27. 05. 2012
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Warnstreik bei Kölner Tageszeitungen
(ehu) Die Freitagausgaben von Kölner Stadt-Anzeiger, Express und Kölnischer Rundschau fallen morgen dünner aus als geplant: 130 Redakteure, Pauschalsten und freie Mitarbeiter traten am heutigen Donnerstag in einen Warnstreik. Er dauerte von 6 Uhr morgens bis Mitternacht. "In einigen Redaktionen saß nur noch die Sekretärin", berichtete ein Streikender. Dazu aufgerufen hatten die beiden Journalisten-Gewerkschaften dju (deutsche journalisten-union in Verdi) und DJV (Deutscher Journalisten-Verband). Der Protest richtete sich gegen das Verleger-Angebot in den laufenden Tarifverhandlungen.
Die Gewerkschaften wollen vier Prozent mehr Gehalt für die festangestellten und ebenso viel mehr Honorar für die freien Journalisten. Die Verleger legten einen komplett neuen Tarifvertrag vor: 25 Prozent weniger Gehalt, weniger Urlaubstage, weniger Urlaubsgeld, höhere Wochenarbeitszeit (40 statt 36 Stunden) sowie nur noch 2,5 statt wie bisher fünf Prozent Zuzahlung beim Presseversorgungswerk, der Altersversicherung für Journalisten.
Ein Arbeitsplatzwechsel kann leicht 900 Euro im Monat kosten
Dieser Tarifvertrag soll nicht nur für Berufseinsteiger gelten, sondern auch bei einem Arbeitsplatzwechsel. Für einen Redakteur mit sechs Jahren Berufserfahrung, so rechnete ein Gewerkschaftsvertreter vor, bedeute dies 900 Euro weniger Gehalt, wenn er bei einer anderen Zeitung "neu" anfange. Zuletzt hatten die Tarifparteien am 4. Mai in Dortmund verhandelt, sich dann aber ohne Termin vertagt.
Zu den Tarifverhandlungen 2006 hatte es in Köln kaum Aktionen der Arbeitnehmer gegeben, der letzte größere Streik war 1996. In den 1980er Jahren gab es immer wieder lange Streiks in Köln, sie hatten Symbolcharakter, weil Alfred Neven DuMont, Besitzer von Stadt-Anzeiger und Express, damals Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) war.
Gewerkschaftsfunktionäre sind von der Streikbereitschaft überrascht
Mit der aktuellen Streikbereitschaft hatten die Gewerkschaftsfunktionäre nicht gerechnet. "Beeindruckend", freute sich Verdi-Fachsekretärin Jutta Klebon. "Die Wut in den Redaktionen wächst, der Berufsstand des Journalismus ist bedroht", sagte DJV-Landesvorsitzender Helmut Dahlmann. "Wenn unsere Arbeit nicht mehr geschätzt wird, ist der Qualitätsjournalismus bald am Ende." Und Verdi-Fachsekretärin Jutta Klebon ergänzte: "Mit den letzten Tarifabschlüssen, die alle unter der Inflationsrate lagen, haben wir genug zur finanziellen Gesundung der Verlage beigetragen."

























