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27. 05. 2012
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Kölner Ausbildungsmarkt zieht an


31.03.2010 14:55 von:

Schlagwörter: Köln,Ausbildungsmarkt,2010,Zwischenbilanz,Kurpan,Friedhofsgärtner,Florist,Angebo

Alle Jahre wieder stellt die Arbeitsagentur, gemeinsam mit den beiden Kammern IHK und Handwerkskammer, zum Frühjahr ihren Zwischenbericht zum Ausbildungsmarkt in der Region vor. Trotz der immer noch spürbaren Wirtschaftskrise zeigt sich dabei insbesondere in den zurückliegenden Wochen eine erfreuliche Belebung bei dem Angebot an Ausbildungsplätzen in Köln und Umgebung. Die zentrale Aussage der drei Verantwortlichen lautet dabei;: "Ausbildung lohnt sich". "Wir haben bei der dualen Ausbildung in diesem Jahr die Chance auf eine Trendwende. Die duale Ausbildung ist noch immer der Königsweg", betonte der Chef der Kölner Arbeitsagentur beim heutigen Pressegespräch. Allerdings bemerkte die Kölner Arbeitsagentur in den zurückliegenden Wochen und Monaten auch eine zunehmende Verunsicherung vieler Jugendlicher. "Die öffentliche Diskussion über die Krise ist bei den Jugendlichen angekommen", so Welters mit dem Hinweis auf die stark gestiegene Zahl von Ausbildungsberatungen in der Agentur. Die stieg im Zeitraum des bisherigen Ausbildungsjahres um 17,8 Prozent auf knapp über 4000 (Vorjahr: 3399). Die Beratungsgespräche geben der Agentur und ihren Beratern aber auch die Möglichkeit, den Jugendlichen eine solche Ausbildung näher zu bringen und offene Fragen zu beantworten. "Wir wollen den jungen Menschen Mut machen. Manchen Jugendlichen fehlt dieser Mut", so Welters weiter. Mit 4680 gemeldeten neuen Ausbildungsstellen liegt die Zahl ein halbes Jahr vor dem offiziellen Beginn des neuen Ausbildungsjahr sogar leicht über dem Niveau des Vorjahres (+ 23). Ein leicht positiver Trend sei demnach erkennbar. Allerdings könne man noch keine Aussage zur Entwicklung im Gesamtjahr treffen. Insgesamt aber hofft der Agenturchef auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Ausbildungsangeboten und Bewerberinnen und Bewerbern. Die Gesamtjahr der bei der Agentur gemeldeten Ausbildungsplätze lag zuletzt bei einem Wert zwischen 8000 und 9000, erläuterte der Kölner Chef der Arbeitsagentur.

Auch die Ausbildungsverantwortlichen der beiden Kammern schlossen sich dem Anliegen und der Einschätzung an. "Die Halbjahreszahlen sind ein zentrales Signal an Eltern und Schulabgänger", appellierte der für Aus- und Weiterbildung zuständige Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer IHK, Gregor Berghausen. Im Gegensatz zu den Zahlen der Arbeitsagentur verzeichnet die Kammer zum Halbjahr des Ausbildungsjahres erst 1879 Ausbildungsverträge im Kammerbezirk, davon rund 1020 im Kölner Stadtgebiet. Im Vorjahr verzeichnete der gesamte Kammerbezirk rund 10.000 Ausbildungsverträge. Daher sei es derzeit noch zu früh, eine Einschätzung für das Gesamtjahr zu geben. Und so nutzte Berghausen den heutigen Termin, noch einmal einen eindringlichen Appell an beide Seiten (Bewerber und Ausbildungsbetriebe) zu richten. "Nur wer aus den Sträuchern kommt, dem kann geholfen werden. Verdrücken ist nicht das Richtige", so Berghausen in Richtung Ausbildungsnachwuchs. Aber auch die Ausbildungsbetriebe müssten etwas tun. Das gilt insbesondere für diejenigen, die bereits jetzt über Schwierigkeiten bei der Akquise von geeigneten Azubis klagen. "Das geht nur über die Darstellung der Attraktivität des eigenen Gewerbes und eine Ausbildung auf Vorrat", empfahl der IHK-Geschäfftsführer. Der zu erwartende Einbruch der Schulabgänger wird nicht "mit einem großen Knall", sondern allmählich und skuzessive erfolgen. Immerhin zeigen die Zahlen der vergangenen Wochen, dass die gewerbliche Wirtschaft in diesem Frühjahr wieder optimistischer in die eigene Zukunft blickt. "Aufschwung geht nur mit Ausbildung", erklärte Berghausen die Belebung der Angebotsseite.

