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27. 05. 2012
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Handwerk so optimistisch wie zuletzt nach der Wiedervereinigung


28.04.2011 19:22 von:

Schlagwörter: Köln,Handwerkskammer,Region,Geschäftslage,Geschäftserwartung,2011,April,Bonn,Lev

Selten zuvor war die Beurteilung der derzeitigen Konjunkturlage und der Erwartungen für die kommenden sechs Monate besser als im Frühjahr des Jahres 2011. Wie die Kölner Handwerkskammer (HWK) am heutigen Donnerstag bekannt gab, lag der Indexwert für die momentane Geschäftslage aller 652 Unternehmen, die den Fragebogen der Kammer zurückgesandt hatten, bei einem positiven Wert von 31,6 Punkten. In konkreten Umfrageergebnissen bedeutet das: 42,8 Prozent der Unternehmen beurteilen die derzeitige Lage als mindestens "gut" (Herbst 2010: 39,3 Prozent), 46 Prozent gaben der eigenen Lage die Note "befriedigend", lediglich 11,2 Prozent nannten sie "schlecht" (Herbst 2010: 11,7 Prozent). "Die Stimmung ist nicht gut, sie ist sehr gut. Sie ist sogar besser als die statistischen Daten das wiedergeben", beschrieb der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Dr. Ortwin Weltrich, das Ergebnis der Frühjahrsumfrage der Kammer. Auch bei der Einschätzung für die kommenden sechs Monate stellten die Wirtschaftsforscher der Kammer eine mehr als erfreuliche Verbesserung fest. Waren bei der letzten Befragung im Herbst vergangenen Jahres noch 16 Prozent von einer Verschlechterung der Konjunktur ausgegangen, verringerte sich der Anteil der Skeptiker in diesem Jahr auf zehn Prozent. Auf der anderen Seite stieg der Anteil der Optimisten mit 34 Prozent (nach 20 Prozent bei der letzten Konjunkturumfrage) rapide an. "Das Handwerk hat auch in seiner Breite vom Konjunkturaufschwung profitiert", urteilte der HWK-Chef bei der heutigen Vorstellung der Frühjahrsbefragung.

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Handwerk stabilisiert den Arbeitsmarkt

Das positive Gesamtbild des "Mischwarenkonzerns" Handwerk spiegelt sich auch bei den Beschäftigtenzahlen und der Prognose für die kommenden Monate wieder. So ist der ohnehin schon gute Wert von lediglich 13 Prozent der Befragten, die während der Monate vor der Umfrage Personal abgebaut haben, im Frühjahr nochmals, wenn auch nur leicht – auf zwölf Prozent zurückgegangen. Allerdings sank auch der Anteil der Unternehmen, die neues Personal eingestellt haben von 21 auf nunmehr 15 Prozent. Trotzdem blickt das Handwerk zuversichtlich auf die weitere Entwicklung. Und auch die derzeitige Lage sieht eher rosig aus. 22 Prozent aller befragten Unternehmen haben in den zurückliegenden Wochen und Monaten offene Stellen gemeldet. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2010 waren dies gerade einmal 13 Prozent.

Auch der Blick auf die Ausbildungszahlen des zurückliegenden Jahrgangs 2010 mit einem kammerweiten Anstieg um rund acht Prozent auf 5572 neue Ausbildungsverträge wertet Weltrich als positives Vorzeichen. "Das zeigt den Optimismus. Die Handwerksunternehmen handeln hier schon immer sehr verantwortungsbewusst", so der HWK-Hauptgeschäftsführer mit Hinweis auf die hohe Zahl an übernommenen Azubis in den zumisten klein- oder mittelständisch geprägten Betrieben.

