27. 05. 2012
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Bertelsmann-Studie: Arbeitsmarkt wird unsicherer
Immer weniger Menschen in Deutschland sind unbefristet und in Vollzeit bei einem Arbeitgeber angestellt. Das fanden die Experten der Bertelsmann-Stiftung gemeinsam mit dem Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in einer am heutigen Montag veröffentlichten Studie heraus. Demnach sind 60,1 Prozent aller Beschäftigten in der Bundesrepublik in Vollzeit und unbefristet angestellt. Der Anteil so genannter "traditioneller" Arbeitsverhältnisse ist aber seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2001 lag der Anteil dieser Beschäftigungsverhältnisse noch um 4,6 Prozentpunkte höher, teilte die Stiftung weiter mit. Größere Rückgänge hatten im internationalen Vergleich lediglich Polen, die Niederlande, Luxemburg und Malta zu verzeichnen. Das dies auch anders geht, zeigt die Entwicklung in anderen Ländern. Neben einigen mittel- und osteuropäischen Ländern verzeichnen auch Finnland, Frankreich und Großbritannien eine Steigerung solcher "Normalarbeitsverhältnisse" aus.
Vor allem die Dienstleistungsbranche in Deutschland tut sich schwer mit dem Vollzeit-Festangestellten. Vielmehr habe die Wirtschaft auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt mit Teilzeitjobs und anderen befristeten Formen reagiert. 53,2 Prozent aller in der Dienstleistungsbranche Beschäftigten arbeiten unbefristet in Vollzeit, deutlich weniger als in manch anderem Land. "Mit dem Abbau traditioneller Beschäftigungsformen reagiert die Wirtschaft auf gestiegene Flexibilitätsanforderungen und die erweiterten Möglichkeiten im Zuge der Arbeitsmarktreformen alternative Beschäftigungsarten zu nutzen", erläuterte Eric Thode, Senior Expert der Bertelsmann Stiftung und Co-Autor der Studie. "Der Arbeitsmarkt ist funktionsfähiger, aber auch unsicherer geworden", so sein Fazit.
Für die Politik bedeutet dieses Ergebnis nichts Gutes. Zum einen stehen die Politiker vor der Herausforderung, die "unsicheren" Beschäftigungsverhältnisse sicherer zu machen, auf der anderen Seite aber den Klein- und Kleinstunternehmen nicht das Wasser abzugraben. Einen signifikanten Zusammenhang gibt es hingegen zwischen der Entwicklung der Löhne und der Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse. Für Geringverdiener mit zwei Dritteln des Durchschnittseinkommens eines Arbeiters in der Industrie stiegen in Deutschland beispielsweise die Nettolöhne zwischen 2001 und 2008 lediglich um 1,6 Prozent. Der Durchschnitt in Europa lag dagegen bei 2,9 Prozent. Als Ursache werden neben einem über weite Strecken unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum vor allem Struktureffekte gesehen, die durch die Schaffung von Teilzeitarbeit und marginalen Beschäftigungsverhältnissen entstehen. Die Zunahme niedrig entlohnter Arbeitsverhältnisse senkt die durchschnittlichen Verdienste und vermindert so auch die Zunahme der Nettorealeinkommen, haben die Autoren der Studie weiter herausgefunden.
Neben der unterdurchschnittlichen Lohnentwicklung sind Geringverdiener in Deutschland zudem von hohen Steuer- und Sozialabgaben betroffen. Nach Dänemark sind die Belastung für Geringverdiener in diesem Land am stärksten belastet. So beträgt unter anderem die marginale Belastung durch Steuern und Abgaben zuzüglich Transfers für Geringverdiener stolze 59 Prozent. Das bedeutet, dass von einem Euro, der brutto zusätzlich verdient wird, tatsächlich netto nur 41 Cent ausgezahlt werden. Der restliche Betrag wird über Steuern oder Sozialabgaben wieder eingezogen oder auf die Transferausgaben angerechnet. Deutlich besser sind dagegen Normalverdiener bestellt, sie erhalten immerhin 45 Cents für einen Euro Bruttoverdienst. Arbeitnehmer mit höherem Einkommen kommen sogar auf 56 Cents. "In dieser Hinsicht wirkt das deutsche Steuersystem regressiv, die Steuerbelastung nimmt bei zunehmendem Einkommen also prozentual ab", beschrieben die Autoren dieses Teilergebnis.
Tatsächlich sind von der Abnahme der traditionellen Beschäftigungsverhältnisse vor allem Frauen betroffen. Der Anteil von Normalarbeitsverhältnissen unter den weiblichen Beschäftigten sank im Beobachtungszeitraum 2001 bis 2008 von 48 auf 43 Prozent und damit etwas stärker als die Gesamtheit aller Beschäftigten, fand die Studie heraus. Damit erreicht Deutschland den 26. von 28 möglichen Plätzen. Somit erfolgte die Beschäftigungszunahme bei Frauen vor allem über andere Arbeitsverhältnisse als das traditionelle. Tatsächlich soll dieser Zuwachs vor allem über mehr Teilzeitarbeit erreicht worden sein, hieß es dazu abschließend.
Die Studie untersuchte die Beschäftigtenverhältnisse in den 28 OECD-Staaten miteinander. Die Ergebnisse der Studie ist im Internet auch als Download abrufbar.

























