27. 05. 2012
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IW-Studie: Mittelschicht in Deutschland robuster als erwartet
Das Münchener Roman Herzog Institut hat eine neue Publikation herausgebracht. "Wie schlecht steht es wirklich um die gesellschaftliche Mitte?", so der leicht provokante Titel der Wissenschaftler Dominik Ernste, Vera Erdmann und Tatjana Kleineberg. Die haben sich einmal ausführlich und gründlich mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) beschäftigt, die in regelmäßigen Abständen vom DIW in Berlin zusammengetragen und interpretiert werden. Dabei stellten sie Erstaunliches fest. So ist beispielsweise die Mittelschicht im zurückliegenden Krisenjahr 2009 nicht kleiner, sondern sogar etwas größer geworden. Von einer objektiven Abstiegsbedrohung der Mittelschicht könne folglich auch keine Rede sein, so die Schlussfolgerung der Analysten. Auch haben sich die Einkommensunterschiede zwischen der Mittelschicht und höheren Einkommen in der Vergangenheit nicht wesentlich vergrößert.
Der Vergleich der sozio-ökonomischen Strukturdaten zeigt jedoch vielmehr, dass seit 1993 die Mittelschicht in ihrer Breite relativ konstant geblieben ist. Während die unteren Einkommensschichten in den vergangenen Jahren immer bei rund 20 Prozent der Bevölkerung ausmachten, lag die Spanne der oberen Einkommensschichten mit 16 bis 19 Prozent ebenfalls in einem relativ engen Rahmen. Folglich waren in den zurückliegenden 17 Jahren zwischen 60 und 67 Prozent der Bevölkerung Angehörige der mittleren Einkommensgruppen. Randolf Rodenstock, Vorstandsvorsitzender des Münchener Roman Herzog Instituts relativierte jedoch die Bedeutung der Größe der Mittelschicht für den sozialen Frieden: "Für den Zusammenhalt einer Gesellschaft ist nicht die bloße Größe der Mittelschicht bedeutsam, sondern vielmehr die Aufstiegschancen aus der niedrigen Einkommensschicht in die Mittelschicht."
Auch hier zeigt die Studie, dass die Aufstiegschancen entscheidend vom Bildungsniveau abhängen. Personen ohne einen beruflichen Abschluss oder höheren Schulabschluss bilden die größte Gruppe in der niedrigen Einkommensschicht. Hochschulabsolventen sind sehr stark in der hohen Einkommensgruppe zu finden. Zwei Drittel der Personen aus der mittleren Einkommensgruppe weisen hingegen einen mittleren Bildungsabschluss auf. "Damit kann die Einkommensmittelschicht gut als Bildungsmittelschicht bezeichnet werden. Bildung sorgt für höheres Einkommen und bessere Aufstiegschancen: Arbeit + Bildung = Chancengerechtigkeit. Gesellschaftlichen Zusammenhalt und sozialen Frieden erreichen wir daher zuverlässiger, wenn wir Chancengerechtigkeit anstreben, als wenn wir uns primär auf die Einkommensumverteilung konzentrieren", so die Schlussfolgerung.

























