27. 05. 2012
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Köln/Bonn: Konjunkturaufschwung auch im Handwerk spürbar
Der Konjunkturaufschwung setzt sich langsam aber stetig auf eine immer breitere Grundlage. Wie die Handwerkskammer Köln heute bekannt gab, ist das Umsatzniveau zumindest im klein- und mittelständisch geprägten Handwerk in der Region aber noch nicht auf dem Stand vom Vorkrisenjahr. Schon aber stehen neue Gefahren für die zarte Pflanze des Konjunkturaufschwungs an, wie der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Dr. Ortwin Weltrich, bei der heutigen Vorstellung der Ergebnisse der Herbstumfrage unter den Mitgliedsbetrieben erläuterte. Wie schon vor Wochenfrist bei den rheinischen IHKs bestätigt sich nun auch im Handwerk in der Region Köln/Bonn, dass die kräftige Erholung der Konjunktur auch unter den kleineren Marktteilnehmern an Fahrt gewinnt. Erst im Sommer hatte die Kölner IHK in einer Sonderauswertung eine zeitliche Verzögerung bei den kleineren Unternehmen festgestellt. Sie reagierten naturgemäß erst später auf eine anziehende Konjunktur.
Im Handwerk sieht das wohl ähnlich aus. So ist der Anteil der Optimisten im Herbst dieses Jahres weiter angestiegen. Innerhalb eines Jahres stieg er von 29 auf 39 Prozent bei der Beurteilung der Geschäftslage. Nur noch zwölf Prozent der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer stuften ihre eigene Geschäftslage als schlecht ein. Auch bei den Geschäftserwartungen hat sich das Verhältnis binnen eines Jahres umgedreht. So sank der Anteil derjenigen, die in den kommenden sechs Monaten eine Verschlechterung der Geschäftslage erwarten, seit Herbst vergangenen Jahres von 35 auf 16 Prozent. Vor allem in der Bau-, der Ausbau- und dem Metallgewerbe kommen positive Impulse, erklärte Weltrich bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Insbesondere die Branche der metallverarbeitenden Handwerksbetriebe war der Umsatzeinbruch während der zurückliegenden Wirtschaftskrise jedoch substanziell. Immerhin konnten so die Umsatzverluste teilweise wieder ausgeglichen werden. Auf der anderen Seite gebe es auch saisonale Effekte, wie beispielsweise beim Dachdeckerhandwerk. Hier gab es im zweiten Quartal dieses Jahres einen Umsatzanstieg von zwölf Prozent. Allerdings ist dies zunächst auf eine Verschiebung der Investitionen von einem in das andere Quartal zu sehen. Das lag nach Ansicht der Kammer an dem ungewöhnlich langen und strengen Winter.
Schwächere Branchen und der negative Einfluss des Staates
Auf der anderen Seite spüren die privaten Dienstleister wie Friseure, Schuhmacher oder Schneider im Handwerk vom Konjunkturaufschwung bisher eher weniger. Mit lediglich zwölf Prozent ist der Anteil derjenigen, die mit ihrer derzeitigen Lage zufrieden sind, weiterhin ausgesprochen gering. Bei 16 Prozent der Betriebe ist die Geschäftslage schlecht, auch hier gab es einen Rückgang, auch wenn der nicht so stark wie in anderen Branchen zu spüren war. Die anziehende Konjunktur zieht zugleich auch eine deutliche Reduzierung des Preisdrucks nach sich. Waren vor einem Jahr noch 25 Prozent der befragten Betriebe der Ansicht, die Kalkulationen nach unten anzupassen, so sank dieser Anteil im Herbst dieses Jahres auf elf Prozent ab. Auch in Sachen Personal gibt es positive Impulse. Das Verhältnis zwischen Unternehmen, die zusätzliches Personal einstellen, und denen, die ihren Personalbestand reduzieren, hat sich ebenfalls umgedreht. Bei etwas mehr als einem Fünftel der Befragten (21 Prozent) ist die Zahl der Mitarbeiter gestiegen, bei 13 Prozent der Betriebe war er rückläufig. Aber trotz der positiven Vorzeichen mahnte Weltrich am heutigen Donnerstag auch die Politik vor einem selbstverschuldeten Ende des Aufschwungs. So erwartet der Zentralverband des Deutschen Handwerks in diesem Jahr lediglich ein Umsatzwachstum von 0,5 Prozent. Auf Kritik stößt beim Handwerk die angekündigte Erhöhung der Gewerbesteuerhebesätze und weiterer Kommunalsteuern. Die fiskalische Mehrbelastung komme "zur Unzeit", kritisierte Weltrich abschließend. Und auch hier gibt es weitere Befürchtungen. So soll beispielsweise ab dem Jahr 2013 die Rundfunkgebührenfinanzierung umgestellt werden. Die Kammer rechnet im Extremfall mit einer Versechsfachung der Gebührenbelastung, wie Weltrich am Beispiel einer Bonner Bäckereikette vorrechnete.

























