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27. 05. 2012
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Rote Ente kämpft für Mindestlohn


27.04.2010 15:21 von:

Schlagwörter: Köln,Gewerkschaft,Verdi,Mindestlohn,Niedriglohn,Teilzeit,Zeitungszusteller,Schle

(js) Eine rote "Kampfente" war das Maskottchen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, als sie am Dienstag Nachmittag auf dem Wiener Platz in Mülheim für die Einführung eines allgemeinen, existenzsichernden Mindestlohns warb. Warum ausgerechnet eine Ente? "Weil die gegen den Strom schwimmen kann", erklärte Kölns Verdi-Geschäftsführerin Christa Nottebaum. Und gegen den Strom, schwimmen heißt für die Gewerkschaft, aufklären über den deutschen Arbeitsalltag mit Niedriglöhnen, schlecht bezahlter Teilzeitarbeit und der Behinderung von Betriebsratswahlen. Ein gutes Dutzend Arbeitnehmer berichteten davon.

Zur Einführung nannte Nottebaum einige Zahlen: Danach ist heute bundesweit fast jeder fünfte versicherungspflichtige Job im Niedriglohnsektor angesiedelt. Jeder zweite Job ist befristet, mit zwei Dritteln liegt der öffentliche Dienst und der Sozialbereich weit über dem Durchschnitt. 6,5 Millionen Deutsche können nicht von ihrer Arbeit leben. Monatlich stockt der Staat mit 350 Millionen Euro Niedriglöhne auf das Existenzminimum auf und steigert damit auch die Gewinner der Arbeitgeber. In Köln waren davon im März 2009 – neuere Zahlen liegen nicht vor – 18.000 Menschen betroffen. "Wir fordern deshalb einen Mindestlohn von 8,50 Euro, der langsam auf 10 Euro steigen soll", erklärte Nottebaum.

Die Zeiten, als man als Zeitungszusteller von dieser Tätigkeit leben konnten, sind lange vorbei. "Früher habe ich 1.200 Mark netto verdient, heute komme ich vielleicht auf 420 Euro", sagte zum Beispiel Heike Strack. Schuld an dem Verdienstrückgang sind kleinere Zustellbezirke, geringere Bezahlung pro Stück. Hinzu kommen kommen regelmäßig lange, unbezahlte Wartezeiten, weil die Zeitungen verspätet aus der Druckerei zur Auslieferung kommen. "Zwar bekommen wir Kilometergeld, aber das reicht nicht und ist seit Jahren gleich geblieben", klagt ein anderer Zusteller, der täglich mit seinem Privatauto unterwegs ist. Seit 2003 habe es keine Lohnerhöhung mehr gegeben, im Gegenteil: im Vorjahr sei noch einmal um fast 7 Prozent gekürzt worden. Wer heute neu anfange, erhalte auch kein Weihnachts- und Urlaubsgeld mehr. "Ist das der ‚lukrative Nebenjob‘, für den Leute gesucht werden?", ist da wohl eher eine rhetorische Frage.

Wenn er Miete, Krankenkasse und Rentenversicherung bezahlt hat, bleiben Claus Grenzer 350 Euro zum Leben. Er arbeitet nachts als Entlader beim Logistikunternehmen DHL. Er wird zwar nach Tarif bezahlt, arbeitet aber nur Teilzeit mit 20 Stunden in der Woche, ausschließlich nachts. Mehr wird nicht bewilligt. "Wie soll das in 20 Jahren mal mit meiner Rente aussehen?", fragt der 49-Jährige und wirft der Bundesregierung, die stolz auf den Anstieg der Teilzeitjobs verweist, vor, vor diesem Problem die Augen zu verschließen.

Zunehmender Arbeitsdruck, die Forderung der Arbeitgeber nach unbezahlten Überstunden und Lohnsenkungen ermutigen immer mehr Arbeitnehmer, einen Betriebsrat zu gründen. In Köln versuchen aktuell Schlecker und TNT, dies zum Teil mit gesetzwidrigen Maßnahmen zu verhindern, so eine Gewerkschaftssekretärin. Zum Schluss der Veranstaltung forderte Kölns Verdi-Vorsitzender Peter Densborn eine künftige Landesregierung auf, das Tarifvergabegesetz wieder einzuführen. Es verpflichtet die öffentliche Hand, Aufträge nur an solche Firmen zu vergeben, die sich an Tarifverträge halten. Die derzeitige CDU/FDP- Landesregierung hatte es abgeschafft.







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