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27. 05. 2012
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Forderungen deutscher Unternehmen summieren sich auf 48,5 Millliarden Euro


21.05.2009 10:56 von:

Schlagwörter: Deutschland,Zahlungsmoral,EPI,Index,Fälligkeit,Schuldner,Unternehmen,Auftraggebe

Die in Darmstadt ansässige Gesellschaft Intrum Justitia hat in ihrem European Payment Index (EPI) das Zahlungsverhalten in 25 europäischen Ländern untersucht. Insgesamt 5000 Unternehmen wurden dazu befragt. Die Ergebnisse werfen kein gutes Licht auf die Deutschen. So herrscht zwar in allen europäischen Ländern eine mehr oder weniger ausgeprägte Krisenstimmung, aber in keinem anderen Land ist die Zahlungsmoral derart schlecht wie in Deutschland. Mit einer Summe von 48,5 Milliarden Euro übersteigen die Forderungen deutscher Unternehmen inzwischen die aller anderen Länder. Vor allem öffentliche Auftraggeber kommen europaweit nicht gut weg. Sie begleichen ihre Rechnungen im Durchschnitt erst nach 67 Tagen, wie das Unternehmen ermittelte.

Insgesamt summieren sich die ausstehenden Forderungen in Europa derzeit auf rund 270 Milliarden Euro. "Die internationale Finanz- und Liquiditätskrise ist mit voller Wucht in der Realwirtschaft angekommen und bedroht jetzt viele Existenzen", kommentierte Beat Koch, Director Customer Marketing DACH von Intrum Justitia. Für kleine und mittlere Unternehmen ist die rechtzeitige Bezahlung ihrer geleisteten Arbeit inzwischen zu einer akuten Überlebensfrage geworden, weiß der Experte zu berichten. Größer wird dabei auch der Anteil der Forderungen, die gar nicht mehr beglichen werden können. Waren es im Vorjahr noch zwei und im Jahr 2007 gar nur 1,9 Prozent, die abgeschrieben wurden, stieg die Quote bereits jetzt auf 2,4 Prozent an. Auch die durchschnittliche Fehlzeit einer Rechnungsbegleichung lag mit 19 Tagen zwei Tage über dem Niveau des Vorjahres. "Dieser Anstieg beim Zahlungsverzug sieht geringer aus, als er es wirklich ist", so Beat Koch. Denn die Unternehmen sind gezwungen, höhere Außenstände durch einen deutlichen Mehrumsatz zu kompensieren. Eine Firma mit einer Gewinnmarge von 5 Prozent müsste ein Umsatzplus von 200.000 Euro erwirtschaften, alleine um Rechnungsfehlbeträge in Höhe von 10.000 Euro auszugleichen. "Für viele Firmen ist das im Moment unmöglich. Denn wir erleben in allen Branchen einen massiven Rückgang der Umsätze und der Aufträge", so Koch. Das Unternehmen befürchtet daher einen dramatischen Anstieg der Insolvenzen.

Öffentliche Auftraggeber am Ende der Skala

Europaweit lässt sich noch ein anderer Trend beobachten. Vor allem öffentliche Auftraggeber zeigen eine besonders unterdurchschnittliche Zahlungsmoral. Im Durchschnitt aller Auftraggeber liegen sie mit einer Bearbeitungszeit von stolzen 67 Tagen bis zur Zahlung am Ende der Liste möglicher Auftraggeber. Zwischen den Unternehmen selbst, im so genannten B2B-Geschäft beträgt dieser Wert 57 Tage, also zehn Tage weniger. Verbraucher sind dagegen wahre Zahlungsmoralisten. Sie benötigen im Durchschnitt aller europäischen Länder gerade einmal 41 Tage, bis sie eine Rechnung begleichen. "Die öffentliche Hand ist in der Pflicht, ihrer Verantwortung für die Wirtschaft gerecht zu werden. Auf der einen Seite pumpen die europäischen Regierungen enorme Summen in die Märkte, um ein weiteres Abgleiten der Konjunktur zu verhindern. Auf der anderen Seite jedoch lassen sie sich länger Zeit, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Das passt nicht zusammen", kommentierte Koch die Ergebnisse seiner Untersuchungen. Wenn alle öffentlichen Auftraggeber ihre Rechnungen pünktlich bezahlen würden, würde das eine sofortige Konjunkturspritze von 65 Milliarden Euro bedeuten, so die Schlussfolgerung. Unternehmen, die durch säumige Zahler in ihrer Existenz bedroht sind, sollten bereits vorher ihr Forderungsmanagement professionalisieren. So gilt in Deutschland beispielsweise jemand als säumig, wenn er einen Monat nach Rechnungsstellung den fälligen Rechnungsbetrag noch nicht überwiesen hat. "Am erfolgreichsten hat sich in der Praxis die sogenannte 2-2-2-Formel erwiesen", so Koch. Damit gemeint ist ein zweiwächiger Abstand zwischen den ersten Mahnschreiben. Auch eine Bonitätsprüfung beim geschäftlichen Erstkontakt hilft weiter, rät der Forderungsexperte. Allerdings wird sich die Zahlungsmoral in den kommenden Wochen und Monaten nach Ansicht der befragten Unternehmen eher verschärfen, befürchtet Koch abschließend. 70 Prozent der Unternehmen sehen dies genau so, wie die Studie ergab.

Intrum Justitia zählt zu den führenden Anbietern von so genannten Credit Management Service-Leistungen in Europa. Insgesamt beschäftigt das 1923 in Schweden gegründete Unternehmen rund 3300 Mitarbeiter in 24 Ländern. Seit 2002 ist das Unternehmen an der Stockholmer Börse notiert. In 16 europäischen Ländern ist das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Marktführer, in Deutschland kommt Intrum immerhin unter die Top Five seiner Branche.







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