27. 05. 2012
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Große Unsicherheit über zukünftige Konjunkturentwicklung
Dabei konnte sich auch die Wirtschaft im Kölner IHK-Bezirk der allgemeinen Wirtschaftslage nicht entziehen. Die Krise, um das böse Wort beim Namen zu nennen, ist in der Region angekommen. Nur wie lange sie anhält und wie schwerwiegend sie sich auf Unternehmen, deren Umsätze und Beschäftigung durchschlägt, steht derzeit noch nicht fest. Allerdings scheinen die Ergebnisse der Anfang dieses Jahres durchgeführten Umfrage zu Geschäftslage und –erwartungen eine Rezession noch nicht zu bestätigen. Der Konjunkturklimaindex jedenfalls fiel zwar in der Umfrage um 23 Punkte auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert (77,7 Punkte). Aber das Verhältnis zwischen Unternehmen, die ihre Geschäftslage als "gut" und denjenigen, die sie als "schlecht" bewerteten, hielt sich zwar mit jeweils rund einem Viertel aller Befragten noch halbwegs die Waage. Auch sei die Region Köln mit diesen Zahlen wohl etwas besser positioniert als der Bundesdurchschnitt. Trotzdem gibt sich Ferger keiner Illusion hin, in der Region würde die Rezession ausbleiben. "Wir müssen damit rechnen, dass es in Kürze so weit ist", erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer auf der heutigen Pressekonferenz. Das zeigen auch die Ergebnisse der ermittelten Geschäftserwartungen. Etwas mehr als die Hälfte aller Befragten (50,8 Prozent) befürchten, dass ihre Geschäfte in den kommenden sechs Monaten rückläufig sind. Der Anteil der Optimisten hingegen fiel auf rund zehn Prozent. Bei der letzten Konjunkturumfrage standen sich beide Gruppen noch mit Anteilen von 32 bzw. 16 Prozent gegenüber.
Hoffnungen auf schnelle Umsetzung des Konjunkturpakets
Die in Aussicht gestellten staatlichen Mittel im Rahmen des derzeit in der politischen Verhandlung befindlichen zweiten Konjunkturpakets mit seinen angedachten Staatshilfen für Bildung und Infrastruktur müsse schnell umgesetzt werden, soll die konjunkturbelebende Wirkung tatsächlich eintreten. "Wir fordern Land und Kommunen auf, die Mittel schnell und unbürokratisch zur Stärkung der Region und der Stadt Köln zur Verfügung zu stellen", so Ferger weiter. Unabhängig von diesen Maßnahmen scheint die Unternehmerschaft vom Virus des Pessimismus befallen zu sein. Noch immer sei das Vertrauen in die Banken und damit letztlich in das gesamte Wirtschaftssystem nicht wiederhergestellt. Das aber sei die wichtigste Voraussetzung, so der Kammergeschäftsführer. Ferger forderte neben einer schnellen Umsetzung der Staatshilfen aber auch, dass bereits beschlossene Maßnahmen erneut überdacht werden. Als Beispiel griff sich Ferger die geplante Erhöhung der Autobahn-Maut für Lkw heraus. Die solle sofort ausgesetzt werden, schließlich sei nicht nur aus wirtschaftlicher sondern auch aus ökologischer Perspektive heraus kontraproduktiv. "Mit der Gebührenerhöhung um rund 60 Prozent werden die Transportunternehmen trotz ihres Engagements für weniger Schadstoffausstoß bestraft", führte Ferger aus. Das sei in Zeiten einbrechender Nachfrage und in der Folge auch weniger Aufträgen für das Transportgewerbe – immerhin eine der Kölner Leitbranchen mit Zehntausenden von Beschäftigten in der Region – ein echtes Wachstumshemmnis.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden folgen
Auch wenn die Folgen derzeit noch für viele Betriebe aufgefangen werden können. Schon jetzt ist absehbar, dass die krisenhafte Entwicklung in vielen Unternehmen der Region die Bereitschaft, weitere Kapazitäten aufzubauen schlagartig zurückgegangen ist. Nur noch spärliche 2,6 der befragten Verkehrsunternehmen sehen überhaupt noch die Möglichkeit, ihre Produktionskapazitäten bzw. ihre Geschäftstätigkeit auszubauen. Die bereits erwähnte Erhöhung der Lkw-Maut tut hier ein Übriges. Aber auch im Verarbeitenden Gewerbe sieht es nur wenig besser aus. Weit über die Hälfte der Befragten (55,6 Prozent) gibt sich pessismistisch, bereits ein Dritte der Befragten aus dieser Branchen bezeichneten ihre derzeitige Lage als "schlecht". Damit sind die zwei besonders hart betroffenen Branchen benannt. Insgesamt hat sich aber auch über alle Branchen hinweg die Zahl der Betriebe drastisch erhöht, die über eine Absenkung der eigenen Beschäftigtenzahlen nachdenken, immerhin 37,2 Prozent, Noch etwas mehr (39,7 Prozent) wollen ihre Investitionsplanungen deutlich zurückfahren. Und fast die Hälfte der regionalen Unternehmer rechnet mit weiteren Rückgängen im Exportgeschäft. Viel schlimmer sind neben den reinen Statstiken und Umfragewerten aber die dahinter stehenden Motive und Ursachen. Die Kammer befürchtet eine nachhaltige Beschädigung der Akzeptanz einer sozialen Marktwirtschaft. Diese Sorge teilen inzwischen auch viele Unternehmer der Region. "Wir müssen gerade jetzt für die Vorteile der Sozialen Marktwirtschaft werben und das Vertrauen in der Bevölkerung für das Wirtschaftssystem wiederherstellen helfen", appellierte Ferger an die Kammermitglieder.

























