22. 02. 2012
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Übergangsmanagenent Schule-Beruf: „Ausländerkinder“ holen auf
Es gehört zu den viel zitierten Weisheiten der Integrationskritiker, dass junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wesentlich schlechter den Übergang in eine Ausbildung oder einen Beruf hinbekommen als der Nachwuchs der Mehrheitsgesellschaft. In dieser Woche legte die Kölner Verwaltung neue Zahlen vor, die einen gegenteiligen Trend zeigen. Immer mehr Jugendliche aus Familien mit ausländisch klingenden Namen finden eine Ausbildung, die Zahl der Absolventen höherer Bildungsabschlüsse steigt deutlich stärker als die der deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Allerdings gibt es weiterhin einen deutlichen Abstand zwischen den beiden Gruppen, wie die Verantwortlichen in der gestrigen Sitzung des Ausschusses Soziales und Senioren betonten. Bereits im Integrationsrat wurden die Zahlen zur Kenntnis genommen. Der Trend ist dabei nicht nur aus integrationspolitischer Perspektive erfreulich.
2005 -2010: Absolventensituation verbessert sich
Herbert Asselborn, Mitarbeiter beim Kölner Amt für Stadtentwicklung und Statistik, präsentierte den beiden Ausschüssen in dieser Woche gleich zwei Mal Statstiken, die einen steigenden Trend bei den Absolventen der allgemeinen Hochschulreife dokumentieren. So stieg die Zahl der Abiturienten mit ausländischer Staatsangehörigkeit im genannten Zeitraum um 20,2 Prozent, während die Zahl der deutschen Jugendlichen nur um 13,3 Prozent stieg. Noch deutlicher wird der Unterschied bei den Absolventen des Realschulabschlusses. Hier stieg die Zahl ausländischer Jugendlicher um 6,6 Prozent an, während die Zahl bei den Deutschen um 4,1 Prozent zurückging. Ohne Hauptschulabschluss blieben 2010 29,4 Prozent weniger „Ausländer“ als 2005, bei den Deutschen betrug der Rückgang dieser Gruppe ohne Abschluss 23,8 Prozent.
Auch in der (kleiner werdenden) Gruppe von deutschen und ausländischen Hauptschulabsolventen passen sich die beiden Kurven einander an. So kam rund die Häfte der deutschen Hauptschulabgänger mit Abschluss in einer dualen Ausbildung unter, der Rest fand sich im „Schulberufssystem“ oder (fast 50 Prozent) im so genannten „Übergangssystem“ wieder. Bis zum Jahr 2010 stieg der Anteil der „Lehrlinge“ auf rund 60 Prozent. Bei den „Ausländern“ war die Situation im Jahr 2005 deutlich brisanter. Lediglich ein Viertel der „ausländischen“ Hauptschulabsolventen schafften den Sprung in die duale Ausbildung. Fast 75 Prozent gingen ins „Übermanagement“ Bis 2010 stieg die Zahl der Absolventen eines Hauptschulabschlusses unter den „Ausländern“ auf rund 45 Prozent an. Nur noch etwas mehr als die Hälfte landen im so genannten „Übergangssystem“. Die Werbemaßnahmen der Kammern und der beginnende, demografische Wandel scheinen sich hier positiv auszuwirken.
„Die Voraussetzung für erfolgreiche Integration in den ersten Arbeitsmarkt ist gesetzt“, interpretierte Asselborn vom Amt für Statistik und Stadtentwicklung die wichtigste Erkenntnis dieser Statistik. Allerdings ist das Phänomen der so genannten „Warteschleife“ trotz der Verbesserungen weit verbreitet. „Es gibt ganze Schulklassen, die nach einem Abschluss im mittleren Bildungssegment klassenweise in die Berufskollegs wechseln“, bestätigte Roswitha Stock, Chefin der Kölner Arbeitsagentur, die Problematik. Hier müsse das so genannte Übergangsmanagement, das seit inzwischen zwei Jahren mit einem eigenen Büro im Mediapark und als Gemeinschaftseinrichtung von Stadt und Arbeitsagentur genau diese Thematik bearbeitet, ansetzen, so Stock weiter. Allerdings wisse man aus der Praxis, dass gerade Kinder aus Zuwandererfamilien immer noch eine „Benachteiligung“ haben, zumindest im Bereich der Hauptschulabsolventen, wie die Stadtverwaltung auf ihrer Präsentationsfolie schreibt.
Politische Diskussion – Nur ein Mitglied zeigte kein Wohlwollen
In der anschließenden politischen Diskussion nahm die überwiegende Mehrheit der Kommunalpolitiker mit Wohlwollen zur Kenntnis, dass sich die Abstände zwischen „Ausländern“ und „Deutschen“ beim Übergang von Schule ins Berufsleben zwischen 2005 und 2010 deutlich verringert haben. Immer mehr Jugendliche, die nicht den deutschen Pass haben, bekommen eine Ausbildungsstelle oder ergreifen andere berufliche Perspektiven. Britta Hollmann, beratendes Mitglied im Ausschuss auf Vorschlag der Grünen, sieht allerdings andere Gründe für diese Diskrepanz. „Viele Kinder fühlen sich nicht als Migranten. Das Problem ist nich der Migrationshintergrund, das Problem sind die Eltern, zumal wenn sie selbst nicht über eine gute Bildung verfügen“, erklärte Hollmann. Neben den Eltern gibt es noch einige andere, so genannte „Schlüsselfaktoren“ Hier wird der Aspekt „Zwei- oder auch Mehrsprachigkeit“ als potenzieller Erfolgsfaktor genannt. Auch das Abschlusszeugnis, die Entwicklung persönlicher Kompetenzen, gute Deutschkenntnisse und nicht zuletzt die familiäre Unterstützung erhöhen die Chancen für einen erfolgreichen Übergang ins Berufsleben.
Die vorgelegten Zahlen sind jedoch statistisch nicht besonders valide. So greifen die Behörden bei den Arbeitsmarkt- und Übergangszahlen auf die amtlichen Statistiken zurück. Die aber unterscheiden nur nach Staatsangehörigkeit, nicht nach Migrationshintergrund, wie Grünen-Ratsherr Ossi Helling einwandte. Insofern werden nicht wirklich alle „Migranten“ erfasst. Die Stadt arbeite ungeachtet dieser statistischen Schwäche an einer Strategie, die Ghettobildung und damit die Konzentration bildungsferner Schichten in bestimmten Stadtteilen abzufedern. Einst hatte Rekers Amtsvorgängerin Marlis Bredehorst ein solches Handlungskonzeot angeregt. „Die Praxis der umsetzung wird weitergeführt“, versicherte die Sozialdezernentin auf eine entsprechende Anfrage. Lediglich Regina Wilden von der als rechtsextrem eingestuften Formation „pro Köln“ sah das völlig anders. „Eine Bildungsbenachteiligung kann ich nicht nachvollziehen. Warum wird es immer noch schlimmer?“, echauffierte sich Wilden. Dass der Trend genau in die andere Richtung geht, scheint den Angehörigen der selbsternannten „Bürgerbewegung“ offenbar nicht zu passen.
Den kompletten Bericht „Ausbildungsmonitoring 2010“ finden sie auch als Download im Internet unter: www.stadt-koeln.de.



























