27. 05. 2012
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Eine ganze Generation rutscht aus der Wahrnehmung
Eigene Erfahrung: Der Zug fährt bereits früher ab
Aus eigener Erfahrung indes muss ich mich dazu bekennen, der Kritikerseite das Wort zu reden. Noch ist der Leidensdruck nicht so hoch, dass man verstärkt auf ältere Arbeitnehmer zurückgreift, um die Stellen für Fachpersonal im eigenen Unternehmen zu besetzen. Vor inzwischen sieben Jahren wurde der Kommentator selbst in die Arbeitslosigkeit entlassen und musste fast ein ganzes Jahr lang die Situation mittelalter Arbeitsloser am eigenen Leib miterleben. Aus mehr als 500 Bewerbungen ergab sich kein einziges Vorstellungsgespräch. Weniger als zehn Prozent meldeten sich freiwillig mit den vorgefertigten Textbausteinen, um ihr Bedauern auszudrücken und viel Glück zu wünschen. Die Texte ähnelten sich dabei in recht auffälliger Art und Weise. Sie finden sich auch in den einschlägigen Praxishandbüchern für Personalverantwortlichen, ein Schelm, wer Böses denkt. Aus mehr als 100 qualitativen Telefon-Interviews erfuhr der Kommentator desöfteren, dass bereits mit 37 Jahren der Zug abgefahren sei, hinter vorgehaltener Hand, bisweilen nur in Andeutungen erkennbar und erst auf hartnäckiges Nachfragen. Das geflügelte Wort des 25-jährigen Ausnahmetalents mit vielfältigen Sprachkenntnissen und 15-jähriger Berufserfahrung, der so manchen Personalern vorschwebt, ließ schon damals erahnen, dass der Begriff "altes Eisen" bereits weit vor der 50 ein Fakt ist.
Eigene Recherchen der Redaktion Köln Nachrichten zeigen, dass zumindest in den Kammern, der Politik und auch der Arbeitsagentur das Umdenken schon eingesetzt hat. Die Appelle der Verantwortlichen stoßen zwar auf Interesse, aber nur wenige Unternehmen machen damit bereits jetzt Ernst. Immerhin, es werden mehr. Trotzdem neigt der Verfasser dieser Zeilen eher der kritischen Sichtweise zu. Und die lautet: "Ältere Arbeitslose waren vor sieben Jahren die Verlierer und sie bleiben es bis zum heutigen Tag". Das nennt sich nicht "Schlechtreden", das entspricht – leider – noch immer der landläufigen Realität, allen Appellen zum Trotz.
Hoffnung macht da lediglich der demografische Faktor, so zynisch das klingen mag. Weil die Vorstöße der Industrieverbände zur Wiederauflage einer "Green-Card"-Regelung aller Wahrscheinlichkeit nach am bürokratisch-verquasten Dickicht von Vorschriften einen "run" der Hochqualizierten auf die Bundesrepublik zu verhindern weiß, wird der Leidensdruck der Unternehmerschaft steigen. Die Not der Betriebe, die keine Fachkräfte mehr finden, muss wohl noch um einige Atmosphären ansteigen, bevor sich auch "junge Unternehmen" dazu entschließen, der Erfahrung und Gelassenheit des "Alters" eine ernsthafte Chance geben. Die demografische Entwicklung in Deutschland lässt für die nächsten 20 Jahre erwarten, dass dieser Leidensdruck ansteigen wird. Schon heute bieten Unternehmen Prämien für befähigte Schulabgänger. Es wird Zeit, dass Unternehmen damit beginnen, sich Prämien für qualifizierte Ältere zu überlegen. Und entgegen der offiziellen Statistik dürfte die Zahl der verdeckten (offiziell "unterbeschäftigten") älteren Arbeitssuchenden mehr als doppelt so hoch sein, wie offiziell ausgewiesen, glaubt man den Recherchen des SWF. Hier liegt immenses Potenzial brach und es kostet den Sozialstaat Milliarden. Man sollte auf diese Sendung hinweisen, wenn mal wieder der Ruf nach "Fachleuten aus dem Ausland" laut wird. Fangen wir doch mit denen an, die schon hier sind und denen man in der Regel die recht komplizierte deutsche Sprache nicht erst aufwändig beibringen muss. Dann und nur dann, werden die "Älteren" zu Gewinnern, noch sind sie es nicht. Dass ausgerechnet die Arbeitgeberseite zum Jubelgesang anstimmt, wirkt an dieser Stelle irgendwie zu kurz gesprungen.
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