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27. 05. 2012
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Wirtschafts-Aufschwung geht an vielen vorbei


15.12.2010 09:17 von:

Schlagwörter: Köln,KALZ,arbeitslos,Aufschwung,alleinerziehend,Jobwunder,Arbeitsagentur,Mobbing

(js) Ob Politiker oder Ökonomen – fast alle reden von wirtschaftlichem Wachstum und Aufschwung in Deutschland nach der globalen Finanzkrise. "Die leben wohl in einer Parallelgesellschaft", hält Bernd Mombauer von der KALZ-Geschäftsführung dagegen. "Bei vielen kommt dieses sogenannte Jobwunder nicht an"‚ sagt der Mitarbeiter des Kölner Arbeitslosen-Zentrums und verweist auf den ungebrochenen Ansturm zu den Beratungen. Und viele müssen ohne Hilfe wieder nach Hause.

"Unsere personelle Kapazität reicht seit Jahren für etwa 2.000 Beratungen im Jahr", beschreibt er die Situation. "Wenn wir montags Morgen per Telefon die freien Beratungstermine für die Woche vergeben, müssen wir nach einer Viertelstunde sagen: Alles weg." Nicht geringer ist der Andrang im DGB-Haus gegenüber dem Westbahnhof, wo das KALZ seine Büros hat, am Mittwoch. Dann wird die "offene" Beratung mit Terminen am selben Tag angeboten. "Um neun Uhr öffnen wir, oft stehen die ersten schon um sechs vor der Tür. Da müssen wir dann viele enttäuschen."

Mobbing und Resignation

Angst vor der Zukunft, Resignation, Perspektivlosigkeit, Krankheiten, unzureichende Kinderbetreuung für Alleinerziehende – nur einige der Punkte, mit denen sich die KALZ-Mitarbeiter regelmäßig beschäftigen müssen. Verursacht werden sie unter anderem durch längere Arbeitslosigkeit, nicht-existenzsichernde Entlohnung, befristete Arbeitsverträge, Mobbing oder fehlende Ausbildung. Bei Leiharbeitsfirmen sei verstärkt die Vernachlässigung von Arbeitsschutzbestimmungen zu beobachten. Und was den Arbeitsmarkt für Menschen über 60 betrifft: "Die Älteren haben größte Schwierigkeiten, einen Job zu bekommen. Allem Schönreden zum Trotz haben hier nur wenige Arbeitgeber ihre Haltung geändert."

Unzufrieden ist Mombauer auch mit den Neuregelungen beim Arbeitslosengeld: "Da wurde zu viel ins Ermessen der Sachbearbeiter gestellt. Es gibt weniger klare Rechtsansprüche." Desweiteren dauere es oft zu lange, bis Anträge bearbeitet werden. Grundsätzlich bricht er aber eine Lanze für die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen: "Sie arbeiten selber oft nur mit Zeitverträgen, laufende kommen neue Vorschriften." Viele müssten 400-600 "Kunden" betreuen, angekündigt sei einmal eine Obergrenze von 150 gewesen.

Land vrspricht Unterstützung

Zwar soll es im kommenden Jahr erstmals wieder Gelder vom Land geben, die finanzielle Lage des KALZ bleibt weiter angespannt, von einer Anpassung des Beratungsangebots an die tatsächliche Nachfrage kann nur geträumt werden. Der Jahresetat beträgt derzeit rund 107.000 Euro. 57.000 kommen nächstes Jahr voraussichtlich vom Land, die verbleibenden 50.000 werden aus dem "Raum der Evangelischen Kirche" finanziert. "Diese Eigenmittel werden letztlich durch Spenden aufgebracht", fasst Mombauer die kirchliche Unterstützung zusammen.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft BLZ 370 205 00, Konto-Nr. 80 24 300







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