27. 05. 2012
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Arbeitsagentur und türkische Generalkonsulate stellen Zusammenarbeit vor
500 bis 600 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund besuchen jeden Tag das Generalkonsulat der Türkischen Republik an der Luxemburger Straße in Hürth-Hermühlheim. Seit Mitte dieses Jahres findet sich dort auch ein Informationsstand der Arbeitsagentur. Jeden ersten Montag im Monat steht ein Berufsberatungsteam der Kölner Arbeitsagentur im Foyer der Meldehalle, um über die betriebliche Ausbildung in Deutschland und viele weitere Fragestellungen beim Übergang Schule und Beruf zu beraten. Auch beim heutigen Pressetermin war der Info-Counter gut besucht. "Wo liegen meine Interessen? Welcher Ausbildungsberuf passt? Was muss ich tun?", sind dabei nur einige Fragen, auf die die Arbeitsagentur eine Antwort geben will. Am heutigen Montag stellten die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, Christiane Schönefeld, und der türkische Generalkonsul in Köln Mustafa Kemal Basa das Konzept des gemeinsamen Aktionsplans "Zukunft durch Ausbildung" vor. Ziel ist es, gemeinsam auf die Bedeutung der dualen, betrieblichen Ausbildung aufmerksam zu machen und damit mehr Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund für eine solche Berufsausbildung zu interessieren.
Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Debatte um Integration und den bevorstehenden Fachkräftemangel versuchen Arbeitsagenturen im bevölkerungsreichsten Bundesland, neue Wege zu geben. Berufsberater der Arbeitsagentur und die vier türkischen Generalkonsulate in NRW arbeiten dabei eng zusammen. Multiplikatoren sollen geschult werden, die ersten 116 sind bereits im Auftrag der Agenturen unterwegs, um in Moschee- und Sportvereine sowie den zahlreichen zivilen Organisationen für Unterstützung und Interesse zu werben. "Wir rufen nicht nach Zuwanderung. Vielmehr haben wir die Verabredung getroffen, türkischen Jugendlichen Zugänge zu verschaffen", erläuterte Schönefeld im Pressegespräch. "Wir glauben, wir haben als türkischer Staat die Aufgabe, diesen Prozess zu unterstützen", ergänzte Generalkonsul Basa. Beide wissen, dass eine berufliche Integration in den ersten Arbeitsmarkt unbedingte Voraussetzung dafür ist, dass Integration insgesamt gelingen kann. Derzeit leben in NRW knapp 18 Millionen Menschen, rund ein Viertel davon hat eine Zuwanderungsgeschichte. Größte Migrantengruppe sind die Türken. Nach offiziellen Zahlen stammen rund eine Million Menschen aus Familien türkischer Herkunft, etwa 600.000 von ihnen besitzen den türkischen Pass. Viel Potenzial also, zumal der Stellenwert der dualen, betrieblichen Ausbildung in dieser Gruppe geringer ausgeprägt ist als in der Gesamtbevölkerung, wie Schönefeld einräumte. Auf gerade einmal zehn Prozent schätzen Arbeitsmarktexperten den Ausbildungsanteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei einem Gesamtanteil an der Bevölkerung von deutlich über einem Viertel. "Wir haben viele Möglichkeiten, mit Menschen zu arbeiten, die bereits hier sind", betonte Schönefeld.
Auch die Agenturen selbst wollen mit gutem Beispiel vorangehen. So nimmt die nordrhein-westfälische Regionaldirektion der Bundesbehörde selbst seit kurzer Zeit am Modellversuch eines anonymisierten Bewerbungsverfahrens teil. "Wir wollen uns von der Qualifikation, nicht von der Herkunft oder anderen Faktoren leiten lassen", betonte Schönefeld das Engagement ihrer Organisation. Derzeit beträgt der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Agentur selbst gerade acht Prozent. Darüber hinaus gilt es aber, vor allem bei den Schulen anzusetzen. Mit der so genannten "vertieften Berufsorientierung" sollen die Berufsberater vor allem in den Hauptschulen des Landes dem Nachwuchs Perspektiven aufzeigen. Anhand von Persönlichkeitsprofilen und Kompetenzfeststellungsverfahren sollen die angehenden Schulabgängerinnen und Schulabgänger gezielt auf die Möglichkeiten des dualen Ausbildungssystems hingewiesen werden. Ziel ist es nach Aussage Schönefeld, 60 Hauptschulen im Land für dieses Projekt zu motivieren, zehn Hauptschulen machen bereits mit. "Wir erleben eine große Bereitschaft der angesprochenen Schulen", bestätigte die Regionaldirektorin der Agentur. Landesweit bieten bereits mehr als zwei Drittel aller Hauptschulen eines oder mehrere Module der Beratungsangebote der Arbeitsagenturen an. "Das ist kein abgeschlossenes System, wir wollen es gemeinsam weiterentwickeln", so Schönefeld weiter.
Dass die seit Juli dieses Jahres stattfindenden Beratungsangebote mit den Konsulaten gemeinsam angeboten werden, macht noch aus einem anderen Grund Sinn. "Die Hemmschwelle, ein Beratungsgespräch anzunehmen, ist deutlich niedriger als in einer deutschen Behörde", weiß Generalkonsul Basa aus eigener Erfahrung. Wollen türkische Eltern beispielsweise in der Meldehalle ihre Pässe verlängern lassen, werden sie auch auf die Berufsberatungen und Angebote der Agenturen hingewiesen und so mit wichtigen Informationen versorgt. Zu Hause angekommen können sie dieses Wissen ihren Kindern vermitteln und so darauf hinwirken, dass die Kinder ihren Schulabschluss machen und eine berufliche Perspektive erhalten. "Wir informieren auch regelmäßig unser eigenes Netzwerk aus zweisprachigen Multiplikatoren, zum Beispiel per Mail", ergänzt Basa. Über die Notwendigkeit ließen beide Kooperationspartner keine Zweifel aufkommen. Es wird allerdings ein langer Prozess. "Das ist ein Anfang", so Schönefeld abschließend.
Die Berusberatung der Arbeitsagentur finden an jedem ersten Montag im Monat zwischen 8:30 und 12:30 Uhr statt. Bei allgemeinen Fragen hat das Landesarbeitsministerium eine kostenlose Hotline unter der Rufnummer: 0800 / 5555 440 freigeschaltet. Hier werden Anfragen in beiden Sprachen beantwortet bzw. entsprechende Nachfragen an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Darüber hinaus bietet die Bundesagentur für Arbeit eine weitere Service-Nummer unter: 01801 / 555 111 an. Dieser Service kostet 3,9 Cents aus dem deutschen Festnetz und dient zum Beispiel der Terminabsprache mit der lokalen Arbeitsagentur.

























