27. 05. 2012
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Wollseifer löst Knieps an der Spitze der Handwerkskammer ab
Auf der heutigen Vollversammlung der Handwerkskammer zu Köln wählten die 52 stimmberechtigten Mitglieder einstimmig Hans-Peter Wollseifer zu ihrem neuen Präsidenten. Vorgänger Franz-Josef Knieps trat nach 15 Jahren an der Spitze einer der größten Handwerkskammern in Deutschland nicht mehr zur Wahl an. "Es schmerzt mich nicht. Für mich gilt der Satz: Sei nicht traurig, dass es vorbei, sondern freu Dich, dass es gewesen", erklärte der ehemalige Landtagsabgeordnete, der sich auch von seinem politischen Mandat im Düsseldorfer Landtag zurückzog. Mit 67 Jahren sei es an der Zeit, Jüngeren das Feld zu überlassen. "Es waren 15 wichtige, lehrreiche, erfolgreiche und tolle Jahre", erklärte der Ex-Präsident, kurz bevor er die Sitzungsleitung an den Alterspräsidenten abgab. Die Wahl des neuen Präsidenten war dabei ebenso wenig überraschend wie auch die Wahl seiner beiden Stellvertreter. Auch hier folgte die Vollversammlung dem Vorschlag, Fred Balsam für die Arbeitnehmer- und Bernd Rose für die Arbeitgeberseite in das Amt des Vizepräsidenten zu wählen. Auch hier gab es mit 18 Stimmen für die Arbeitnehmer- und 34 Stimmen für die Arbeitgeberseite das erwartete hohe Votum. Beide üben den ehrenamtlichen Posten bereits seit langen Jahren aus, Rose seit November 2001, Balsam gar seit 1990.
"Die Handwerkskammer ist gut aufgestellt", stellte der scheidende Kammerpräsident in seinem letzten offiziellen Bericht fest. So hat sich das Handwerk trotz einiger Branchen mit Schwierigkeiten insgesamt als außerordentlich stabil angesichts des Ausmaßes der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise erwiesen. "Dieses Stimmungsbild bewerte ich auch deswegen als sehr erfreulich, weil im vergangenen Jahr die Mehrzahl der Handwerksbranchen herbe Umsatzverluste hinnehmen musste", so Knieps weiter. Auch sonst habe sich gerade in den vergangenen Jahren eine Menge getan. Anfang dieses Jahres startete die neue Impage-Kampagne des Handwerks mit Fernsehspots und Plakatmotiven, in Kürze wird es die zweite Staffel mit neuen Motiven und Slogans geben. In Sachen Ausbildung startete die Handwerkskammer in den vergangenen Monaten gleich mehrere Initiativen, darunter eine umfangreiche Kooperationsvereinbarung mit der Kölner Universität sowie einen neuen integrierten Ausbildungsgang mit Lehre, Meisterprüfung und parallelem Studiengang. Und auch die Ausbildungsbörse des Handwerks macht sich auf zu neuen Ufern. Um den Anteil von Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund unter den Auszubildenden weiter zu erhöhen, fand die letzte Ausgabe der Ausbildungsbörse in Mülheim gleich in fünf Sprachen, neben deutsch auch in türkisch, italienisch, russisch und griechisch statt, wie der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Dr. Ortwin Weltrich ergänzte.
Zukünftige Schwerpunkte
In seiner Rede versprach der neue Kammerpräsident den Mitgliedern, die erfolgreiche Arbeit der Kammer fortsetzen zu wollen. Er selbst werde ein parteipolitisch neutraler Repräsentant der Kölner Handwerkerschaft sein, betonte der 54-jährige Maler- und Lackierermeister aus Hürth. "Ich werde mit allen Parteien im Gespräch bleiben", so Wollseifer weiter. Neben dem demografischen Trend und dem zunehmenden Bedarf an energieeffizienten Lösung ("Hier muss das Handwerk einen Schritt voraus sein") stehen für den neuen Kammerpräsidenten auch gesellschaftspolitische und marketingtechnische Schwerpunkte als Aufgaben im Stammbuch, wie er in seiner Bewerbungsrede betonte. Dass trotz des hohen Maßes an Harmonie und trotz der lobenden Worte des neuen über den alten Kammerpräsidenten einige wichtige Aufgaben noch zur Erledigung anstehen, wurde ebenfalls zur Sprache gebracht. So wünscht sich Wollseifer eine stärkere Position auf Bundesebene. "Daran müssen wir arbeiten". Gut aufgestellt sei man auf Landes- und europäischer Ebene, so Wollseifer weiter. Und auch aus Arbeitnehmersicht gebe es wichtige Anliegen. "Auch die Bezahlung muss stimmen. Was wir brauchen, ist mehr Zuverlässigkeit bei der Einhaltung von Tarifverträgen und nicht so viel Chaos wie zuletzt", forderte der neue und alte Vizepräsident der Arbeitgeberseite, Fred Balsam. Darüber hinaus ist es aus Sicht der neuen Kammerspitze wichtig, das Handwerk erlebbar zu machen. Dafür sei die Imagekampagne ein erster wichtiger Schritt, aber alleine wohl nicht ausreichend, ergänzte Wollseifer.
Als Ehrengast versprach der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, dass man sich auf Bundesebene in den anstehenden Spitzengesprächen für eine mittelstandsgerechte Finanz- und Steuerpolitik einsetzen werde. Mehr als 4,8 Millionen Beschäftigte, davon alleine im Kammerbezirk der Region Köln/Bonn rund 185.000 in rund 32.200 Handwerksbetrieben, machen das Handwerk in der Tat zu einem der wichtigsten Arbeitgeber. Schwierig dürfte hingegen der bevorstehende Balanceakt zwischen Konsolidierung und nachhaltigen, intelligenten Investieren werden. Längst ist auch in Berlin bekannt, dass die Frist für die Umsetzung der vielen Maßnahmen des zweiten Konjunkturpakets der Bundesregierung nicht abrupt mit dem Ende des Jahres aufhören soll. Vielmehr sollten die entsprechenden Vergaben noch im laufenden Kalenderjahr vollzogen sein, die Umsetzung solle nach dem Willen des ZDH in das kommende Jahr gestreckt werden, forderte Schwannecke weiter. So könnte die Bundesregierung selbst dafür sorgen, dass nach dem Auslaufen des zweiten Konjunkturpakets 2011 nicht zu dem von vielen befürchteten Krisenjahr werde. Auch Regierungspräsident Hans-Peter Lindlar, der als erste seine Rede hielt, zeigt sich von der Bedeutung des Handwerks überzeugt. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Handwerksbranche ein "Bollwerk" im deutschen Mittelstand sind. Dies belegen auch die Zahlen. Wie Hauptgeschäftsführer Weltrich vorrechnete, sind trotz der Umsatzeinbußen im Krisenjahr die Beschäftigtenzahlen im Kammerbezirk um lediglich rund 2000 zurückgegangen. Die Zahl der registrierten Kammerbetriebe stieg mit 32.204 Betrieben gegenüber dem Vorjahr sogar um 631 oder rund zwei Prozent an, Ausdruck der hohen Dynamik des Handwerks in der Region, wie Weltrich abschließend berichtete.

























