27. 05. 2012
Seite drucken
Leitbild als Lippenbekenntnis? Mitarbeiter sind mehrheitlich skeptisch
Eine aktuelle Studie des Kölner Beratungs- und Marktgesellschaft Servicevalue zufolge wird das "Leitbild" eines Unternehmens von vielen Angestellten des eigenen Betriebs nicht wirklich ernstgenommen. In einer Umfrage haben die Kölner Marktforscher festgestellt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eher gelassen mit dem Versuch des normativen Managements und seiner in Leitbildern, Leitlinien, Corporate-Governance-Codices oder ähnlichen Konstrukten gefassten Wertvorstellungen umgehen. Rund ein Drittel der Führungskräfte und etwa die Hälfte aller Beschäftigten sich kaum oder gar nicht mit den Wertvorstellungen ihres Arbeitgebers identifizieren. Dem steht die Tatsache entgegen, dass kaum ein Unternehmen ab einer gewissen Betriebsgröße ohne einen solchen zur Werteorientierung der Mitarbeiter grundlegenden Verhaltenskodex auskommt. Fast erschreckend erscheint da die Feststellung, dass die Führungskräfte selbst nur wenig besser dastehen in Sachen Werteloyalisierung. Allerdings zeigen sich innerhalb der verschiedenen Branchen deutliche Unterschiede.
Wie Servicevalue weiter ermittelte, scheint die Skepsis einer normativen Unternehmensführung und ihrer Verankerung in der eigenen Belegschaft in der Finanzbranche besonders hoch zu sein. Das Kölner Unternehmen ermittelte einen einfach Indexwert zur Identifikation der Beschäftigten mit den Inhalten solcher Leitbilder, ausgehend von den erfragten Prozentzahlen. Demnach liegen die Branchen Energiewirtschaft (71,1 Prozent), Gastgewerbe (69,4 Prozent) und der Großhandel mit 68,5 Prozent "Identifikation mit Werten" in Prozent an der Spitze des Loyalitätsrankings. Unter den zwölf Wirtschaftszweigen wies die Branche der Finanzwirtschaft mit lediglich 57,4 Prozent den schlechtesten Wert aller untersuchten Wirtschaftszweige auf. Für die Analyse hatte der Kölner Unternehmensberater zuvor knapp 2000 Arbeitnehmer befragt und statistisch ausgewertet. Auch innerhalb einer Branche zwischen Führungskräften und Beschäftigten gab es bisweilen deutliche Unterschiede. Das beste Beispiel dafür war die Einzelhandelsbranche. Während die Identifizierung beim Führungspersonal mit 80 Prozent einen Spitzenwert erreicht, liegt die Identifikation bei den Beschäftigten mit lediglich rund 50 Prozent deutlich darunter.
Ein solches Phänomen ist der Energiewirtschaft und de Gastgewerbe weitgehend unbekannt. Hier gab es sowohl unter den Führungskräften als auch unter allen Beschäftigten konstant hohe Zustimmungswerte. "Zahllose Ausarbeitungen zu Führungsleitlinien und Unternehmenswerten finden ihren Platz im Bilderrahmen oder in der Schublade, aber nicht in den Köpfen der Mitarbeiter. Eine höhere Identifikation mit dem Arbeitgeber ist so nicht zu schaffen, im Gegenteil", so Nienke van der Veen, Beraterin bei der ServiceValue GmbH. Hier gilt ein Grundsatz, der sich am trefflichsten in einem Sprichwort zusammenfassen lässt: "Der Fisch stinkt vom Kopf her!". Immanuel Kant machte daraus sogar einen kategorischen Imperativ und doch lässt es sich auf einen ganz praktischen Nenner bringen. Der Chef, der die Leitlinien unternehmerischen Handelns vorgibt, muss selbst Vorbild sein. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht wirklich neu.


























