27. 05. 2012
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Handwerk: Umsatzverluste in 2009 halten sich in Grenzen
Das vergangene Jahr 2009 stand ganz im Zeichen der Weltfinanzkrise. Auch im Handwerk der Region war die Krise spürbar. Allerdings zeigten sich die Handwerksbetriebe über alle Branchen hinweg ausgesprochen stabil, die Umsätze sind in den ersten drei Quartale des Jahres 2009 um vier bis Prozent zurückgegangen. Viel erfreulicher stellte sich nach Angaben der Handwerkskammer Köln die Situation auf dem Arbeitsmarkt dar. Das Handwerk hat zwar über alle Branchen hinweg Stellen abgebaut. Allerdings zog im Krisenjahr – und das wirkte dem entgegen – die Zahl der Neugründungen an. Per Saldo kamen 631 Unternehmen neu hinzu oder wurden "umgegründet" Mit rund 185.000 Mitarbeitern beschäftigt das Handwerk im Großraum Köln/Bonn deutlich mehr Arbeitnehmer und Angestellte als die Industrie, betonte Weltrich. Auch am Ausbildungsmarkt gab es einen positiven Trend, der zu Beginn des Jahres 2009 so nicht vorhersehbar war, so Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Kölner Handwerkskammer.
Der "Gemischtwarenkonzern" Handwerk, der sich seit wenigen Wochen das Label "Wirtschaftsmacht von nebenan" im Rahmen einer bundesweiten Imagekampagne gegeben hat, hat damit das Wirtschaftskrisenjahr vergleichsweise gut überstanden. Zwar gab es vor allem in den Zulieferbetrieben für die Industrie, den Maschinenbau und das Automobilgewerbe bisweilen deutliche Abschläge. Hier registrierte die Kammer auch nennenswerte Kurzarbeit. Dafür sorgte insbesondere das Installationshandwerk für sogar steigende Auftragseingänge und folgerichtig Umsätze. Allerdings werfen die jüngsten Meldungen zum Beispiel zur Konsumnachfrage in diesem Jahr für einige Fragezeichen. "Wir sind aus der Krise noch nicht heraus", warnte Weltrich in der heutigen Jahrespressekonferenz vor allzu großer Euphorie. Die Wertediskussion, von denen insbesondere die familiengeführten, mittelständischen Betriebe profitiert haben, darf angesichts wieder anziehender Nachfrage und konjunktureller Erholung nicht aufhören, forderte der Kammergeschäftsführer.
Von den Kommunen forderte Weltrich nun eine zeitnahe Evaluierung der Maßnahmen im Konjunkturpaket. Zwar komme in kleineren Städten bei der Vergabe ein erheblicher Teil auch bei den lokalen und regionalen Handwerksbetrieben an. In den drei Großstädten des Kammerbezirks (Köln, Bonn, Leverkusen) aber komme das zweite Konjunkturpaket "nur zögerlich" an. Kritik übte der Kammergeschäftsführer vor allem an der Stadt Bonn. Hier scheint die Stadtverwaltung eine Erhöhung der Vergabegrenzen zu blockieren. In Köln sollte in diesem Jahr ein neues Investitionsprogramm für den Straßenbau aufgelegt werden. Weltrich sprach in diesem Zusammenhang von einem Investitionsvolumen in Höhe von rund 20 Millionen Euro. Diese Branche wurde im Konjunkturpaket ausgeklammert, die ursprüngliche Geschäftsgrundlage für das Konjunkturpaket habe sich inzwischen allerdings geändert. Noch mehr Anlass zur Sorge sieht Weltrich für das Handwerk bei der Verkehrspolitik der neuen Koalition von SPD und Grünen in Köln. Sollte die Umweltzone tatsächlich wie geplant, verschärft werden sollte, wären fast zwei Drittel des Fuhrparks der Handwerksbetriebe betroffen. "Das wäre fatal und ein Tiefschlag für das Handwerk", so die klaren Worte des Kammerverantwortlichen.
Dass Kommunen auch mittelstandsfreundlich arbeiten können, zeigen die Beispiele Hückeswagen sowie im Oberbergischen Kreis. Beide Kommunen haben sich im vergangenen Jahr als "mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung" freiwillig zertifizieren lassen. Mit diesem Gütesiegel des kommunalen Zusammenschlusses werde die Rechtfertigungslast umgedreht. So soll zukünftig die Zahlungsfrist kommunaler Auftraggeber erheblich verkürzt werden. Studien im vergangenen Jahr hatten deutlich gemacht, dass die Zahlungsmoral öffentlicher Auftraggeber nicht die beste ist. Mit einem solchen Gütesiegel könne man auch den Bürokratieabbau für das Handwerk forcieren, so Weltrich. Trotz des positiven Rückblicks in Sachen Konjunkturstabilität sowie den Beschäftigten- und Ausbildungszahlen gebe es im Handwerk weiterhin viele Sorgenkinder. Dazu gehören unter anderem das Friseurhandwerk. Hier wurden zwar auch mehr Betriebe gegründet, aber wegen des insgesamt zu beobachtenden Umsatzrückgangs sei das eine "ungesunde Marktentwicklung". Das Bäckereihandwerk leidet unter einer Konzentrationstendenz, das Fleischerhandwerk unter den Expansionsbemühungen der großen Handelsketten. Als positiv zu werten ist hingegen die hohe Gründungsbereitschaft junger Meister. "Eine hohe Qualifikation schützt vor Arbeitslosigkeit", kommentierte Weltrich diesen Trend. Und auch der negative Trend junger Auszubildender mit Migrationshintergrund scheint im vergangenen Jahr gestoppt. Noch in diesem Frühjahr will die Handwerkskammer zusammen mit den Arbeitsagenturen vor Ort eine neue zweisprachige Ausbildungsbörse in türkischer, russischer, griechischer und italienischer Sprache initiieren. Das ist möglicherweise auch bitter nötig. Denn trotz Krise und einem leichten Beschäftigungsrückgängen spüren immer mehr Handwerksbetriebe die Folgen des demografischen Wandels. Eine konkrete Erwartung für das laufende Jahr nannte Weltrich heute nicht, dafür sei es noch zu früh. "Wenn die Politiker alles richtig machen, befürchten wir auch in diesem Jahr keinen Einbruch", so der Kammergeschäftsführer abschließend.

























