27. 05. 2012
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Dr. Otto Wolff von Amerongen ist tot
Bereits in Kriegszeiten übernahm der Sohn eines
Eisenhändlers den Familienbetrieb und baute ihn in der Nachkriegszeit
zu einem der größten Stahl- und Stahlhandelsunternehmen aus. 1990
veräußerte die Familie den Betrieb an die damalige Thyssen AG. Doch
sein diplomatisches Geschick ließ ihn auch politisch aktiv werden.
Bereits 1956 übernahm er die Leitung des Ostausschusses der Deutschen
Wirtschaft, einen Posten, den der gebürtige Rheinländer bis zum Jahr
2000 ausübte.
In dieser Zeit setzte der Sohn die Bemühungen seines Vaters fort, der
bereits zwischen den Weltkriegen enge Kontakte zur damals sowjetischen
Staatsführung pflegte. Nach dem Krieg wurde Wolff von Amerongen schnell
zu einem der wichtigsten Vermittler zwischen den Machtblöcken. So
bekleidete der Wirtschaftsmann von 1969 bis 1988 das Amt des
Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK).
Seine Kontakte in den Ostblock wurden zwar in den USA beizeiten
argwöhnisch beobachtet, aber auch dorthin pflegte er gute Kontakte. So
war er u.a. auch Mitglied im Aufsichtsrat des Mineralölkonzerns Exxon.
Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts suchte der damals schon über
70-Jährige nach neuen Herausforderungen. So gründete er 1992 die
gemeinnützige Otto-Wolff-von-Amerongen-Stiftung, die sich für
Hilfsprojekte mit Schwerpunkt Osteuropa einsetzte. Durch zahlreiche
Bildungs- und Erziehungsprojekte wirkte die Stiftung erfolgreich an der
Integration der jungen demokratischen Staaten Mittel- und Osteuropas
mit. Wolff von Amerongen selbst nahm den Zusammenbruchs des Ostblocks
mit gemischten Gefühlen entgegen. Zuletzt macht er als Vordenker von
sich reden. So äußerte er in Vorträgen wiederholt Zweifel an der
Reformfähigkeit des Kapitalismus, wenn ein Gegenmodell fehle. Jedoch
ließ er keinen Zweifel daran, dass soziale Marktwirtschaft und
liberaler Welthandel die bessere Alternative zum Kommunismus waren und
sind.
Zum Tode von Dr. Otto Wolff von Amerongen hat Kölns Oberbürgermeister
Fritz Schramma am heutigen Freitag der Familie sein Beileid
ausgedrückt. In einem Kondolenzschreiben erklärte Kölns Stadtoberhaupt:
„Otto Wolff von Amerongen gehörte zu den bedeutendsten
Unternehmerpersönlichkeiten in Deutschland nach dem Krieg. Mit ihm
verliert Köln einen herausragenden und besonders verdienstvollen
Bürger“. Als Kölner Familienunternehmer, der aus der Eisengroßhandlung
seines Vaters einen modernen Konzern mit rund 200 Beteiligungen und
30.000 Mitarbeitern formte, habe er auch viel für seine Heimatstadt
bewirkt. Durch seine hervorragenden internationalen Kontakte habe er
maßgeblich zur weltweiten Wahrnehmung des Wirtschaftsstandorts Köln
beigetragen, so der Wortlaut.

























