27. 05. 2012
Seite drucken
IHK-Konjunkturumfrage: Kluft zwischen Lage und Erwartung wächst weiter
Trotz der anhaltenden Krisendebatte scheinen die Unternehmen in der Region in den vergangenen Monaten weiterhin gute Geschäfte gemacht zu haben. Die Krise scheint im Großraum Köln noch nicht wirklich auf die „Realwirtschaft“ durchgeschlagen zu sein. Das ist eines der Ergebnisse der Kojunkturumfrage der Köner Industrie- und Handelskammer IHK, die am heutigen Mittwoch in der Zentrale vorgestellt wurde. Demnach bleibt der Geschäftsklimaindex in der Region mit 37,5 Punkten auf einem erstaunlich hohen Niveau. Der Indexwert errechnet sich aus der Saldierung der positiven und negativen Beurteilungen der eigenen Geschäftstätigkeit. Folglich standen den 45,9 Prozent der 570 befragten Unternehmen, die mit der Geschäftslage ihres Unternehmens zufrieden warn, lediglich 8,4 Prozent, denen es eigener Aussage schlecht ging. Deutlich skeptischer fielen die Ergebnisse bei der Frage nach den Geschäftserwartungen aus. Während 22 Prozent der Befragten optimistisch in die kommenden sechs Monate blicken, erhöhte sich der Anteil derjenigen, die in diesem Zeitraum mit sinkenden Umsätzen rechen, auf inzwischen 18,5 Prozent.
„Besonders erfreulich ist, dass die gute Stimmung von den meisten Branchen getragen wird. Viele Industrieunternehmen berichten von einer guten Kapazitätsauslastung und auch im Handel und im Dienstleistungssektor bleibt die Stimmung gut“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Herbert Ferger in seiner letzten Konjunktur-PK. Ab April dieses Jahres übernimmt sein Nachfolger Ulf Reichhardt. Die so genannte „Realwirtschaft“ scheint derzeit ungewöhnlich robust. Selbst bei den Geschäftserwartungen blieb der saldierte Indexwert im positiven Bereich. Hier gebe es allerdings eine breite Spanne von Erwartungen, wie die IHK-Verantwortlichen ausführten. „Selten lagen die Erwartungen an die kommenden Monate und die Prognosen der Konjunkturforscher so weit auseinander wie in diesem Jahr“, musste auch Ferger einräumen.
Unsicherheiten bleiben – Erwartungsindex bröckelt
Der erneute Rückgang des Indexwertes zur Geschäftserwartung für die kommenden sechs Monate verwundert nicht, zeigt aber deutlich die Risiken. Risikofaktoren gibt es einige. Neben der Euro-Staatsschuldenkrise zeigen sich auf den Weltmärkten auch Anzeichen einer Abkühlung beim Außenhandel. Das wirkt sich negativ auf die Erwartungen der in der Region traditionell starken Exportwirtschaft aus. Auch die auf hohem Niveau stagnierenden Ölpreise sind als Risikofaktor keineswegs ausgeschlossen. Die Befürchtungen sind dabei weniger ein Ende der Gemeinschaftswährung, vielmehr sehen die befragten Unternehmerinnen und Unternehmer die möglichen Folgen als kritisch an. Sie befürchten bei einem Ausufern der Staatsschuldenkrise die Gefahr von Abgaben- und Steuererhöhungen bzw. von rückläufigen Investitionen der Gebietskörperschaften. Der mit Abstand am häugisten genannte Risikofaktor ist allerdings die weitere Entwicklung der Binnennachfrage. 56 Prozent nannten diesen Aspekt.
Export rückläufig – Investitionen bleiben stabil
So ist es kein Wunder, dass der Anteil der Optimisten unter den exportorientierten Unternehmen in der Region deutlich geringer war als in Zeiten des Exportbooms. Lediglich 13,4 Prozent der Befragten erwarten demnach steigende Exporterlöse, mehr als ein Viertel (25,8 Prozen) gehen hingegen von sinkenden Umsätzen im Außenhandel aus. Ein Jahr zuvor waren lediglich 8,9 Prozent skeptisch. Deutlich positiver sieht die voraussichtliche Entwicklung am Arbeitsmarkt aus. Hier antworteten mehr als ein Viertel (25,7 Prozent), dass sie auf mittlere Sicht mehr investieren wollen. 18,7 Prozent wollen ihre Investitionen allerdings zurückfahren. Für die Kölner ist das ein Anzeichen für eine nachlassende Dynamik, jedoch kein Krisen-Szenario. Für die kommenden Monate rechnet die Kammer folglich mit einem weiteren Ansstieg des ohnehin schon hohen Beschäftigungsniveaus.
Hauptprofiteure der Geschäftsentwicklung in den vergangenen Monaten war neben weiten Teilen des Einzelhandels und des Dienstleistungssektors auch die Immobilienwirtschaft. Der demografische Wandel und der it ihm einhergehende Mangel an qualifiziertem Fachpersonal wirkt weiter bremsend auf die Konjunkturentwicklung, so die Kammer weiter. So ist das Fazit des scheidenden Hauptgeschäftsführers verhalten positiv. „Wir hoffen, dass es weiter gelingt, die Region Köln in dem schwierigen Umfeld auf Wachstumskurs zu halten. Besonders mit Blick auf die Hoffnungsträger Arbeitsmarkt und Investitionen glauben wir, dass unsere Region mit einem blauen Auge davon kommt“, lautet die abschließende Meinung des IHK-Verantwortlichen.

























