27. 05. 2012
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Januar 2010: Arbeitslosigkeit in Köln steigt deutlich an
Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar 2010 deutlich angestiegen. Mit 55.567 Erwerbslosen stieg die Zahl gegenüber dem Vormonat um 2611 oder 4,9 Prozent an. Auch der Abstand zum Vorjahreswert erhöhte sich im Januar weiter. So waren im Januar 2009 2298 Personen weniger arbeitslos gemeldet, wie die Kölner Arbeitsagentur am gestrigen Donnerstag berichtete. Von einem Einbruch am Arbeitsmarkt, wie von nicht wenigen Auguren befürchtet, sei es im Januar dennoch nicht gekommen, so die Einschätzung von Peter Welters, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kölner Behörde. Den Anstieg bezeichnete der oberste Kölner Arbeitsvermittler als "saisonbedingt üblich". Viele Arbeitgeber nutzen den Jahreswechsel zur Kündigung. Auch gebe es den witterungsbedingten Effekt höherer Arbeitslosenzahlen. Allerdings werfe die derzeit niedrige Produktivität der Betriebe einen Schatten auf die Entwicklung in den kommenden Monaten. Auch die Arbeitsagentur weiß, dass viele Betriebe der besonders von der Wirtschaftskrise betroffenen Branchen, ihre Belegschaften über kurz oder lang den geringeren Auftragskapazitäten angleichen müssen. Am gleichen Tag hatte auch die Industrie- und Handelskammer Köln in ihrer Konjunkturumfrage eine entsprechende Investitionszurückhaltung, insbesondere in den besonders betroffenen Bereichen Metallverarbeitung und Maschinenbau festgestellt. Gerade letztgenannte Branche ist besonders drastisch von den Nachfrageeinbrüchen der zurückliegenden Monate betroffen. In der IHK-Umfrage tendierte daher der Anteil der Maschinenbaubetriebe, die neues Personal einstellen wollen, nahezu gegen Null.
Sorge bereitet den Agenturverantwortlichen die derzeit eher geringe Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes. Zwar gebe es auch erfreuliche Zahlen in der Januar-Statistik. So liegt beispielsweise die Zahl der Arbeitslosmeldungen im Berichtszeitraum unter dem Wert aus dem Vorjahr. Grund für Optimismus sei das aber keineswegs, wie die Agentur hervorhob. So habe man sich zu Beginn der Krise vor allem von befristet Beschäftigten getrennt. Die Zahl ist überdies Beleg für das Festhalten vieler Betriebe an ihrer Stammbelegschaft. Die Zahl der offenen Stellen, die die Berater der Agentur im Januar akquirieren konnte, liegt mit knapp 5000 unter dem Niveau vom Januar 2009. Die Zahl zeige jedoch auch, dass der Arbeitsmarkt weiterhin Chancen für gut ausgebildete Fachkräfte bereithält. "Noch trägt das Netz der Beschäftigungssicherung", so die Einschätzung der Kölner Arbeitsmarktexperten. Arbeitszeitkonten, Reduzierung der Kernarbeitszeit und nicht zuletzt das Instrument der Kurzarbeit tragen zu der relativ moderaten Entwicklung im Wintermonat Januar bei. Die Risiken weiterer Arbeitsplatzverluste belasten jedoch die Aussichten. So rechnet die Agentur auch in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen.
Eher skeptisch zeigten sich die Verantwortlichen mit einer anderen Entwicklung. Im Januar 2010 habe sich die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 überdurchschnittlich erhöht. Im Berichtszeitraum waren 4261 Personen unter 25 bei der Agentur als arbeitssuchend gemeldet. Diese Zahl liegt deutlich (+ 6,6 Prozent) über dem Stand vom Januar 2009. So wurden in den zurückliegenden Monaten vor allem Auszubildende nach dem Abschluss ihrer Ausbildung von den Betrieben freigestellt. Die meisten arbeitslosen Jugendlichen sind allerdings ohne Berufsausbildung. Nach Angaben der Agentur trifft dies auf rund drei Viertel der arbeitslosen unter 25-Jährigen zu. Etwa zwei Drittel dieser Gruppen werden im so genannten Bereich der Grundsicherung durch die ARGE betreut. Hier droht eine Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit. "Wir können hier nicht tatenlos bleiben. Am wirkungsvollsten bekämpft man Langzeitarbeitslosigkeit, wenn man sie verhindert", so Welters weiter. Man müsse folglich mehr in die Prävention und nicht in den Reparaturbetrieb investieren, so der Kölner Agenturchef weiter. Erst vor wenigen Tagen hatte das Kommunale Bündnis für Arbeit das Thema Langzeitarbeitslosigkeit zu einem der Tätigkeitsschwerpunkte ernannt. Der Kölner Agenturchef warnte dabei nicht zum ersten Mal vor einer drohenden Verschärfung des Fachkräftemangels, wenn man bei Personalreduzierungen vor allem jüngere Arbeitskräfte aus den Betrieben entlässt, so Welters abschließend.
Der Kölner Arbeitsmarkt bewegte sich im Januar wieder parallel zur Entwicklung der Arbeitsmärkte im Land NRW und dem Bund. Noch im Vormonat konnte sich der Kölner Arbeitsmarkt erstmals seit langer Zeit wieder positiv vom Gesamttrend abheben. Mit einer Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent liegt die Stadt aber weiterhin deutlich über den offiziellen Quoten in NRW und auf Bundesebene. Die Zahl der Arbeitssuchenden, die sich in Kurzarbeit oder Qualifizierungsmaßnahmen befinden und somit die offizielle Arbeitslosenstatistik entlasten, ist im Januar weiter angestiegen. Die gesamten Entlastungseffekte beziffern die Kölner Arbeitsvermittler auf 11.462, knapp 2500 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich allerdings eine deutliche Steigerung von 5000 oder acht Prozent. Rund 67.000 erwerbsfähige gelten in Köln als "unterbeschäftigt".
Linktipp:
5. Januar 2010: Kölner Arbeitsmarkt mit rückläufigen Arbeitslosenzahlen.

























