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27. 05. 2012
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IHK-Konjunkturumfrage: Krisenbefürchtungen und eine Stadt-Umland-Diskrepanz


29.09.2011 17:28 von:

Schlagwörter: Köln,IHK,Herbstumfrage,2011,September,Geschäftslage,Geschäftserwartung,Krise,Sti

Konjunkturkurven bewegen sich in Wellen. In seiner legendären Dissertation im Fach Agrarwissenschaften und seiner Erkenntnis periodischer Schwankungen auf der Angebotsseite hatte der angehende Akademiker Arthur Hanau am Beispiel der "Schweinezucht" aufgezeigt, wie sich Angebot und Nachfrage immer wieder zyklisch aufeinander zu und voneinander weg bewegen. Längst ist das Wort "Schweinezyklus" als Synonym für diese periodisch auftretenden Schwankungen ein feststehender Begriff. Ökonomisch ist dieses Phänomen recht simpel erklärt. In Phasen steigender Preise reagieren Unternehmen oder Marktteilnehmer und eben auch Schweinezüchter mit verstärkten Investitionen. Wegen der zeitlichen Verzögerung in der Realisierung von Innovationen (neue Produkte und Dienstleistungen oder eben Frischlinge), tritt das Überangebot und der sich daran anschließende Preisverfall erst mit zeitlicher Verzögerung auf. Stabilisiert und kräftigt sich die Nachfrage und beginnt mit dem Steigflug, dauert es eine gewisse Zeit, bis die Produzenten ihre Kapazitäten wieder hochgefahren haben, um die "Angebotslücke" zu schließen. So ist das bei Schweinen und so ähnlich verhält es sich mit der Konjunktur.

Drohender Abschwung: In Köln ist Stimmung und Zuversicht deutlich besser als im Umland

Es mag angesichts einer dynamischen Gesamtpreisentwicklung (Inflation: 2,8 Prozent) etwas paradox klingen, aber jüngste Meldungen aus der Automobilwirtschaft zur Preispolitik am POS ("point of sale") zeigen, dass der Kampf um Marktanteile hier deutlich anzieht, messbar an sinkenden Preisen und steigenden Rabatten. Es dürfte folglich für diesen Bereich der Wirtschaft nach historischer Erfahrung nur eine Frage der Zeit sein, wann die Produzenten ihre Kapazitäten wieder zurückfahren müssen, um auf die nachlassende Nachfrage zu reagieren. Zumindest der heute von der Industrie- und Handelskammer IHK vorgestellte Konjunkturklimaindex zum Herbst bildet genau diese Befürchtungen ab. Nur noch 22,2 Prozent der Kölner Unternehmen (IHK-Bezirk: 18,4 Prozent) gehen für die kommenden Monate von einer Verbesserung ihrer eigenen Geschäftslage aus. Die Unterschiede zwischen Metropole und den umliegenden Kreisen fällt angesichts der Talfahrt bei den Geschäftserwartungen im Herbst kaum ins Gewicht. Der Indexwert (das Saldo zwischen Optimisten und Pessimisten) sackte in Köln von 18,8 auf 2,5 Indexpunkte. Im gesamten Kammerbezirk war die Differenz zwischen den beiden Erhebungen sogar noch größer (von 19,0 auf –3,0 Punkte). Ein ähnliches Bild boten die ermittelten Indexwerte für die Exporterwartungen.

Dem steht jedoch eine derzeitige Geschäftslage gegenüber die weiterhin auf ausgesprochen hohem Niveau. In der Stadt Köln zog der Index für die Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage sogar noch einmal leicht von 38,5 auf 39,1 Punkte. Übersetzt bedeutet das: Fast jedes zweite befragte Unternehmen (47,1 Prozent) beurteilt die derzeitige Geschäftslage als "gut". Dem stehen genau acht Prozent Pessimisten gegenüber. Etwas verhaltener sah es im gesamten Kammerbezirk aus. Hier verzeichnete der Lageindex mit einem Rückgang um gleich fünf Punkte auf 35,4 einen bereits spürbaren Einbruch. Eine ähnliche Diskrepanz zeigt auch der Blick auf die Investitionspläne. Während in Köln der Indexwert sogar leicht ansteigt, geht er im gesamten Kammerbezirk deutlich nach unten. Bei den Beschäftigungsplänen verzeichnet allerdings auch Köln einen Dämpfer. Aber selbst der fällt mit einem Rückgang von 2,3 Punkten vergleichsweise moderat aus. Auch hier schneidet das Zentrum des Kammerbezirks deutlich günstiger ab als das Umland. Im gesamten IHK-Bezirk rutschte dieser Indexwert um 6,6 Punkte in den Keller.

Dienstleistung rettet Kölner Indexwert

Einer der möglichen Ursachen dieser in dieser Umfrage sehr deutlichen Diskrepanz liegt in der unterschiedlichen Branchenstruktur begründet. Während im Oberbergischen die exportabhängige Metallverarbeitende und Automobilzulieferindustrie stark vertreten ist, liegt ein weiterer Schwerpunkt im westlich von Köln gelegenen Rhein-Erft-Kreis bei der Transport- und Logistikwirtschaft. Genau hier aber rauschte die Geschäftserwartungen bisweilen um mehr als 30 Indexpunkte nach unten. Großhandel und Dienstleistungsgewerbe hingegen stabilisieren den Gesamtindex. Die Geschäftserwartungen im Dienstleistungssektor bleiben sogar mit 14,1 Punkten deutlich im positiven Bereich. Auch die Geschäftserwartungen des Großhandels bleiben mit 3,6 Punkten im positiven Bereich. Bemerkenswert ist zudem die Entwicklung im Transportgewerbe. Während hier die Geschäftserwartungen auf - 17,5 Punkte und damit um rund 30 Indexpunkte einbrachen, beschleunigte sich bei der Beurteilung der Geschäftslage der Aufwärtstrend der vergangenen Umfragen sogar noch leicht. Mit einem Anstieg auf + 15 Punkte erreicht die Transportbranche den besten Wert seit der historischen Wirtschaftskrise.

Es passt zur differenzierten Betrachtungsweise, dass auch dieser Indexwert ein eher ungewohnten Verlauf nimmt. Bezogen auf den "Schweinezyklus" zeigen sich erste Anzeichen eines beginnenden Überangebots, der Scheitelpunkt des Booms scheint überwunden und die Frage lautet nicht, in welche Richtung geht der Index , sondern mit welcher Dynamik fällt er in den kommenden Wochen? Wichtig war der IHK demnach auch, in welchem Maße die Unternehmer Risiken in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sehen. Der entsprechende Anteil derjenigen, die vor allem hier eine Gefahr für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung sehen, schnellte von 34,3 auf 49,3 Prozent nach oben, meldete die Kammer abschließend. Auch das ist in Krisen ein typisches Zeichen.

An dieser Konjunkturumfrage beteiligten sich insgesamt 633 von 1800 angeschriebenen Unternehmen. 287 Unternehmen aus dem Kölner Stadtgebiet nahmen an der Herbstumfrage teil. Detaillierte Informationen zur Konjunkturumfrage und Auswertungen der Kommunen im Kammerbezirk finden sie auch im Internet unter: www.ihk-koeln.de.







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