27. 05. 2012
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DIW-Ökonom: Angeblicher Fachkräftemangel ist Ergebnis eines Rechenfehlers
Der Fachkräftemangel in Deutschland ist ein viel zitierter und noch mehr beschworener Mangelzustand, der in regelmäßigen Abständen seinen Weg in die mediale Berichterstattung findet. Aber möglicherweise ist dieser Mangel an qualifiziertem Fachpersonal nur Folge eines Rechenfehlers. Das jedenfalls ist die Meinung des Ökonomen Karl Brenke, Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. In der aktuellen Novemberausgabe der Fachzeitschrift Impulse, die am heutigen Donnerstag im Handel erschienen ist, führte der Wirtschaftsforscher seine Vermutung näher aus. Die Datenlage zu diesem wichtigen Thema bleibt jedoch verbesserungswürdig, erklärte der Wirtschaftsforscher weiter.
Brenke nannte den Fachkräftemangel eine „Fata Morgana“, räumte aber ein, dass auch der Gegenbeweis wissenschaftlich nur schwer zu führen sei. Aber der Wissenschaftler geht in seinem Interview mit der Fachzeitschrift noch einen Schritt weiter und in die Gegenoffensive. Für Brenke beruht der vielfach beklagte Fachkräftemangel auf einem Denk- und Rechenfehler. Die Arbeitsagenturen registrierten offene Stellen, multiplizierten diese mit einem Faktor, der abbildet, dass die Firmen nicht alle offenen Stellen melden und gleichen den Wert mit der Zahl der Arbeitslosen ab - die Differenz dieser Werte ergäbe den Fachkräftemangel.
Brenke rechnet anders. Eine erste Kenngröße sind für ihn die Beschäftigten, die durch Rente oder Elternzeit aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Zusammen mit dem zusätzlichen Bedarf an Mitarbeitern in Wachstumsphasen ergeben den realistischen Wert für den Fachkräftemangel. Dem stellt der Ökonom die vorhandenen Arbeitskräfte gegenüber, die derzeit keinen Job haben. Ergebnis: Einige Berufsgruppen, darunter auch Ingenieure, haben überhaupt keinen Fachkräftemangel. Auch andere Experten folgen dieser Argumentation. "Meines Wissens gibt es keine einzige empirisch fundierte Untersuchung, die belegt, wo wir aus welchen Gründen in welchem Maß unter Fachkräftemangel leiden“, erklärte Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbandes der Personalmanager. Der stützt sich bei seiner Meinung auf eine Befragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach hat gerade einmal eines von 100 befragten Unternehmen tatsächlich Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal zu finden.

























