27. 05. 2012
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TÜV Rheinland knöpft sich die Finanzbranche vor
Der Kölner Prüfkonzern TÜV Rheinland AG beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit mit der Qualität von Beratungen im Finanzdienstleistungsgewerbe. Das dient natürlich auch dem eigenen Geschäftserfolg, denn der Prüfkonzern verdient mit seinen Prüfsiegeln "Zertifizierte Beratungsqualität" und "Zertifizierte Servicequalität" gutes Geld. Wie notwendig allerdings eine bankenunabhängige Prüfung von Beratungsqualität sein kann, zeigen die Spätfolgen der zurückliegenden Finanz- und Wirtschaftskrise. Insbesondere die weltweit aktiven Bankhäuser verloren den Nimbus des seriösen Gewerbes. Spätestens seit mit dem US-Investmenthaus Lehman Brothers ein wichtiger "player" aus dem so wichtigen Interbankenhandel herausbrach und Hunderttausende Anleger – auch in Deutschland – bisweilen ihre gesamten in danach wertlosen Zertifikaten investierten Papiere verloren, ist das Vertrauen in das ehemals so ehrbare Geschäft des Handels mit Geldanlagen und der Vergabe von Krediten (in den Unternehmenszahlen die Provisions- und Zinsüberschüsse) hin.
Dem will der Kölner Prüfkonzern mit einem umfangreichen Zertifizierungs- und Auditprozess entgegen treten. Verschiedene Studien belegen, dass es signifikante Mängel gibt", sieht TÜV-Experte Volker Arzbach, stellvertretender Branchenleiter Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister bei TÜV Rheinland, den Bedarf. Unter dem Vertrauensverlust leiden auch die Institute, die auch in der Krise seriös gewirtschaftet und damit die Krise vergleichsweise gut überstanden haben. Einem großen Bankentest der Zeitschrift Finanztest im Sommer vergangenen Jahres zufolge scheint die Finanzbranche allerdings nicht wirklich gelernt zu haben, wie die Kölner Prüfer schlussfolgern. Tatsächlich fielen im Sommer 2010 viele der geprüften Banken durch. Zu oft entsprachen die empfohlenen Produkte nicht Anlagezielen und Risikopräferenz der Kunden. So ist ein Anlageberater eigentlich verpflichtet, den Kunden zu Beginn des Gesprächs nach seinen persönlichen und finanziellen Verhältnissen zu fragen, sein Vorwissen in finanziellen Belangen zu ermitteln und festzustellen, welche Anlageziele er hat. Diese Grundvoraussetzung für eine qualifizierte Beratung erfüllten einzelne Anbieter nicht, so die Erkenntnis dieses Tests.
Genau darauf aber sollte der mündige Bankkunde bestehen, empfehlen die TÜV-Experten. Gleiches gilt für das Beratungsprotokoll, das bei einer Beratung zum Thema Wertpapieranlage gesetzlich vorgeschrieben ist. "Solche Mängel können den Kunden unter Umständen viel Geld kosten, und sie untergraben das Vertrauen in die Branche insgesamt. Letztlich schneiden sich die Unternehmen ins eigene Fleisch, da Kunden auch von eigentlich hochwertigen Produkten Abstand nehmen", so Arzbach. Die freiwilligen Siegel des Kölner Prüfunternehmens sollen dabei eben diese Standards sicherstellen und so die "guten" von den "schlechten" Banken unterscheiden helfen. Maßstab ist dabei ein idealtypischer systematischer Beratungs- und Serviceprozess, dessen Kriterien das Unternehmen in Anlehnung an gesetzliche Vorgaben und branchenspezifische Anforderungen entwickelt hat. "Am Ende unserer Prüfung wissen wir, ob ein Unternehmen die organisatorischen Voraussetzungen hat, die ein gleichbleibend hohes Beratungsniveau sicherstellen, und ob der einzelne Berater fachlich geeignet und motiviert ist, dies im Beratungsgespräch auch umzusetzen", warb der TÜV Rheinland-Experte abschließend.

























