27. 05. 2012
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DIHK warnt vor Pleitewelle bei Gründern
In Zeiten der Wirtschaftskrise scheint das Interesse an einer Existenzgründung eher noch anzuwachsen. Darauf verweist der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seiner jüngsten Presseerklärung. Allerdings deuten die dahinter stehenden Motive nicht gerade darauf, dass diese neue Gründungswelle auch tatsächlich einen nachhaltigen Erfolg nach sich ziehen wird. "Viele Gründungswillige treibt nicht der Pioniergeist an, sondern Furcht vor Arbeitslosigkeit", so der DIHK in seinem aktuellen Gründerreport. Dabei ging die Zahl der so genannten Gründergespräche im vergangenen Jahr sogar noch weiter zurück. Mit 320.174 waren es acht Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Ursache sahen die Experten in den damals noch guten Jobaussichten angesichts der steigenden wirtschaftlichen Kennziffern. Das habe sich im Zuge der Krise deutlich geändert, hieß es dazu weiter.
Gründerwelle kommt – Pleitewelle droht
Vor alle aufgrund steigender Arbeitslosigkeit rechnen die Kammern in Deutschland mit deutlich mehr Gründungen. Allerdings können nach Einschätzung der IHKs fast 40 Prozent der arbeitslosen Gründungswilligen ihre Geschäftsidee nicht erklären. Vor dem Hintergrund der derzeit eher zurückhaltenden Kreditvergabe von Geschäftsbanken ist dies eine schwere Hypothek. Für findige Erfinder und Pioniere gebe es allerdings auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten jede Menge erfolg versprechender Geschäftsideen. Die Gründung eines eigenen kleinen Unternehmens ist daher weniger der letzte Ausweg als vielmehr eine Chance, argumentieren die IHK-Experten. Vor allem aufgrund des demografischen Faktors bieten sich gerade im Pflege- oder Seniorenbereich eine Menge Möglichkeiten, so das Urteil des DIHK. Aber Wettbewerbe wie der NUKBusinessplanwettbewerb zeigen, dass die Existenzgründer sich nur auf diesen Bereich konzentrieren. Auch beim Internet 2.0, neuen Werkstoffen oder im Lifestyle-Bereich haben Existenzgründer Chancen mit ihrer eigenen Geschäftsidee erfolgreich zu werden.
Fast schon unübersichtlich wirkt da die Förderlandschaft in Deutschland. Kaum ein Land hat mehr Förderprogramme für Existenzgründer als Deutschland. Doch bei der unternehmerischen Ausbildung gibt es viel Nachholbedarf, kritisieren die Kammern. Das Thema "Selbstständigkeit" gehört in die Lehrprogramme – von der Grundschule bis in die Universität. Nur so kann in Deutschland eine nachhaltige Kultur der Selbstständigkeit geschaffen werden, fordert der DIHK. Geschäftsideen müssten verständlich erklärt und sauber durchgerechnet werden. Das trage zur Schaffung von Vertrauen auch bei den kreditgebenden Banken bei. Trotzdem gebe es gerade für Existenzgründer noch eine Menge Hürden, die sie selbst in ihrem frühen Anfangsstadium bei der Etablierung ihrer Geschäftsidee behindern können. Die Kammern beklagen, dass insbesondere in der Gastronomie in manchen Städten für eine Schankerlaubnis eine Steuer fällig wird. Auch die Stellplatzablöse mit Gebühren von bis zu 10.000 Euro pro Stellplatz stellt für viele Existenzgründer eine erhebliche finanzielle Belastung dar, führten der DIHK weiter aus. Nicht zuletzt die Besteuerung von Kosten bei der Gewerbesteuer (Zinsen, Mieten, Pachten, Leasingraten, Lizenzgebühren) beeinträchtigt insbesondere Hightech-Gründer mit hohen Fixkosten.
Das 2004 eingeführte Pflichtformular "Einnahme-Überschussrechnung" für Kleinunternehmer muss abgeschafft werden – es ist ohne Steuerberater kaum zu bewältigen. Existenzgründer sollten zudem die Umsatzsteuervoranmeldung wieder vierteljährlich statt monatlich abgeben dürfen. Die Sonderregel, die 2002 zur Bekämpfung des Umsatzsteuerbetrugs eingeführt wurde, hat sich als wirkungslos erwiesen und zu einem hohen Verwaltungsaufwand für alle Existenzgründer geführt. Dort müssen diese Formalien zumeist vom Gründer oder dem Gründerteam selbst übernommen werden, hieß es dazu abschließend.

























