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27. 05. 2012
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IHK: Konjunktur in der Region fasst langsam Fuß


28.01.2010 17:06 von:

Schlagwörter: Köln,IHK,Kammerbezirk,Konjunkturumfrage,Differenzierung,Dienstleistung,Industrie

"Der Fall war tief und rasant. Die Erholung fällt lange nicht so steil aus", so fasste IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Herbert Ferger die Ergebnisse der ersten IHK-Konjunkturumfrage im neuen Jahrzehnt zusammen. Am heutigen Donnerstag präsentierte die Kammer die Ergebnisse der im Dezember vergangenen Jahres durchgeführten Umfrage. Demnach hat sich auch im Winter 2009/2010 der Optimismus insgesamt spürbar erhöht. Auch bei der Geschäftslage stellte die Kammer eine leichte Belebung fest. Im Gegensatz zur Erwartungshaltung fällt die Verbesserung der Geschäftslage aber vergleichsweise moderat aus. Fast die Hälfte der rund 2000 befragten Unternehmen aus dem Kammerbezirk hatten ihre Einschätzung zu aktueller Geschäftslage und den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate abgegeben. Und in der Tat stieg der Anteil der Optimisten weiter an, während die Zahl der Pessimisten abnahm. Im gesamten Kammerbezirk stuften inzwischen 18,4 Prozent die eigene Lage als "gut" ein, in Köln sogar ein Prozent mehr. Allerdings war die Zahl der Pessimisten immer noch deutlich höher. Im gesamten Kammerbezirk bezeichneten 30,2 Prozent der Unternehmen ihre Lage als "schlecht" ein, die 634 Antworten der Kölner Unternehmen sind hingegen nur zu etwas mehr als einem Viertel (25,8 Prozent) pessimistisch eingestellt. Bei den Geschäftserwartungen waren die Unterschiede zwischen der Metropole Köln und den Umlandkreisen deutlich geringer. Insgesamt erwarteten 28,9 Prozent in der nahen Zukunft bessere Geschäfte. 14,1 Prozent befürchten nachlassende Geschäfte, der große Rest und damit weit über die Hälfte der Befragten rechnet mit gleichbleibenden Geschäften.

Konjunkturerholung differenziert wie nie zuvor

Der relativ klare Trend wird allerdings relativiert durch große Unterschiede in den einzelnen Branchen wie auch in den Regionen. Nicht alle Umfrageergebnisse lassen sich nach Einschätzungen der Kölner Kammer erklären. So gibt es beispielsweise im Rheinisch-Bergischen Kreis ein großes Übergewicht von Unternehmen, die ihre derzeitige Geschäftslage als "schlecht" bezeichnen. Auf der anderen Seite zeigten sich die Befragten aus dieser Region aber überraschen positiv bei den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate. Könnte der negative Wert bei der Geschäftslage auf den starken industriellen Kern zurückzuführen sein, überrascht der hohe Wert bei den Geschäftserwartungen. Als Beleg für diesen eher verwirrend anmutenden Wert dient den Konjunkturexperten der Kammer die Situation im benachbarten Oberbergischen Kreis. Auch hier gibt es einen starken industriellen Kern, entsprechend negativ ist der Wert für die Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage. Im Gegensatz dazu überwiegen hier aber auch die Pessimisten bei der Frage nach den Geschäftserwartungen die Zahl der Optimisten. Auch die Aussage, dass Köln in der Krise aufgrund seines hohen Anteils an Dienstleistungsunternehmen besser durch die "historische" Wirtschaftskrise gekommen ist, sei falsch, erläuterte Ferger. So verzeichnet der Rhein-Erft-Kreis ähnliche Werte für Optimisten und Pessimisten wie die Stadt Köln.

