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27. 05. 2012
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Unterschiedliche Ansichten zur Situation älterer Arbeitslose


25.08.2011 05:05 von:

Schlagwörter: Köln,Wirtschaft,IW,Bundesregierung,Arbeitslose,älter,Statistik,Gewinner,SWF

"Alt, arm, arbeitslos". Trotz diverser Kampagnen, die Generation "50+" wieder verstärkt für den Arbeitsmarkt zu gewinnen, bleiben viele Frauen und Männer in diesem Alter arbeitslos. Bei vielen verfestigt sich die persönliche Lebenssituation, eine Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt scheitert häufig, das Problem ist vielschichtig. Immer noch herrscht in vielen Unternehmen eine Art Jugendwahn. Obwohl ältere Arbeitslose in der Regel über viel Lebens- und nicht selten genau so viel Berufserfahrung verfügen, scheuen immer noch viele Unternehmen die Einstellung solcher Personen. Selbst die demografische Entwicklung hat – bis auf wenige Beispiele – nicht wirklich viel geändert, kritisieren Skeptiker, die den offiziellen Zahlen nicht wirklich Glauben schenken wollen. Trotz dieser weiterhin spürbaren Hemmnisse hat sich nach Meinung der zuständigen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Situation dieser Gruppe deutlich verbessert.

Als Beweis führt die Ministerin die offizielle Statistik an. Die Quote der Arbeitslosen unter den Erwerbsfähigen über 54 habe sich innerhalb eines Jahres von 8,6 auf 8,3 Prozent verringert. Ins gleiche Horn stieß auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft. Hier gab man sich noch euphorischer. Die Lage habe sich "erheblich verbessert". In zehn Jahren sei die Zahl der älteren Arbeitslosen sogar von 840.000 auf 530.000 zurückgegangen. Gemeint ist die Gruppe der Über 54-Jährigen. Ministerin und IW räumten zwar ein, dass die Zahl der älteren Arbeitslosen in den vergangenen zwölf Monaten wieder anstieg, das aber liege an der Zahl der Menschen in dieser Altersklasse insgesamt, so das Argument der einen Seite.

Studien belegen das Gegenteil

In seiner heutigen Ausgabe präsentiert der Südwestfunk SWF die Gegenseite und die zeichnet ein gänzlich anderes Bild der Lage. In der heutigen Sendung der Serie "ARD-exklusiv" mit dem Untertitel "Alt, arm, arbeitslos - immer mehr Ältere rutschen ab" hat sich die Redaktion des Verbrauchermagazins "Report Mainz" mit der Kehrseite der offiziellen Statistiken beschäftigt. Das Urteil könnte gegensätzlicher kaum ausfallen. Die Redakteure beziehen sich dabei auf zwei bisher unveröffentlichte Studien des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen sowie des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Demnach haben sich die Jobchancen nicht verbessert. "Der Abstand zwischen Älteren und Jüngeren hat sich praktisch nicht verändert", fasste Professor Matthias Knuth vom IAQ die Ergebnisse seiner Recherchen zusammen. So habe sich die Zahl der Älteren, die nach Arbeitslosigkeit den Weg zurück ins Berufsleben finden, zwar absolut erhöht. Das aber liege an der Zahl der älteren Arbeitssuchenden.

Auch das IAB der Bundesagentur für Arbeit kommt zu einem ähnlichen Ergebnis und scheint der Aussage der Bundesministerin und des IW zu widersprechen. Zwar räumen die Autoren dieser Studie ein, dass sich die Beschäftigungslage der Älteren "stabilisiert" habe, von einer Verbesserung aber sei man eher entfernt. Die Chance, mit mehr als 50 Jahren einen neuen Job zu finden, ist mehr als halb so groß wie die bei 20- bis 49-Jährigen, fanden die IAB-Forscher heraus. "Werden ältere Arbeitnehmer arbeitslos, haben sie nur geringe Chancen auf einen neuen Job", steht dort nach Angaben der SWF-Redakteure geschrieben. Die Recherchen des SWF ergaben noch eine andere Entwicklung. Insgesamt, so ermittelten die Recherchen aus den öffentlichen Statistiken, werden 850.000 Personen aus dieser Altersgruppe gar nicht mitgezählt. Der Großteil dieser Nicht-Gezählten befindet sich demnach in Qualifizierungs- oder anderen Maßnahmen oder sie gehen gar einer selbständigen Arbeit nach, mit allen Risiken und Unkosten. Eine Viertel Million Menschen dieser Altersklasse befinden sich im Vorruhestand. Die Zahlen stammen aus der Mai-Statistik, wie der SWF weiter ausführte. Ein weiteres statistisches Schlupfloch sei die so genannte "neue 58er-Regelung". Arbeitslose in diesem Alter fallen automatisch aus der offiziellen Statistik heraus, wenn sie über einen Zeitraum von einem Jahr nicht offiziell beschäftigt wurden. Die Zahl derer, die unter diese Regelung fallen, habe sich innerhalb von nur einem Jahr auf 90.000 vervierfacht. Außerdem sind nach Informationen der Autoren Arbeitslose über 50 durchschnittlich vier Jahre arbeitslos. Wenn sie danach wieder eine Stelle aufnehmen, verdienen sie im Durchschnitt nur noch 1400 Euro, meldete der SWF vor Ausstrahlung der Sendung.

Bei der Bundesarbeitsministerin klingt das auf den ersten Blick jedoch anders. Die Älteren seien die "Gewinner" am Arbeitsmarkt, ließ die CDU-Politikerin die Öffentlichkeit wissen. Auf die beiden Studien angesprochen räumte die Ministerin immerhin ein, dass die Entwicklung "erst am Anfang stehe". Immerhin nutzte sie die kritischen Sichtweise auf die Situation älterer Arbeitslose zu einem Appell. Man solle diese Zielgruppe nicht schlechtreden. "Wir sollten nicht immer nur die Älteren schlechtreden, darüber reden, was sie nicht können und dass sie keine Chancen haben", entgegnete die Ministerin den Fragestellern des SWF abschließend.







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