27. 05. 2012
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Handwerk profitiert von starker Binnenkonjunktur
Das Kölner Handwerk hat im vergangenen Jahr steigende Kennzahlen verzeichnet. Wie die Handwerkskammer für die Region Köln/Bonn am heutigen Dienstag bekannt gab, stieg der Umsatz der bei der Handwerkskammer gelisteten Betriebe um rund ein Prozent auf 14,6 Milliarden Euro an. Hätte der kalte Start in das vergangene Jahr die Bilanz zahlreicher Betriebe nicht regelrecht "verhagelt", wäre das Umsatzwachstum möglicherweise noch höher ausgefallen. Im ersten Quartal fielen die Umsätze im regionalen Handwerk um einen zweistelligen Prozentbetrag. Bei der Zahl der Betriebe gab es ebenfalls ein leichtes Plus auf 32.562 (Vorjahr: 32.204). Allerdings kam das Wachstum nahezu ausschließlich durch neue Betriebe im Bereich der nicht zulassungspflichtigen Berufsgruppe zustande. "2010 war das Jahr der Aufholjagd in der Handwerkswirtschaft", kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Dr. Ortwin Weltrich, die Jahresbilanz. Tatsächlich blieb die Zahl der Betriebe im Bereich der zulassungspflichtigen Meisterberufe mit 18.412 (Vorjahr: 18.408) nahezu unverändert.
Ausbildungsmarkt stabil – Potenziale müssen gehoben werden
Auch bei den Ausbildungszahlen steht ein positives Vorzeichen. Mit 5929 neuen Ausbildungsverträgen erhöhte sich deren Zahl gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent im gesamten Kammerbezirk. Besonders deutlich war das Plus in der Region Bonn/Rhein-Sieg, hier registrierte die Kammer eine Zunahme von 9,8 Prozent bei den Ausbildungsverträgen. Auch in Köln stieg die Zahl der Ausbildungsverträge um 94 oder 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert an. Einen Rückgang verzeichnete in dieser Rubrik hingegen die Region Rhein-Erft (648 nach 679 Ausbildungsverträge). Trotz des Anstiegs liegt der Kammerbezirk immer noch um 120 Neuverträge unter dem Niveau aus dem Vorkrisenjahr 2008.
Trotz der erfreulichen Zahlen spüren die Betriebe die ersten Folgen der demografischen Entwicklung. Zum einen bewerben sich häufig Jugendliche auf Ausbildungsstellen, die kaum die schulischen Voraussetzungen mitbringen, um die Ausbildung tatsächlich erfolgreich abschließen zu können. Zum anderen gibt es weiterhin und trotz der Bemühungen der Kammern für die duale Ausbildung immer noch viele Jugendliche, die statt einer Ausbildung weiter die Schulbank drücken. "Warteschleife" nennen das die Arbeitsmarkt- und Ausbildungsexperten. Auch beim Anteil ausländischer Jugendlicher gibt es viel Nachholbedarf. Zwar liegen für 2010 noch keine Zahlen vor. Aber der geringfügige Anstieg von 7,3 auf 7,9 Prozent im Ausbildungsjahrgang 2009 lässt hoffen. Vom bisherigen Höchststand von 17,5 Prozent aus dem Jahr 1995 ist man aber weiterhin weit entfernt. Grund genug für die Kammerverantwortlichen, zusätzliche Aktivitäten zu entfalten. Am 6. Mai dieses Jahres wird daher in Köln wieder eine fünfsprachige Ausbildungsbörse geben. Ausbildungsbetriebe haben dabei die Chance, geeignete Jugendliche mit Zuwanderhintergrund anzusprechen und für eine duale Ausbildung zu begeistern.
Politische Risiken
Auch wenn Weltrich dank der robusten Binnenkonjunktur für das erste Halbjahr weiterhin optimistisch ist, bleiben auch hausgemachte Risiken. Ein großes Problem aus Sicht der Handwerkskammer stellt die mögliche Verschärfung der Umweltzonen in Köln und Bonn dar. Sollten es eine rein grüne Umweltzone geben (nur Fahrzeuge mit grünen Plaketten wären zugelassen), müssten knapp 60 Prozent der Lieferfahrzeuge draußen bleiben. Fast jedes dritte Handwerkerfahrzeug wäre betroffen, wenn nur die Fahrzeuge mit roter Plakette aus der Umweltzone ausgeschlossen werden. "Das darf nicht eintreten", forderte Weltrich und machte auf die vielen Kleinstbetriebe aufmerksam, die kaum das Geld umsetzen, geschweige denn erwirtschaften, dass sie für die Anschaffung teurer Neuwagen benötigen. "Diese Menschen würden sonst Hartz-IV beantragen", so Weltrich zu den Folgen einer allzu forschen Verschärfung. Immerhin scheint nach Aussage des Kammergeschäftsführers die Stadt Köln bei der Ausgestaltung der Umweltzonen nicht mehr die Vorreiterrolle spielen zu wollen. Das zumindest hatte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters der Kammer in einem Gespräch ausdrücklich zugesichert.
Ein weiteres Problem könnte die ab Mitte dieses Jahres geltenden Freizügigkeitsregelungen innerhalb der EU sein. Die gelten ab diesem Zeitpunkt insbesondere für Arbeitnehmer und Selbständige aus acht der zehn EU-Staaten aus den Osterweiterungen der Union. Weltrich warnte vor Verwerfungen. Schon vor einigen Jahren konnten auch die Kölner Verantwortlichen die Folgen einer ersten Welle von Handwerkern im Kammerbezirk verfolgen. "Köln und Frankfurt am Main waren damals übrigens mit am stärksten betroffen", berichtete Weltrich. Der Kammergeschäftsführer kritisierte dabei die derzeitige Untätigkeit der Politik. Die Landesregierung sollte einen "vernünftigen Übergang gestalten", so Weltrich weiter. Zusammen mit dem polnischen Konsulat gebe es eine Absprache, gemeinsame Informationsveranstaltungen abhalten zu wollen. Die soll polnischen Betrieben den Eintritt in den deutschen Markt erleichtern und ihnen Hilfestellung geben. Das wiederum wird von der Kammer als gewünschter Impuls betrachtet. Kritisiert wird hingegen die Ausbeutung der Scheinselbständigen, die bei der ersten Welle beobachtet wurde.

























