27. 05. 2012
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Soziale Marktwirtschaft in der Praxis
(is) "Wir leben nur von der Schnelligkeit. Ohne die hätten uns die Chinesen längst platt gemacht", verriet Dr. Thomas Kiepe den circa 20 Schülern der Klasse 11 des Berufskollegs Südstadt. Der Rodenkirchener Unternehmer hatte im Rahmen der IHK-Veranstaltungsreihe "Wirtschaftsexperten an Schulen" bereits zum dritten Mal in seine Firma, die KHK GmbH, eingeladen. Dabei lernten die Schüler anschaulich, wie flexibel und innovativ mittelständische Unternehmen am Markt agieren können. Die Grundlage dafür bildete zunächst eine Powerpoint-Präsentation. Durchgeführt wurde sie außer vom Firmenchef selbst auch von dem Praktikanten Giusepe D’Auria, der im vergangenen Jahr noch einer der Schüler war, die das Unternehmen besuchten. Seine Begeisterung mündet nun in einem dreiwöchigen Betriebspraktikum.
Beginnend mit einem Besuch in Verwaltung und Grafik lernten die Schüler danach das im Jahr 1991 in Köln gegründete Unternehmen bei einem Betriebsrundgang kennen. In der Grafik wurde ihnen gezeigt, wie Labels für die Kosmetikprodukte, die insbesondere aus Lippenpflege und Handdesinfektionsmitteln bestehen, entworfen werden. Neben der individuellen Bedruckung der Produkte für die Werbeartikelbranche und den Einzelhandel bietet der Private-Label-Hersteller zudem Lohnabfüllungen und zusätzliche Dienstleistungen für Kosmetikproduzenten an. An der nächsten Station wurden die Schüler in die verschiedenen Druckverfahren eingeführt, mit denen die ebenfalls dort produzierten Kunststoffhülsen für die Produkte je nach Einsatzbereich und Kundenwunsch bedruckt werden. Hier lernten die Schüler auch etwas über die Entwicklung von Prototypen, bei der eine 3D-Zeichnung umgesetzt und Schicht für Schicht mit einem Spezialpulver aufgebaut wird, so dass ein dreidimensionaler Gegenstand entsteht. Die Rapid-Prototyping-Anlage wurde zuletzt für die neue Teelichtkette "CandleChain" eingesetzt. Grundlage für diese Innovation bildete laut Kiepe ein Papp-Modell.
Für den Besuch in der Abfüllung mussten die Schüler sich Hauben aufsetzen, um den Hygieneansprüchen gerecht zu werden. Hier konnten sie beobachten, wie die 82 Grad heiße Kosmetikmasse in die Hülsen abgefüllt wurde, bevor der Rundgang durch Lager und Versand abgeschlossen wurde. Bei dem darauf folgenden Vortrag über die verschiedenen Wirtschaftssysteme und die Bedeutung der Sozialen Marktwirtschaft stellte der Firmenchef die Vorzüge von Familienunternehmen hervor, die sich, wie seins durch hohe Flexibilität und Innovationskraft sowie individuelle Förderung der Mitarbeiter auszeichnen. "Wenn die Menschen von Wirtschaft sprechen, denken sie in der Regel an die DAX-Konzerne. Die tragenden Säulen der Sozialen Marktwirtschaft sind für mich aber die mittelständischen Familienunternehmen", erzählte Kiepe von den 41 Prozent aller Unternehmensumsätze, die in diesem Bereich erwirtschaftet werden.
Ein Plädoyer für die Soziale Marktwirtschaft ist die Zielsetzung der im März 2009 gestarteten Veranstaltungsreihe der IHK. Als Gestalter und Botschafter sollen Unternehmer das theoretische Wissen der Schüler praktisch untermauern. Während diese zunächst die Schulen aufsuchten, war es der KHK-Chef, der den Spieß als erstes umdrehte und den Schülern damit den persönlichen Einblick in seinen Betrieb ermöglicht.

























