantwortlich und im Team gut zusammen", fasst Birgit Becker die Erfahrungen ihrer bisherigen Personalpolitik zusammen. Becker ist seit 13 Jahren Geschäftsführerin und damit Chefin eines Betriebs, der die "Landschaft" pflegt. Kunden sind Wohnungsgesellschaften, private Auftraggeber und nicht zuletzt auch die Kommune. "Wir reparieren Spielgeräte und müssen unsere Mitarbeiter deshalb regelmäßig beim TÜV weiterqualifizieren", so Becker weiter. In ihrem Betrieb arbeiten derzeit sechs Festangestellte und acht Aushilfen. Der Jüngste ist 24, die ältesten Aushilfen jenseits der 70. "Wir haben es mal mit einem 43-Jährigen versucht, aber das passte nicht", so die Firmenchefin. Das Gros der Mitarbeiter ist zwischen 55 und 65 Jahre alt und das ist nach Ansicht von Peter Welters, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kölner Arbeitsagentur, "bemerkenswert".
Problem: Langzeitarbeitslosigkeit in der Gruppe der über 50-Jährigen
Zwar beginnt auch in den Köpfen der Kölner Unternehmen die Ansicht zu reifen, dass ältere Mitarbeiter nicht nur eine Belastung des Unternehmens darstellen, sondern einen Wert. Immerhin ist auch der Arbeitsmarkt für Menschen ab 50 Jahren Lebensalter in Bewegung. Etwa 15.000 Vermittlungen in Arbeit habe es in den vergangenen zwölf Monaten gegeben, bei einer Zahl von rund 13.000 älteren "Erwerbsfähigen" erscheint diese Zahl sogar dynamisch. Aber ein Blick auf die Arbeitslosenquote der Menschen über 50 zeigt ein etwas anderes Bild. Hier liegt der Wert von 11,5 Prozent deutlich über der aktuellen Arbeitslosenquote von etwas mehr als zehn Prozent unter allen Kölnerinnen und Kölnern, "die arbeiten können und wollen", so Welters. Immerhin scheint der Trend zum "Jugendwahn" in den Unternehmen durchbrochen. Bereits seit einigen Jahren beobachten die Kölner Arbeitsvermittler einen leichten Anstieg älterer Arbeitnehmer unter den Neueinstellungen. Lag dieser Wert im Jahr 2007 noch bei 9,4, hat er sich im vergangenen Jahr auf 11,4 Prozent erhöht.
Qualifizierung und Förderung
Um das Problem an der Wurzel zu fassen, muss man schon im Betrieb anfangen. Mit Sorge beobachtet Welters, dass die Quote älterer Arbeitnehmer bei betriebsinternen Weiterbildungen unterdurchschnittlich ist. Offenbar glauben viele Unternehmen immer noch, dass sich die Qualifizierung von Menschen jenseits der 50er-Marke nicht mehr lohne. Doch genau hier will die Agentur und ihre Berater ansetzen. "Der beste Weg, Arbeitslosigkeit zu bekämpfen ist, sie erst gar nicht entstehen zu lassen", so Kölns ranghöchster Arbeitsvermittler. Die Agentur selbst geht da mit gutem Beispiel voran. So werden auch Menschen, die noch ein paar Jahre älter sind, in Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt. Vor allem ungelernte und ältere Arbeitnehmer haben es schwer auf einem Arbeitsmarkt, in dem Kenntnisse moderner Bürokommunikation immer häufiger zum selbstverständlichen Anforderungsprofil von Arbeitgeber gehören.
Neben der Qualifizierung unterstützt die Arbeitsagentur auch seit etwas mehr als drei Jahren auch Arbeitgeber mit der so genannten "Wiedereingliederungshilfe". In der Regel erhalten diese von der Arbeitsagentur einen 30-prozentigen Zuschuss auf den Bruttolohn sowie einen pauschalen 20-prozentigen Abschlag auf die Arbeitgeberkosten am Lohn. Je nach Förderbedarf kann die übliche Frist von einem Jahr auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe sich das inzwischen auch herumgesprochen, bestätigten die Agenturvertreter. Für beide Module der Arbeitsmarktförderung gebe es derzeit auch "Möglichkeiten", trotz der zuletzt deutlich gesunkenen Zuschüsse für Arbeitsmarktmaßnahmen bei den Jobcentern, wie Agenturchef Welters abschließend erklärte. Auch Firmeninhaberin Becker hat damit bereits Erfahrungen machen können. Ihr jüngster Neuzugang kam auf Vermittlung der Arbeitsagentur und ist 54 Jahre alt.

