Konjunkturhimmel mit einzelnen Wolken

Beim Blick auf die einzelnen Branchen und Regionen zeigt sich zwar ein differenziertes Bild. Aber nur in wenigen Bereichen sind kleine Sorgenfalten angebracht. Zu den Sorgenkindern gehören unverändert bestimmte Bereiche wie das Ernährungshandwerk (Bäcker, Konditoren, Fleischer) oder das Kfz-Handwerk. Während vor allem Bäcker und Fleischer weiterhin mit starker Konkurrenz vonseiten der Lebensmittel-Discounter und spezialisierten Billig-Filialisten leiden, verzeichnete das Kfz-Handwerk im vergangenen Jahr zwar einen Umsatzanstieg bei Reparaturen, aber durch den deutlich gesunkenen Neuwagenverkauf eben auch antizyklische Einbußen. Hier machte sich sicherlich die im Jahr zuvor ausgelaufene Abwrackprämie bemerkbar. Fast schon euphorisch zeigen sich hingegen die Bereiche Bauhauptgewerbe (auch Straßenbau) sowie die Ausbaugewerke wie Dachdecker oder Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallateure. Im Bauhauptgewerbe übersprang der Anteil derjenigen, die ihre eigene Lage als "gut" bezeichneten sogar auf über die Hälfte (50,4 Prozent nach 45,7 Prozent im Herbst 2010). Im Kfz-Gewerbe trübten sich die Indexwerte für die derzeitige Lage und die Geschäftserwartungen hingegen spürbar ein (von 30,3 Indexpunkten auf 23,7. Deutlich verbessert zeigten sich hingegen die Sparten Ernährungshandwerk und personenbezogene Dienstleistungen (hier vor allem das Friseurhandwerk). Zwar stieg in beiden Branchen der Anteil der Unternehmen mit "schlechter" Geschäftslage an. Der Anteil der Unternehmen, die ihre eigene Geschäftslage als "gut" bezeichneten schoss regelrecht in die Höhe. Für Weltrich ist das ein Zeichen, dass der Aufschwung auch im Handwerk an Breite gewonnen hat.

Eine interessante Beobachtung ergibt sich aus der Betrachtung der einzelnen Regionen der Handwerkskammer, die im Gegensatz zur Industrie- und Handelskammer (IHK) auch die beiden Kommunen Rhein-Sieg-Kreis und Bonn umfasst. Während sich in der Millionenstadt am Rhein der Anteil der mit "schlechter Geschäftslage" eingestuften Antworten nur leicht von 13,3 auf 14,2 Prozent erhöhte, schnellte dieser Wert in Leverkusen und Bonn um fast zehn Prozentpunkte in die Höhe. Konkrete Gründe dafür gebe es nicht. Allerdings stiegen in beiden Kommunen auch die Anteile der Unternehmen mit "guter Geschäftslage" deutlich stärker an als in Köln.

Ausblick bleibt optimistisch – trotz Drehen an der Steuerschraube

Auch bei seiner Prognose zeigte sich Weltrich guter Dinge. "Der Aufschwung wird sich fortsetzen", so der HWK-Hauptgeschäftsführer weiter. Allerdings gebe es neben den globalen Risiken wie Verschuldung der USA und einiger Euro-Staaten oder den Auswirkungen der Naturkatastrophe von Japan auch Hausgemachte. Kritik erntet hier vor allem die derzeit diskutierte Erhöhung der Grunderwerbssteuer. "Das ist völlig kontraproduktiv. Wir können es uns nicht leisten, Investitionen in den Gebäudebestand zu verteuern", urteilt Weltrich. Auch die ab Mai dieses Jahres geltende Neuregelung der Arbeitnehmerfreizügigkeit erfüllt das Handwerk mit Sorge. "Es darf nicht sein wie 2004 bis 2006, als Scheinselbständige in einigen Berufen ohne Mindestlöhne den Markt gefährdet haben", stellte Weltrich fest. Schlaflose Nächte bereite das jedoch nicht, bereits seit längerer Zeit befinde man sich da in Gesprächen mit Vertretern der betroffenen EU-Mitgliedstaaten, allen voran Polen. Gute Noten vergibt der HWK-Chef hingegen für die bisherige Umsetzung der Maßnahmen im Rahmen des zweiten Konjunkturpakets der Bundesregierung. Viel wichtiger ist es für die Handwerksbetriebe, dass die Erhöhung der Vergabegrenzen, zum Beispiel für beschränkte Ausschreibungen auf eine Million Euro, über das Ende des Förderprogramms Ende 2011 hinaus erhalten bleibt. Auch bleibt abzuwarten, ob der von der Bundesregierung eingeplante "Mittelstandsfördereffekt" tatsächlich eingetreten sei. Das aber könne man erst im kommenden Jahr wirklich nachrechnen.







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