Deutlich positiver fällt die Zwischenbilanz der Kölner Handwerkskammer aus. Wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Peter Panzer in seinen Ausführungen erläuterte, verzeichnete das Handwerk seit dem 1. Oktober bereits jetzt 1476 neue Ausbildungsstellen, ein sattes Plus von 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Angesichts eines wahrscheinlichen Gesamtaufkommens von neuen Ausbildungsverträgen in einer Größenordnung von rund 5000 sei es aber auch hier noch zu früh für eindeutige Aussagen. Allerdings zeigen die aktuellen Zahlen noch ein uneinheitliches Bild. Während im Bergischen Land die Zunahme der neuen Ausbildungsverträge mit einem Plus von 38 Prozent geradezu boomt, liegt der Zuwachs im Kölner Stadtgebiet mit nur 1,9 Prozent deutlich darunter. "Wir haben derzeit noch in jedem der Berufsfelder noch freie Stellen", so Panzer weiter. Im gesamten Kammerbezirk (Köln, Bonn und Umgebung) ging allerdings die Zahl der gemeldeten offenen Ausbildungsstellen binnen eines Jahres um 22 Prozent auf 301 zurück. "Wir sind nicht unzufrieden", kommentierte Panzer die gesamte Stimmungslage. Und auch Agenturchef Welters gab sich auf dem heutigen Pressegespräch zuversichtlich. Den historischen Höchststand aus dem Jahr 2000 mit mehr als 10.000 registrierten Ausbildungsverträgen werde man zwar nicht erreichen. Aber ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage – wie in den beiden Vorjahren – ist durchaus realistisch.

Problemfall Warteschleife

Ein Problem stellt die nach wie vor hohe Anzahl von so genannten "Altbewerbern" dar; ein Begriff, den Agenturchef Peter Welters so gar nicht mag. Dabei handelt es sich um ausbildungssuchende Jugendliche und junge Erwachsene, deren letzter Schulabschluss bereits länger als ein Jahr zurückliegt. "Rund die Hälfte aller Suchenenden sind Schulabgänger aus früheren Jahrgängen", formulierte Welters die Problemlage. Nicht nur der Kölner Agentur stellt dabei ein verändertes Bildungsverhalten fest. Vor allem Hauptschulabgänger streben zunehmend an weiterführende Schulen wie die Berufskollegs. "Ob das tatsächlich eine Warteschleife ist, entscheidet sich erst im Nachhinein", ergänzte Berghausen. Tatsächlich gibt es nicht wenige Schüler, die dank eines weiteren Schuljahres tatsächlich einen höheren Schulabschluss schaffen und damit ihre Ausbildungschancen deutlich erhöhen. Für viele andere ist der Gang auf ein Berufskolleg aber auch der "bequemere Weg". Dabei bieten Kammern und Arbeitsagentur bereits jetzt eine ganze Palette von Maßnahmen an, die auch diese Gruppe für den Ausbildungsmarkt fit macht.

Kurpan – ein positives Beispiel

Als Paradebeispiel für einen vorbildlichen Ausbildungsbetrieb hatten sich die Organisatoren der heutigen Pressekonferenz den mittelständischen Gartenbau- und Floristikbetrieb Kurpan ausgesucht. Das 1907 gegründete und heute in vierter Generation geführte Familienunternehmen weist eine geradezu vorbildliche Ausbildungsquote auf. Bei rund 30 Angestellten befinden sich derzeit sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ausbildung. "Langfristig wollen wir die Zahl der Auszubildenden etwas reduzieren. Wir bilden derzeit über Bedarf aus", räumte Unternehmenschefin Birgit Dircks-Menten ein. Aber auch mit vier oder fünf Auszubildenden, wie es in den Vorjahren die Regel war, liegt die Ausbildungsquote weit jenseits der Zehn-Prozent-Marke. Zum Vergleich: Die Stadt Köln kämpft seit einigen Jahren, die geforderte Quote von sechs Prozent Ausbildungsstellen zu erreichen. Ein besonderer Fall ist dabei Dorothee Jandt. Die junge Mutter ist derzeit im ersten Ausbildungsjahr einer von ARGE und VHS geförderten Umschulungsmaßnahme. "Ich bin kein Typ für’s Büro. Außerdem wohne ich nicht weit von hier", so die angehende Friedhofsgärtnerin, die mit ihrer Initiativbewerbung beim Familienbetrieb offene Türen einrannte. Diesen Tipp – "Mut zur Eigeninitiative" – will Firmenchefin Dircks-Menten auch gerne anderen potenziellen Berufseinsteigern mit auf den Weg geben. Wer dabei einen positiven Eindruck hinterlässt, kann schon bald in einem der Geschäftsbereiche als Friedhofsgärtner oder Florist anfangen, ließ Dircks-Menten durchblicken.







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