27. 05. 2012
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Arbeitsagentur besucht vorbildliche Unternehmen
Der Kölner Arbeitsmarkt hat in diesem Jahr einen guten Verlauf genommen. Dank des zweiten Boomjahres wurde die historische Wirtschaftskrise des Jahres 2009 schneller als ursprünglich erwartet überwunden. Weil der Arbeitsmarkt dem Konjunkturmotor immer um einige Monate hinterherläuft, dürfte die Zahl der Arbeitsaufnahmen auch in den kommenden Monaten weiter sinken. Zwar hält sich ein weiterhin recht hoher Sockel von “Unterbeschäftigten” (rund 4,5 Prozent), doch die Verantwortlichen der Kölner Arbeitsagentur, allen voran deren Geschäftsführungsvorsitzende Roswitha Stock, zeigten sich schon in den vergangenen Monaten zuversichtlich. Aber nicht nur der erfahren Bauingenieur oder der alerte Informationsprofi sind auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln. Und so richtete die Arbeitsagentur am gestrigen Montag wieder einen auswärtigen Besuch, diesmal tief im Kölner Süden im Stadtteil Rodenkirchen, aus. Das Thema war dabei eines, dass im ersten Augenblick wie ein Widerspruch daherkommt. Zielgruppe waren Menschen mit schweren Behinderungen und ihre Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt.
Dass es dennoch Unternehmen gibt, die auch und gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten auf die Integration von “Schwerbehinderten” setzen, zeigt das Beispiel der Simple GmbH mit Sitz in einem Gewerbegebiet im Kölner Stadtteil Rodenkirchen. 26.000 Arbeitsfähige melden sich pro Jahr aus der Betreuung von Arbeitsagentur und Jobcenter in den ersten Arbeitsmarkt ab. Etwas mehr als zehn Prozent (2759) dieser Arbeitsaufnahmen entfallen auf vomals Arbeitslose mit einer Schwerbehinderung (ab 50 Prozent Einschränkung). Wolfgang Meurer ist einer der Menschen hinter diesen Statistiken. Seit rund einem halben Jahr arbeitet Meurer in der Projektabrechnung bei der Agentur für Kommunikationsdesign, offenbar zur Zufriedenheit seines Chefs. Denn der will ihm gleich noch neue Aufgaben und damit mehr Verantwortung übertragen, wie Simple-Geschäftsführer Andreas Salsamendi bestätigte. Aber Unternehmen wie die Kölner Agentur mit ihren rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind zwar hervorhebenswert, können aber das grundsätzliche Problem mit Personen seiner Zielgruppe und der Aufnahme in den ersten Arbeitsmarkt nicht lösen.
“In der Wirtschaftskrise verloren deutlich mehr schwerbehinderte Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz als in den Jahren davor, zudem ist die Zahl der Neueinstellungen vorüber-gehend zurückgegangen. Das hat die Zahl der Arbeitslosen nach oben getrieben“, erklärte Agenturchefin Roswitha Stock. Allerdings hat sich seit dem Krisenjahr 2009 bereits wieder eine Trendwende gegeben. Die Zahl der vermittelten “Schwerbehinderten” stieg um gut sechs Prozent an, so Stock weiter. In Sachen Schwerbehinderung dürfe das aber kein Hinderungsgrund für eine Arbeitsaufnahme sein. Zwar sind längst nicht alle Büroflächen in Köln barrierefrei, aber trotzdem müsse die Vermittlung gerade dieser Arbeitskräfte noch deutlich zulegen. „Ich möchte den Blick darauf lenken, dass es unter diesen gut 2.700 Frauen und Männer etliche gut ausgebildete und motivierte Kandidatinnen und Kandidaten für freie Stellen gibt”, so Stock weiter.,
Die Gründe des Unternehmenschefs klingen deutlich weniger tiefgreifend. Er wollte einem Kollegen mit schwerer Behinderung eine Chance geben, so der Grund. Also ging der Unternehmenschef auf die Arbeitsagentur zu und veranstaltete so etwas wie ein kleines Assessmentcenter. Die Maßnahme war auch mit den eigenen Angestellten abgestimmt, wie der Chef betonte. „Die Rückmeldungen waren neutral bis positiv. Also habe ich die Arbeitsagentur gebeten, mir fünf Kandidatinnen und Kandidaten für unsere offene Stelle in der Buchhaltung vorzuschlagen“, beschrieb der Agenturchef den weiteren Gang der Dinge. Nach drei Wochen auf Probe war klar. Wolfgang Meurer ist zurück im ersten Arbeitsmarkt, obwohl er auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Menschen mit schwerer Behinderung sind aber noch aus einem anderen Grund schwerer vermittelbar als der Gesamtdurchschnitt. Mehr als die Häfte der arbeitslos gemeldeten, aber eingeschränkt arbeitsfähigen Kunden von Arbeitsagentur und Jobcenter sind bereits älter als 54 Jahre. Insgesamt waren es im Oktober gerade mal 14 Prozent, hieß es abschließend.

