Dieses Bild setzt sich auch bei der Beurteilung von Lage und Erwartungen unter den verschiedenen Branchen fort. So differenziert sich selbst das Bild innerhalb einzelner Branchen. Beispiel: Verarbeitendes Gewerbe. Hier liegen vor allem die Betriebe der Metallverarbeitung und des Maschinenbaus trotz leicht gestiegener Exporterwartungen am unteren Ende, während auf der anderen Seite die Chemische Industrie, die Bauwirtschaft und auch die Elektrobranche deutlich bessere Werte ausweisen. Neben Sondereffekten wie den Konjunkturprogrammen (Abwrackprämie für den Fahrzeugbau und die spezialisierten Zulieferbetriebe sowie das Konjunkturpaket II mit seinen Auswirkungen für das Bauhandwerk) spielt auch die Art der hergestellten Güter eine wichtige Rolle. Ähnliches gilt auch für unternehmensnahe Dienstleistungen und den Großhandel. Ebenfalls tief im negativen Bereich befindet sich das Verkehrsgewerbe. Hier – wie auch im Maschinenbau – ist allerdings die Zahl der Optimisten für die kommenden sechs Monate deutlich angestiegen. "In diesen Erwartungen spiegelt sich vor allem die Gewissheit, dass in diesen Branchen der Boden erreicht ist und es nun nur noch bergauf gehen kann", kommentierte Ferger die Zahlen. Insgesamt wird der deutliche Anstieg der Geschäftserwartungen vor allem durch die Branchen getragen, die am härtesten unter der Wirtschaftskrise gelitten haben und noch weiter leiden.

Unsicherheit bei der Entwicklung von Investitionen und Beschäftigung

Eine weitere Unsicherheit liegt in der Frage, wie sich die Investitionspläne der befragten Unternehmen, insbesondere im Personalbereich, auf die zukünftige Entwicklung des Arbeitsmarktes auswirken wird. "Es ist eigentlich positiv, dass unsere Befürchtungen zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit bis zum heutigen Tage sich regelmäßig nicht bewahrheitet haben. Da kommt man sich merkwürdig vor", bemerkte Ferger. Unzweifelhaft ist aus Sicht der Kammer, dass die Flexibilierung des wichtigsten arbeitsmarktpolitischen Instruments, der Kurzarbeit, hier wichtige Dienste geleistet hat. Allerdings steht zu befürchten, dass vor allem bei großen und kleinen Unternehmen (unter 20 Beschäftigten) eine langsame Erholung zu Anpassungen der Mitarbeiterzahl an die rückläufigen Auftragsvolumina führen könnte. Möglicherweise steht hier das sprichwörtliche "dicke Ende" noch bevor, eine genaue Prognose wollte die Kammer aber nicht geben. Insgesamt aber wollen über alle Branchen hinweg rund doppelt so viele der befragten Unternehmen eher Personal abbauen als neues Personal einzustellen. Und auch die Kurzarbeit ist nur eine Übergangslösung, wie Ferger betonte.

Dass sich die negativen Geschäftszahlen des zurückliegenden Krisenjahres insbesondere bei Unternehmen mit geringer Eigenkapitalquote negativ auswirken wird, machten die Konjunkturexperten der Kammer an der Kreditvergabe der Banken fest. "Die Krise wird an den Ratings der Banken nicht spurlos vorübergehen, wir sind in Sorge, dass sich hierdurch die Liquidität der betroffenen Unternehmen durch eine entsprechende Verteuerung der Kredite spürbar verschlechtern wird", so der IHK-Hauptgeschäftsführer weiter. Eine flächendeckende "Kreditklemme" gebe es allerdings nicht. "Kapitalstarke mittelständische Unternehmen werden in der wieder anziehenden Konjunktur als Gewinner dastehen", ist sich die neue IHK-Geschäftsführerin Christi Degen sicher. Insbesondere aber für große und kleine Unternehmen werden sich Kredite deutlich verteuern. Ein regelrechtes Dilemma sieht die Kammer dabei in der Position der Förderbanken. So verweigern sich Kfw und die nordrhein-westfälische Förderbank bislang beharrlich einer so genannten "100-Prozent-Lösung" zuzustimmen. Sie befürchten eine "Abwälzung" der Kreditrisiken von der Hausbank zur staatlichen Förderbank. "Wenn sich die Zahl der Insolvenzen allerdings deutlich nach oben entwickelt, wird das zu einem Politikum", befrüchtet Ferger. Zusammen mit regionalen Kreditinstituten habe man verschiedene Lösungen entwickelt, um dieses Problem anzugehen. Immerhin zeigten sich die Vertreter des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums "nachdenklich", wie Ferger von einem Treffen in der Kölner IHK berichtete.

In jedem Fall ist die nun dargestellte Konjunkturumfrage und die Ergebnisse daraus deutlich "erklärungsbedürftiger" geworden. Am generellen Trend einer "schrittweisen" Konjunkturerholung ändert das indes wenig. Nur dass im Gegensatz zu früheren Konjunkturerholungen die Entwicklung in dieser Zeit so unterschiedlich verlief wie niemals zuvor. "Die Zeit der einfachen Wahrheiten ist vorbei", so der IHK-Hauptgeschäftsführer abschließend.







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