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27. 05. 2012
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Ursula von der Leyen macht sich für eine Frauenquote stark


16.06.2011 20:23 von:

Schlagwörter: Köln,Triangle,Ursua von der Leyen,Bundesarbeitsministerin,Frauenförderung,Frauen

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war am gestrigen Mittwoch zu Gast in der Domstadt. Sie sprach auf einer Veranstaltung der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), des Handelsblatts und des in Köln ansässigen Global Place To Work-Institute zu den mehr als 200 anwesenden Gästen. Angesichts des demografischen Wandels und der damit verbundenen Welle des bevorstehenden Fachkräftemangels droht Deutschland ein gravierendes Problem. Im internationalen Vergleich sind längst andere Nationen und Arbeitsmärkte in Sachen Geschlechtergerechtigkeit an den Deutschen vorbeigezogen. Bundesministerin von der Leyen nannte als Beispiel Norwegen. Nachdem dort die Frauenquote eingeführt wurde, erhöhte sich der Anteil weiblicher Führungskräfte in den Unternehmen des Landes von sechs auf inzwischen 44 Prozent. Längst haben auch andere Ländern mit entsprechenden verbindlichen Richtlinien des Gesetzgebers nachgelegt. Nur in Deutschland zögern die Verantwortlichen weiterhin mit der Einführung solcher Maßnahmen.

Ökonomischer Erfolg gemischter Führungsteams

So wirkte der Titel "Frauen in Führungspositionen – Chancen nutzen" fast ein wenig wie ein letzter verzweifelter Appell an die Wirtschaft, endlich mit dem Thema Chancengleichheit ernst zu machen. Von der Leyen selbst wandelte sich angesichts der zurückhaltenden Entwicklung inzwischen zu einer Befürworterin einer gesetzlich festgeschriebenen Quote von 30 Prozent weiblicher Führungskräfte. "Da bleiben immer noch 70 Prozent für Männer", so die siebenfache Mutter und CDU-Politikerin. Dabei ist die Debatte alles andere als neu. Noch vor zehn Jahren stand die Nation in Sachen Frauenförderung "kurz vor dem Durchbruch", erinnerte sich von der Leyen. Doch seither hat sich an den Rekrutierungsritualen in den großen und mittelgroßen Betrieben in Sachen erste und zweite Führungsebene sehr wenig geändert. Gerade einmal sechs Frauen sind in den Vorständen der größten börsennotierten Aktiengesellschaften durch die "gläserne Decke" gekommen. Unter den 330 wichtigsten börsennotierten Aktiengesellschaften sind es derer bereits 28, allerdings von 1046. Das entspricht einer Quote von 2,7 Prozent. Deutlich besser sieh t es bei den Aufsichtsräten aus, hier erreichen Frauen in den Kontrollgremien der 33 wichtigsten AGs immerhin auf 9,1 Prozent oder 213 von 2344.

In ihrer Bestandsaufnahme und Analyse ging das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) noch weiter. Wie die Forscher um Dr. Hagen Lindstädt weiter herausfanden, hat sich damit der Frauenanteil in den Vorstandsgremien der 330 führenden AGs um gerade einmal 0,4, in den Aufsichtsräten um immerhin 1,6 Prozentpunkte erhöht. Gut aber geht anders. "Der Befund ist insgesamt wenig schmeichelhaft", bringt es Lindstädt auf den Punkt. Dabei gibt es immer mehr positive Beispiele, nicht nur in den Forscherstuben. Auch auf der gestrigen Veranstaltung kamen nicht wenige Frauen, die es bereits in die Führungsebene geschafft haben. Brigitte Hirl-Höfer aus der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland oder Dr. Marion Helmes, Finanzvorstand der Q-Cells AG sind zwar nur wenige Beispiele, die aber machen Mut. Und auch hier zeigt sich, dass gemischte Führungsteams von Männern und Frauen für das Unternehmen sogar zu einem "Gewinn" werden. Wie die Forscher des KIT herausfanden, haben Unternehmen mit einer Frau im Vorstand eine um sieben Prozentpunkte höhere Eigenkapitalrendite und eine um sechs Prozentpunkte höhere EBIT-Marge. Diese Zahlen stammen aus einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft McKinsey, an der 231 Unternehmen aus zehn verschiedenen Ländern und verschiedenen Branchen teilnahmen.

"Unter den 27 Gewinnern des zurückliegenden Wettbewerbs des Kölner Great Place To Work-Institutes lag der durchschnittliche Frauenanteil im Management bei 15 Prozent", erklärte Frank Hauser, Geschäftsführer des Kölner Unternehmens. Auch der Kooperationspartner Handelsblatt ist sich sicher, dass Frauen in Führungspositionen keinesfalls ein Manko sind. "Wir sind da Vorbild: Unsere Geschäftsführung besteht aus einem Mann und einer Frau", erklärte der stellvertretende Chefredakteur des Handelsblatts, Hermann-Josef Knipper. In Kürze wird die Wirtschaftszeitung aus Düsseldorf eine zehnteilige Serie zum Thema Frauenförderung starten, erste Interviewpartnerin ist Arbeitsministerin von der Leyen selbst. Die unterstrich ihre Forderung nach mehr Frauenförderung auch mit Blick auf die Europäische Union. Hier will die zuständige EU-Kommissarin Viviance Reding noch bis Frühjahr kommenden Jahres abwarten. Von den in Brüssel diskutierten Zielvorgaben ist Deutschland allerdings gefühlte Lichtjahre entfernt. Bis 2015 sollen 30 Prozent des Führungspersonals in Unternehmen weiblichen Geschlechts sein, fünf Jahre später bereits 40 Prozent. Nur zum Vergleich: In Deutschland erreichen Unternehmen mit 10.000 bis 50.000 Beschäftigten den höchsten Anteil von weiblichen Führungskräften. Und der liegt bei gerade mal 4,4 Prozent. Bei mittelständischen Unternehmen zwischen 100 und 500 Beschäftigten sieht es mit 1,9 Prozent Frauenanteil noch bescheidener aus. So ist das Ziel nicht nur der CDU-Politikerin klar formuliert. "Wir wollen Aufmerksamkeit schaffen. Der aktuelle Zustand ist schlicht blamabel. Wenn wir weiter warten, werden wir abgehängt", so der Appell der Ministerin.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Initiativen finden sie auch auf der Kampagnen-Internetseite: www.frauen-fuehrung.de.







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